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BURN AFTER READING



USA 2008

   
Die Fitnesstrainerin Linda Litzke und ihr Kollege Chad Feldheimer finden die Memoiren des suspendierten CIA-Agenten Ozzie Cox in ihrem Club. Die beiden wittern das große Geschäft mit den geheimen Staatsaffären. Dass aber ausgerechnet die Liebesaffären des sexuell umtriebigen Regierungsbeamten Harry Pfarrer die Erpressungsversuche behindern würden, konnte natürlich niemand ahnen. Schon bald ist den Amateur-Erpressern eine ganze Horde diverser Geheimdienste auf den Fersen. Und dann kommen auch noch die Russen ins Spiel...
Pressespiegel
Andreas Borcholte hatte nicht viel zum Lachen, die Filmemacher schon. "Die Coens wären nicht die Coens, wenn sie ihren eigenen Kult-Status nicht stetig unterminieren würden. Etwas furchtbar Zwanghaftes haftet den Filmen dieser beiden Amerikaner an, ein Schalk, der ihnen nicht nur im Nacken sitzt, sondern sich dort längst festgebissen hat. Der Willen zur Widerborstigkeit hat sich anscheinend so verhärtet, dass selbst eine Lockerungsübung wie BURN AFTER READING von Krampfanfällen begleitet wird. Es hat nicht nur niemand ein Recht auf ein Happy End, es hat auch niemand ein Recht darauf, sich beim Ansehen eines Coen-Films zu amüsieren - so könnte man Ethan Coens Credo auf sein neuestes Werk umdeuten."
02. Oktober 2008 | 

Michael Althen entdeckt das Prinzip der Coens: "Man nehme ein paar Schauspieler, besetze sie gegen den Strich und sehe dabei zu, wie sie sich langsam die Köpfe einschlagen. Wir haben, sagen die beiden, allen Schauspielern gesagt: "Lasst euren inneren Schwachkopf raus!" Das ist natürlich eine Methode von begrenzter Tragkraft, hat aber auch ihren unleugbaren Reiz. Und in BURN AFTER READING denkt man über Ersteres nicht lange nach, sondern freut sich an Letzterem, denn die beiden verstehen es, dass man des Kicherns über die Sonderbarkeiten dieser Figuren nicht müde wird, sondern sich am Ende fast totlacht."
02. Oktober 2008 | 

Marli Feldvoss hat sich mit den Regie-Brüdern Joel Coen und Ethan Coen nicht über den Sinn des Lebens unterhalten.
02. Oktober 2008 | 

Die Coen-Brüder hassen sie Interviews. Peter Zander hat dennoch versucht, mit ihnen zu sprechen.
02. Oktober 2008 | 

Für Gerhard Midding ist BURN AFTER READING eine böse Sittenkomödie, die sich Washington als ein Terrain der Duplizität und Irrungen erschließt. "Mit Wohlgefallen betrachten die Coens die Manipulierbarkeit ihrer Geschöpfe, folgen amüsiert der absurden Bestimmung, die sie ihnen auferlegt haben. Ihrem arglosen Nihilismus ist nichts heilig und der Tod nur ein Slapstick-Effekt. Bezeichnenderweise sind jene Szenen am witzigsten, in denen Cox´ ehemalige Vorgesetzte versuchen, einen Sinn hinter den haarsträubenden Verwicklungen zu erkennen. Mit gleichgültiger, geradezu erhabener Verwunderung verfolgen sie die Torheiten der Akteure. Sie erscheinen ihnen von erbärmlicher Nichtigkeit. Es ist behaglich, so weit von ihnen entrückt zu sein."
02. Oktober 2008 | 

Den Charme vieler Coen-Filme macht laut Roman Scheiber aus, "dass man sich über ihre besten Figuren trotz der ihnen eingeschriebenen Verblendung mehr als nur lustig machen kann. "In den besten Coen-Figuren verschmelzen unfreiwillige Komik und Tragik zu einem so bedrückenden Amalgam, dass jeder Prüfstein, der ihnen in die Biografie geknallt wird, nur mit einer Extraportion Eskapismus beiseite gekickt werden kann – wobei sich der nächste Prüfstein schon in Sichtweite befindet. Sie wollen ihr Schicksal unbedingt selbst in die Hand nehmen, doch unausweichlich zerrinnt es ihnen unter den Fingern: Die besten Coen-Figuren sind wieder da."
02. Oktober 2008 | 

Natürlich könnte Rüdiger Suchsland hier "eine Kritik in derzeitige US-Politik mit ihren zynischen Geheimdienstpraktiken hineininterpretieren, aber die Methode der Coens liegt eher darin, dass sie sich weigern, irgendetwas ernst zu nehmen ... Unter der sehr komischen Oberfläche erweist sich die Coen-Sicht auf das menschliche Beziehungsleben dann als gar nicht mehr so witzig, sondern eigentlich recht düster und pessimistisch: Keine Ehe die wir sehen, ist glücklich, die Männer im Film sind durchweg Schwätzer, Vollidioten, uninteressant und angeberisch, die Frauen tougher, erfolgreicher, dem "starken Geschlecht" überlegen."
02. Oktober 2008 | 

Der Film ist eher eine Party denn als Komödie im strengen Sinn gedacht, stellt Bert Rebhandl fest. Die Komödie "macht nun erst die Figuren und in zweiter Linie die Form selbst lächerlich. All die hektischen Manöver in diesem Film dienen vor allem einem Zweck: Sie zeigen, wie Komödien früher einmal funktioniert haben und bekunden ein leichtes Amüsement darüber. Zugleich amüsieren sich die Stars, die ja noch ein anderes, wichtigeres Leben in ernsten Rollen als edle Anwälte und antike Helden haben, hier über das eigene Tun. Sie genießen, wie die Regisseure auch, den Abstand zum richtigen Kino."
01. Oktober 2008 | 

Andreas Busche sah einen Agentenfilm ohne Agenten. "Natürlich kann man wie immer mokieren, dass die Coens auch in BURN AFTER READING ihr Exempel an den schwächsten Geistern statuieren. Ihre Filme sind mit Karikaturen bevölkert, nicht mit lebendigen Charakteren. Oder anders gesagt: Die Coens treten gerne mal nach, wenn der andere schon am Boden liegt. Clooney und Malkovich können aus ihren Figuren noch am meisten herausholen. Pitt, McDormand und Swinton bleiben dagegen weit unter ihren Möglichkeiten. So findet das demonstrative Achselzucken der CIA-Oberen erneut als oberstes Erzählprinzip der Coens Bestätigung - und wird im aberwitzigen Schlussdialog, der allein das Eintrittsgeld wert ist, dann beinah noch in den Stand einer philosophischen Betrachtung erhoben."
01. Oktober 2008 | 

Jan Schulz-Ojala sinniert darüber, was BURN AFTER READING eigentlich ist: Tragödie, Komödie, Farce oder doch knallharter Spionage- und Politthriller. "Natürlich ist das hochunterhaltsam. Und brüllend komisch, vor allem in manch herrlicher Dialogszene, die entspannt beiläufig anzuheben scheint und dann wunderbar langsam aus dem Ruder läuft. Ja, BURN AFTER READING ist der Coen-Brüder schönster Quatsch seit THE BIG LEBOWSKI (1997) – und folglich, leise sei's gebeichtet, zwischendrin auch mal ermüdend. Aber nur ein ganzes Bisschen."
01. Oktober 2008 | 

Tobias Kniebe findet eine Menge Gründe, diesen Film zu mögen. "Er stammt von den Coen-Brüdern, den amtierenden Oscargewinnern für Regie; er vereint die beiden begehrtesten männlichen Herzensbrecher, Brad Pitt und George Clooney; er lässt Frances McDormand, die Königin der selbstironischen Frauenrollen, wieder einmal wunderbar glänzen; und er ist bis in die kleinste Nebenfigur perfekt besetzt. All das sind aber natürlich eher äußerliche Argumente. In Wahrheit reichen bereits winzige Augenblicke in BURN AFTER READING, um den Geist für Tage zu beschäftigen und zu erfreuen, und das ist mehr, als man vom Kino üblicherweise erwarten kann."
01. Oktober 2008 | 

Die Geschichte ist nichts anderes als das Resultat des erratischen Zusammenwirkens der Personen, meint Dominik Kamalzadeh. "Es sind die alltäglichen Verschleißerscheinungen des postindustriellen Lebensstils, die sich in solchen Ersatzhandlungen ausdrücken. Die Coen-Brüder greifen sie auf und kehren sie mit hysterischer Note nach außen. Mehr denn je würdigen sie dabei die kleinen Macken ihrer Figuren, die ratlos auf ihr Leben blicken und mit großer Energie fast immer das Falsche tun. Wobei es - anders als in früheren Arbeiten - weit weniger ironischer Brechungen bedarf. Trotz seiner vertrackten Anordnung ist BURN AFTER READING die bisher klassischste Gagmaschine der Coens."
01. Oktober 2008 | 

Hier lassen die Coen-Brüder wieder eine Mannschaft von Trotteln grandios scheitern, lobt Hanns-Georg Rodek. Die "demonstrative Wurstigkeit gegenüber der heiligen Kuh des Filmemachens in Amerika - "der Plot muss stimmen, der Plot und nochmals der Plot" bekommt man auf Drehbuchseminaren eingeimpft - ist das Erfrischende an BURN AFTER READING. Als Ausgleich für den verschlungenen Handlungsparcours machen es die Coens dem Publikum an anderer Stelle besonders leicht: Ihre Figuren werden ausnahmsweise nur durch Äußerlichkeiten definiert, durch Kleider, Frisuren, Ticks. Dahinter ist erst einmal lange nichts, und erst ganz weit hinten kann man Angst vorm Altern, vor Einsamkeit, vor Ausrangierung vermuten."
01. Oktober 2008 | 

Peter Zander hat mit den Regie-Brüdern Joel Coen und Ethan Coen gesprochen.
01. Oktober 2008 | 

Als Farce, in der sich Verwechslungen und absurde Zufälle aneinanderreihen kann laut David Gaertner "BURN AFTER READING mit einer Prise trockenem Witz bisweilen gut unterhalten, doch leider verlässt der Film sich zu häufig auf den Gute-Laune-Faktor seines hochkarätigen Schauspielerensembles, deren komisches Potential lediglich MacDormand als frustrierte Mittvierzigerin und Tilda Swinton als humorlose Kinderärztin mit Kontrollzwang auszuloten wissen. Pitt, der mit seiner Föhnfrisur und den blondierten Haaren an seinen Look, den er in den frühen 90er Jahren in dem Film JOHNNY SUEDE (1991) kultivierte, anknüpft, beschert vor allem eingeweihten Zuschauern einige unterhaltsame Momente durch ein Quäntchen Selbstironie."
29. September 2008 | 

Für Joachim Kurz ist BURN AFTER READING "nicht der ganz große Wurf der Coens geworden, doch das Werk schlägt immer noch den Großteil anderer Filme, die derzeit im Kino zu sehen sind, um Längen in Sachen schrägem Humor und cooler Nonchalance. Wie in THE BIG LEBOWSKI, FARGO und dem ungleich düstereren NO COUNTRY FOR OLD MAN sind es auch wieder einmal die schrägen Typen mit allen ihren kleinen und großen Marotten, die den Unterschied machen. Hypochondrie, Sexsucht, Alkoholprobleme, die lieben Mühen mit dem Alter und natürlich der alltägliche Trouble mit der Liebe sowie etliche andere Macken sind es, die diesen Film wieder einmal wie ein Panoptikum menschlicher Unzulänglichkeiten erscheinen lassen."
29. September 2008 | 

Interview mit Joel Coen und Ethan Coen über ihren neuen Film.
12. September 2008 | 

Glanzstück des Films sind zweifellos die geschliffenen Dialoge, meint Marcus Wessel. "Ihnen gelingt das Kunststück, die Absurdität des ohnehin absurden Plots nochmals zu übertreffen. Unterhaltungen wie die zwischen Chad und Linda über die Vor- und Nachteile von Internetkontaktbörsen erinnern nicht nur wegen Frances McDormand an alte Fargo-Zeiten. McDormand, aber auch den anderen Darsteller, allen voran George Clooney, der sein öffentliches Image als Herzensbrecher genüsslich persifliert, merkt man an, wie sehr sie sich für ihre Rollen ins Zeug legen. Die Chance, in einem Coen-Film mitwirken zu dürfen, wollte sich niemand entgehen lassen. Die Chance, einen Coen-Film im Kino zu sehen – dafür ist Burn after Reading Beweis genug – sollte sich erst Recht niemand entgehen lassen!"
10. September 2008 | 

Schlechte Filme von den Coen-Brüdern gibt es bisher nicht, behauptet Thomas Engel. "Eine filmisch exzellent gebaute, anspruchslose, aber sehr vergnügliche Kurzweil. Kein Wunder bei diesen Regisseuren, die für die entsprechend fähigen Mitarbeiter (Kamera, Ausstattung) sorgten, und bei diesem Schauspielerstab. McDormand, Malkovich, Pitt, Jenkins, Swinton, Clooney- sie könnten besser nicht sein, selbst wenn sie zum Teil geistig Angegriffene darstellen müssen."
10. September 2008 | 

Wolfgang Höbel sah einen brachialen Spaß über Ehebruch und sexuellen Notstand, Geldgier und Agenten-Machogehabe. "Den Coen-Brüdern gelingt hier ein toller, prächtig geölter Komödienstreich, der einem nur in ganz seltenen Momenten auf die Nerven geht, wenn sich die in diesem Jahr ja auch schon (für NO COUNTRY FOR OLD MEN) Oscar-gekrönten Regisseure allzu sehr in ihrer eigenen Brillanz sonnen."
29. August 2008 | 

Die Coens löschen in diesem Film tatsächlich jeden Glamour aus, meint Verena Lueken. "Eröffnungsfilme, wenn sie außer Konkurrenz laufen allemal, müssen nichts weiter können, als die Laune zu heben und für Aufgeregtheit in den Medien und beim Publikum zu sorgen, damit sich die Sponsoren freuen. BURN AFTER READING tut all dies. Auch wenn er bei weitem nicht so böse ist, wie die Coen-Brüder sein können, tut er aber auch noch etwas anderes. Er kommt mit den Stars, nach denen alle gieren, und was wir kriegen, sind Blödmänner."
28. August 2008 | 

Suzan Vahabzadeh sah einen der "leichteren Coenfilme, zugänglich und sparsam mit physischen Brutalitäten - aber so richtig leicht ist das alles auch dann nicht, wenn man drüber lacht, denn absurd komisch ist die Grausamkeit, die Dummheit, die totale Verblendung der Figuren."
28. August 2008 | 

Kurzweilig wie kurz ist der Film für Peter Zander. Als größte Überraschung "wird die große Auflösung nicht in einem Showdown inszeniert, sondern, unerhört, aus zweiter Hand erzählt. Von der CIA. Als habe sie am Drehbuch mitgeschrieben. Die Coens haben sich hier einmal mehr übertroffen. Und liefern nach dem erzbrutalen NO COUNTRY nun eine höchst vergnügliche Posse, in der nicht mit einem Gasdruckgerät, sondern (fast) nur mit Pointen geschossen wird."
28. August 2008 | 

Das ist Komik, stellt Cristina Nord fest. "Die Regisseure statten ihre Figuren mit zahllosen Ticks, Manien und Neurosen aus. Vielleicht machen sie es sich damit ein bisschen zu leicht - über wirklich dumme Dummheiten zu lachen ist schließlich ungefährlicher, als über Dummheiten zu lachen, die einem selbst unterlaufen können. Vielleicht ist auch der Einsatz von Schusswaffen zum Zweck des comic relief etwas, worüber man in Ruhe nachdenken müsste. Spätestens beim Schlussdialog jedoch ... verschwinden die Bedenken, und die Lachmuskeln bekommen ein Training, wie es Linda und Chad nicht schöner hätten geben können."
28. August 2008 | 

Das Thema des Films ist die allgemeine Verblödung und Infantilisierung, schreibt Rüdiger Suchsland. "BURN AFTER READING ist eine sarkatische, überdrehte Komödie der Irrungen und der menschlichen Schwächen; und Starkino der alten Schule mit viel Dialogwitz und genug Substanz, um ein Festival dieser Dimension angemessen zu eröffnen. ... So etwas möchte man doch gern öfters im Kino sehen."
28. August 2008 | 

Katja Nicodemus ist begeistert: "Zusammen mit Tilda Swinton, John Malkovich und George Clooney entsteht daraus ein typischer Coen-Schlamassel, in dem jeder jeden betrügt, erpresst und ausbeutet. In BURN AFTER READING ist die russische Botschaft ein Betonwürfel und Amerika die Quersumme aus Fitnesswahn und schlechtem Fernsehen. Über allem schwebt die CIA, die alles beobachtet und aus nichts mehr schlau wird."
28. August 2008 | 

Michael Kohler sah einen heillos verwickelten und heilsam absurden Spaß. "Ganz wie zur Hochzeit des Genres in den siebziger Jahren sind die Brüder einer großen Verschwörung auf der Spur: Die der Idiotie, welche auch den amerikanischen Geheimdienst längst unterwandert hat. Den kritischen Einspruch, in ziemlich schamloser Manier auf die Schadenfreude eines sich überlegen dünkenden Publikums zu spekulieren, federn die Coens in gewohnt eleganter Manier ab: Sie werfen ihren Zuschauern nicht nur selten trottelige Figuren zum Fraße vor, sondern auch deren Darsteller - und die sind allererste Wahl."
02. August 2008 | 

Linksammlung bei filmz.de
10. Juli 2008 | 





Die Nominierten für den Europäischen Filmpreis
Bester Film: DAS WAISENHAUS

DAS WAISENHAUS ist trotz seiner engräumigen Ausgangssituation und seiner in einzelnen Zügen konventionellen Geschichte ein ungemein vielschichtiger Film, psychologische, übersinnliche, politische Deutungen scheinen möglich. Seine stilistische Kraft indes beruht auf einer durchgreifenden Europäisierung aller jener Züge, die er mit den Horrortraditionen anderer Regionen teilt. Das im Haus als Spuk nachwirkende Unrecht des Kindermordes etwa erinnert an japanische Handlungsmuster, die Destruktion der amerikanischen Kleinfamilie oder der Technikfimmel während der Beschwörung: Alles wird in diesem schön verwobenen Drehbuch etwas schwerer genommen als im Genre üblich."
Peter Uehling, Berliner Zeitung, 14. Februar 2008

Extra:

Pressespiegel zum Film
Trailer zum Film









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