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ALTER SCHÜTZT VOR TORHEIT NICHT - ROBERT DE NIRO

ALTER SCHÜTZT VOR TORHEIT NICHT - ROBERT DE NIRO Thema
Autor Ines Walk, 11.06.2010

Robert De Niro ist kein Komödiant

In seiner Karriere-Hochzeit ist Robert De Niro der Gangster, der Mafiosi italo-amerikanischer Abstammung, ein harter Typ, dem selten ein Lachen übers Gesicht gleitet. Seine Rollen sind ernst, gar ernster als ernst und bringen gesellschaftliche Neurosen der Zeit auf den Punkt. Mit seinen Darstellungen vielschichtiger Gangstertypen hat er sich in der Filmwelt einen Namen gemacht. Erinnert sei an seinen Kleinganove Johnny Boy in HEXENKESSEL (1973), der ständig unter Geldmangel leidet und sich mit Gangsterposen und Frauengeschichten brüstet, um von seinen eigenen Problemen abzulenken. Die Rolle des Don Vito Corleone für das Epos DER PATE - 2. TEIL (1974) ist ihm auf den Leib geschrieben, später wird er den Typ Mafia-Boss perfektionieren in GOOD FELLAS - DREI JAHRZEHNTE IN DER MAFIA (1989) und CASINO (1995). Robert De Niro verkörpert seine Gangsterbosse mit Stil, sie sind kultiviert, aber aus ihnen kann schlagartig, ohne Vorwarnung Gewalt ausbrechen.

Ab einem bestimmten Alter wird es aber auch für das starke Geschlecht der Schöpfung in Hollywood schwierig und es kommen Rollenangebote, die sich die mittlerweile gestandenen Stars in ihrer Jugend nicht einmal angeschaut hätten. Aber dann beweisen die harten Kerle, die ohne Mitleid und Gewissen viel Blut auf den Straßen der Gangster-Dramen vergossen haben, dass sie auch im komödiantischen Fach überzeugen können ... oder eben nicht.

Robert De Niro ist kein Schauspieler, der im Genre der Komödie, der leichten, erheiternden Kunst, zuhause wäre. Wenn er das Fach wechselt und mal komisch sein soll, dann wirkt er in einigen Fällen, als stände er neben sich: Er schneidet Grimassen, verzieht die Mundwinkel, verfällt mimisch und gestisch in Übertreibungen. Er stellt sich steif an, wobei die Frage auftaucht, ob er sich so anstellt oder es ist. Aber erstaunlicherweise nimmt ihm das niemand übel, weder seine Filmkollegen noch der Zuschauer. Der Hollywood-Star hat Glück bzw. ein gutes Händchen bei der Rollenauswahl. Für ihn finden sich Drehbuchautoren und Regisseure, die sich seine Rollengeschichte, seine Rollentypen genau anschaut haben und die seine komödiantischen Parts exakt auf diese abstimmen. Eigentlich nimmt sich Robert De Niro in all seinen komödiantischen Rollen selbst aufs Korn, bringt immer wieder sein eigenes, übermächtiges Image ins Spiel, ohne dass er zur Karikatur seiner selbst wird.

So spiegelt sich etwa die Figur des weinenden Mafiabosses Paul Vitti in den Komödien REINE NERVENSACHE (1999) und REINE NERVENSACHE 2 (2002), der sich an einen Psychologen wendet, weil er mit seinem Berufsstand nicht mehr klar kommt, an all seinen anderen, ernsten Mafiosi-Rollen. Beide Filme ironisieren eine Vielzahl filmischer Rituale, die sich von der Mafia und ihren Vertretern im Kopf der Zuschauer festgesetzt haben. Zahlreiche Klischees werden auf die Schippe genommen, seien es jene vom typisch italienischen Macho oder jene vom brutalen Mafia-Boss, wie sie essen, gehen, reden. Zudem ist Robert De Niro ein Gegenspieler an die Seite gestellt, der in der Regel ein echter Komödiant ist, und ihm im perfekten Timing die Stichwörter liefert. In diesen beiden Fällen handelt es sich um Billy Crystal, der als Psychologe Ben Sobol ziemlich genervt ist vom Mafia-Boss, der kein Schieß-, Folter- und Mordbefehle mehr erteilen will und den das schlechte Gewissen plagt. Insofern sind die Komödien des Robert De Niro immer buddy movies der besonderen Art. Es treffen ungleiche Partner aufeinander, die die Atmosphäre des Films bestimmen und sich die Bälle zuspielen.

Ähnliche buddy movie-Konstruktionen zeigen sich etwa in der Actionkomödie MIDNIGHT RUN (1988) mit Charles Grodin an seiner Seite. Hier wird eine aberwitzige Reise durch die amerikanischen Staaten geboten, weil es Robert De Niro als Kopfgeldjäger nicht gelingt, einen betrügerischen Ex-Buchhalter eines Mafia-Bosses von Amerikas Ostküste nach Los Angeles zu bringen. Gleiches lässt sich in der Mafia-Komödie SEIN NAME IST MAD DOG (1993) mit Billy Murray finden. Hier verkörpert Robert De Niro den Polizisten Wayne Dobie, der zufällig einem Mafia-Boss das Leben rettet und dafür von ihm mit einer Frau belohnt wird. Damit fangen aber auch die Probleme an. Indem die Rollen vertauscht sind - eigentlich müsste Robert De Niro den Mafia-Boss und Bill Murray den Polizisten spielen - ergibt sich eine zusätzliche komische Komponente. Über andere Komödie wie WIR SIND KEINE ENGEL (1989) mit Sean Penn oder SHOWTIME (2001) mit Eddy Murphy decken wir den Mantel des Schweigens, da Robert De Niro hier einfach nur mürrisch ist und scheinbar so gar keine Lust hat.

In der Filmsatire WAG THE DOG - WENN DER SCHWANZ MIT DEM HUND WEDELT (1997) macht Robert De Niro im Strickpullover und mit Strohhut völlig absurde Vorschläge als Medienexperte, um eine Sex-Affäre des amerikanischen Präsidenten vor Journalisten geheim zu halten. Er erfindet einen rätselhaften B-3-Bomber, spricht von einer albanischen Kofferatombombe oder schickt das Horrorszenario in die Debatte, dass eine albanische Kommandoeinheit es in Kanada auf Washington abgesehen hat. Der Schauspieler darf sich auch hier als biederer Medienexperte selbst karikieren, hat schon allein dadurch die Lacher auf seiner Seite.

In der Komödie MEINE BRAUT, IHR VATER UND ICH (2000) verkörpert er Jack Byrnes, einen konservativen Vater, der vorgibt ein Blumengärtner zu sein, aber in wirklich ein pensionierter CIA-Agent ist. Wieder hat er einen komödiantischen Gegenpart, dieses Mal in Gestalt von Ben Stiller, und wieder darf er sein Image gehörig durch den Kakao ziehen. Er ist spießig, fanatisch auf Kontrolle seines Familienkreises bedacht, ist ein Patriarch, wie er im Buche steht. Der Witz ergibt sich aus seiner Rolle, die seine früheren harten Rollen spiegelt. Imposant dabei ist, wie einer der größten Hollywood-Stars über sich selbst lachen kann. Robert De Niro ist sich zum Beispiel nicht zu schade, sich in MEINE FRAU, IHRE SCHWIEGERELTERN UND ICH (2004) die Plastik-Nachbildung einer weiblichen Brust um seine eigene zu schnallen, damit das Enkelkind versorgt werden kann.

Auch in dem Märchen für Erwachsene DER STERNWANDERER (2007) (DER STERNWANDERER (2007) Trailer) darf Robert De Niro mit seinem Image kokettieren. Er spielt den Boss eines Piraten-Luftschiffes, dessen Mannschaft Blitze einfängt und teuer verkauft. Als Captain Shakespeare gibt er vor, ein ganz, ganz Böser zu sein, ein ruppiger Macho, wie es die Welt von einem Pirat erwartet. Trifft er auf Gegner oder muss er mit Geschäftsleuten verhandeln, zeigt er, wie er mit harter Hand alles im Griff hat und seinem Ruf als schrecklicher Pirat gerecht wird. Aber die Wahrheit sieht ganz anders aus: Shakespeare liebt Frauenkleider und Schminke, trinkt gern einen Tee am Nachmittag aus kleinen Porzellantässchen und ohne seine Mannschaft an der Seite ist er der gute Onkel von nebenan, sanft und gebildet. Vor einem großen Wandspiegel dreht er in Kleid und Federboa Pirouetten und für den Zuschauer ist allein diese Szene ein Genuss

Egal, ob Robert De Niro ein guter oder schlechter Komödiant ist: Wenn er weinend an der Schulter eines Psychologen hängt, wenn er im Strickpullover die Demokratie aushebelt, wenn er seinen Schwiegersohn in CIA-Manier überwacht, wenn er einen Piraten als Tunte gibt, dann sind Lacher garantiert.

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