Es ist kein Geheimnis, dass Robert Downey jr. einige Jahre lang exzessiv dem Alkohol und diversen harten Drogen zugesprochen hat. Er hat deshalb sogar einige Zeit im Gefängnis verbracht; seine Gastrolle in der Fernsehserie Ally McBeal (zwischen 2000 und 2002 spielte er in 16 Folgen Allys Lover "mit Vergangenheit" Larry Paul) wurde wegen seiner Gefängnisstrafe gestrichen; und er hat - direkt nach seinem vorläufig erst mal letzten Entzug vor etwa fünf Jahren - sehr offen darüber in Interviews gesprochen.
Darauf hat Robert Downey jr. jetzt aber keine Lust mehr - das hat eine Journalistin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vor kurzem bei einem Interview mit ihm ganz klar zu spüren bekommen. Hier gab er sich extrem divenhaft, maulte über Journalisten, die schlecht vorbereitet zu Interviews erscheinen, würgte Fragen nach seiner wilden Vergangenheit ab, und gab auch allgemein ausgesprochen patzige Antworten. Extreme Säufer und Suchtmenschen spielt Robert Downey jr. häufig - besonders einprägsam in UNTER NULL (1987), SHORT CUTS, ZODIAC (
), A SCANNER DARKLY (2005), und nicht zuletzt in NATURAL BORN KILLERS (1994). Dabei sind seine Säufer und Junkies immer extrem kontrolliert in ihrem Kontrollverlust - und bewahren eine seltsame Form von Würde, gerade dann wenn sie objektiv völlig am Boden sind. So zum Beispiel Paul Avery gegen Ende des Films ZODIAC (
), wenn er schon am Vormittag Besuch auf seinem desolaten Hausboot mit dem Whiskeyglas in der Hand und in Bademantel und Schlappen empfängt, zerknautscht, verlottert, und doch in jedem Satz noch einen wohl platzierten Zynismus unterbringt, etwa beim Zuprosten: "To your health and mine. Mostly mine."
Da ist er schon ein paar Jahre entfernt vom Starreporter des San Francisco Chronicle, der wie ein Pfau durch die Redaktion stolziert, immer eine Kippe im Mundwinkel, und der in jeden seiner schnellen abgehackten Sätze mindestens eine Spitze oder Unverschämtheit verpackt. Der seine Mischung aus Coole-Sau-Sein, Arroganz und Street-Smartness auf die Spitze treibt, als er Morddrohungen vom Serienkiller Zodiac erhält und alle Reporter seiner Zeitung mit "I am not Paul Avery"-Buttons durch die Gegend laufen - und er sich kurzerhand selbst einen solchen Button an die Jacke heftet. Und doch blitzt in Paul Avery, dem Wrack, noch ganz klar Paul Avery, der Star, durch. In seinem verdreckten Hausboot hält er ganz genau so Hof, als ob es eine Luxussuite wäre. Obwohl er seinem Besuch, dem jungen Cartoonisten des Chronicle - gespielt von Jake Gyllenhaal - rät, die Jagd nach dem Zodiac aufzugeben ("It was four years ago. Let it fucking go."), sagen seine Augen etwas anderes: Da blitzt plötzlich der alte Jagdinstinkt durch. Und so wird der gute Rat unterschwellig zu einer Herausforderung. Hier ist sie wieder - diese Doppelbödigkeit einer Figur, die ständig in einem Grenzbereich oszilliert zwischen dem, was sie auf der Oberfläche zeigt und dem, was sie dort nicht - aber unterschwellig eben doch - zu erkennen gibt.