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SCHLAFFE 90ER: DIE ACTIONHELDEN IN DER KRISE

SCHLAFFE 90ER: DIE ACTIONHELDEN IN DER KRISE Thema
Autor Ines Walk, 10.01.2010

Was waren das für Männer

... und Zeiten ... Anfang der 1980er Jahre bis Mitte der 1990er Jahre
... als die Männer noch vor Entschlossenheit strotzten;
... als sie ihre Souveränität unangefochten präsentierten;
... als die Härte und Robustheit ihrer Körper aus jeder Pore sprang;
... als sie sich ihre eigenen Gesetze schrieben, fernab von gesellschaftlichen Normen;
... als sie Moral und Gerechtigkeit nur ihren eigenen Prämissen unterwarfen;
... als ihre Unabhängigkeit vom System das Action-Genre zur Hochkultur trieben.

Was waren das für Zeiten ...
... als Sylvester Stallone den traumatisierten Vietnam-Heimkehrer RAMBO (1982) verkörperte, der sich seinen eigenen Leuten entgegenstellen musste. Als hochdekorierter Kriegsverlierer ist er in seiner Heimat ein Niemand, der von der Polizei als Landstreicher identifiziert wird und sich nach seiner Verhaftung einer unwürdigen Prozedur unterziehen muss. Rambo kann entkommen und liefert sich mit den Ordnungskräften einen Guerilla-Krieg. In einer seiner typischen Rollen wird Sylvester Stallone zur brutalen Kampfmaschine, die ohne Rücksicht auf Verluste alles niederwalzt, was sich ihr im Wald entgegenstellt. Als gnadenloser Einzelkämpfer zeigt er sich so stark wie ganze Armeen, ist muskulös und gestählt, ein moderner Kriegsgott. Nach seinen ROCKY-Filmen wurde Sylvester Stallone mit dieser Rolle endgültig zum Massenidol, und das, obwohl die Figur mit den realen Vietnam-Veteranen so gar nichts gemein hatte. Sie waren als gebrochene Existenzen aus dem verlorenen Krieg heimgekehrt.

Was waren das für Zeiten ...
... als Arnold Schwarzenegger ohne viele Worte in TERMINATOR (1984) eine nahezu unzerstörbare Killer-Maschine aus der Zukunft gab, die eine junge Frau töten sollte, damit sich die Geschichte ändert. Entschlossenheit, Härte und Gefühllosigkeit zeichnen die Maschine aus, die mit brutaler Konsequenz ihr Ziel verfolgt. Nichts und niemand kann den Terminator aufhalten. Der Film sorgt für eine gesteigerte und nachhaltige Popularität des Österreichers Arnold Schwarzenegger. In zwei weiteren Filmen wird er den Terminator geben, wenn auch in einer anderen Ausgangslage. Auch später wird Arnold Schwarzenegger über Superkräfte verfügen, etwa als ehemaliger Offizier einer Spezialeinheit in PHANTOM: COMMANDO (1985), der seine kleine Tochter aus den Fängen von Kidnappern befreien muss. Er wird zum Großstadt-Partisan in Kriegsbemalung, der seinen Gegnern keine Chance lässt. Selbst Panzern tritt er mit überdimensionalen Waffen gegenüber, die ein Mann allein nicht heben könnte. Seinen Folterknechten begegnet er mit stoischer Gelassenheit und kann am Ende immer sein Ziel erreichen.

Was waren das für Zeiten ...
... als John McLane in der Gestalt eines Bruce Willis auf der Leinwand auftauchte. Erstmals sorgte er 1988 für Ordnung. Er fährt in STIRB LANGSAM von New York nach Los Angeles, weil seine Ehefrau einen eigenen Weg geht und sich neue berufliche Wege an der Westküste erschließen will. Es geht um die Rettung der Archetyps Mann, der sich gegen die Folgen der Emanzipation wehrt. In einem modernen Bürohaus muss er Terroristen bekämpfen, die es auf den Safe und das Geld des Arbeitsgebers seiner Ehefrau abgesehen haben. Als einfacher Polizist gerät er in einen gehörigen Schlamassel, den er weder provoziert noch gewollt hat. Auch wenn er ständig meckert, weil er sich zur falschen Zeit am falschen Ort befindet, sich auch als falscher Mann für die Aufgabe definiert, schafft er es doch. Dabei wird sein Körper malträtiert, er verliert Tränen, ist der verwundbarste unter den Actionhelden und wohl kein Held der 1990er Jahre kommt derart sexy und cool rüber.

Was waren das für Zeiten ...
... als sich auch andere Actionhelden ganz den Rachephantasien mit ihren konservativen Wertvorstellungen hingaben oder sich allein einer ganzen Armee entgegenstellten. Nach dem Erfolg der drei großen Actionhelden wurde das Handlungskonzept "Einzelkämpfer gegen Terroristen" vor allem während der 1980er und 1990er Jahren in zahlreichen Actionfilmen variiert, unter anderem in ALARMSTUFE: ROT (Steven Segal), PASSAGIER 57 (Wesley Snipes), EINSAME ENTSCHEIDUNG (Kurt Russell), THE ROCK (Nicolas Cage) oder AIR FORCE ONE (Harrison Ford).

Die Liste jener Männer, die überall auf der Welt - vorzugsweise aus den USA - allein für Ruhe und Ordnung sorgten und aufräumten, ist lang. Etwa Charles Bronson, der als Racheengel in der New Yorker U-Bahn mit Killern abrechnete, schonungslos nimmt er in DER MANN OHNE GNADE (1982) das Gesetz selbst in die Hand, ebenfalls in Fortsetzung. Oder Michael Dudikoff, der als braver amerikanischer Soldat zur tödlichen Kampfmaschine auf den Philippinen wird, als ihm in AMERICAN NINJA (1984) Gangsterbanden gegenübertreten. Auch Chuck Norris gehört dazu, der sich in INVASION U.S.A. (1985) allein einer Gruppe von Terroristen entgegenstellt, die das Land vernichten wollen. Zur Ein-Mann-Armee gehört auch Steven Segal, der mit NICO (1988) auf der Leinwand auftauchte, und später als Racheengel immer wieder auf sie zurückkehrte, wie etwa in HARD TO KILL (1990). Fred Ward, Dolph Lundgren und Jean-Claude von Damme sollten ebenfalls nicht vergessen werden.

Aber schon Mitte der 1990er war es vorbei mit den ganz großen Action-Helden. Die drei Stars produzierten einige Flops, wenn sie sich zu weit von ihrem Image wegbewegten, machten sich als Kindergärtner oder schwangere Männer über sich selbst lustig und die kleineren Stars verschwanden in der Versenkung der B- und C-Movies. Die drei Großen - Sylvester Stallone, Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger - schlossen sich zusammen und gründeten gemeinsam mit Demi Moore (damalige Ehefrau von Bruce Willis) und dem in Hollywood angekommen asiatischen Actionhelden Jackie Chan die Restaurantkette Planet Hollywood. In kürzester Zeit brachte es die Kette auf 87 Restaurants in 29 Ländern. Ein Riesenerfolg, doch dann kam die Actionheld-Krise und 1998 verlor das Unternehmen mehr als 240 Millionen Dollar. Heute gibt es noch 17 Restaurants, die wie die alten Action-Helden irgendwie zum Inventar gehören, aber keinen wirklich mehr vom Hocker hauen.

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