Die Beliebtheit des Fernsehens bedrohte die Dominanz des Kinos als bislang vorherrschendem Unterhaltungsmedium ganz empfindlich und führte die britische Filmindustrie zu Beginn des neuen Jahrzehnts in eine Rezession. Trotz einiger erfolgreicher Produktionen wie der Adaption von Agatha Christies MORD IM ORIENT-EXPREß (1974) von Sidney Lumet und FRENZY (1971), Alfred Hitchcocks letzter Produktion in Großbritannien, litt die Filmindustrie unter den Folgen schwindender Zuschauerzahlen, wodurch eine Filmfinanzierung zunehmend schwieriger wurde.
Auch die Vormachtstellung des britischen Horrorfilms schwand unter dem Erfolg amerikanischer Produktionen. Mit der thematischen wie auch der ästhetischen Raffinesse aus Amerika konnten die britischen Hammer Film Productions nicht mithalten und zogen sich aus dem Genre zurück. Vielmehr reagierte das Studio auf den Zulauf, den das neue Medium genoss und widmete sich einer zweiteiligen Adaption der ITV Komödie AUFRUHR IM BUSDEPOT (1971) von Harry Booth, sowie der ebenfalls zweiteiligen filmischen Umsetzung der Sitcom STEPTOE AND SON (1972) von Cliff Owen.
Ein kommerzieller Erfolg gelang auch mit DIE RITTER DER KOKOSNUß (1975) von Terry Gilliam und Terry Jones und DAS LEBEN DES BRIAN (1979) von Terry Jones.
Sex und Gewalt erobern das Britische Kino
Die bereits angesprochene nachlassende Zensur in der damaligen Zeit ließ eine große Anzahl an Sexkomödien entstehen wie etwa die Serie CONFESSIONS OF... (1974-1977). Noch expliziter waren jedoch ästhetisch anspruchsvolle Arbeiten von Regisseuren wie DIE TEUFEL von Ken Russell, WER GEWALT SÄT von Sam Peckinpah und UHRWERK ORANGE von Stanley Kubrick, alle aus dem Jahr 1971. Die beispiellose Intensität sexueller und gewalttätiger Inhalte dieser Produktionen führte eine rege Debatte herbei über die gesellschaftliche Verantwortung des Kinos und dessen Potential negativer Beeinflussung.
In eine ganz andere Richtung wiederum gingen die kreativen Ideen der Macher von Avantgarde-Filmen. Dank der unerlässlichen Förderung durch öffentliche Mittel, deren Bereitstellung das British Film Institute enorm forciert hatte, entstanden Produktionen wie WINSTANLEY (1975) des Kevin Brownlow und REQUIEM FOR A VILLAGE (1975) von David Gladwell sowie A PRIVATE ENTERPRISE (1974) von Peter Smith und PRESSURE (1975) des Horace Ové, die den jeweils ersten britisch-asiatischen bzw. britisch-schwarzen Film darstellten. Die Speerspitze des britischen Arthouse-Kinos bildeten Derek Jarman, unter anderem mit JUBILEE (1978) und Sally Potter mit THRILLER (1979).
Schottland erfuhr als Drehort einige Aufmerksamkeit, besonders durch Robin Hardy, dessen Horrorstreifen THE WICKER MAN (1973) in Schottland spielt und dort auch gedreht wurde. Wales befasste sich weiterhin mit der Glorifizierung des nationalen Erbes und 1972 entstand unter Andrew Sinclair eine Filmversion von UNDER MILK WOOD. Außerdem verfilmte Richard Lewis 1978 das Theaterstück DYLAN als Biografie. Bob Quinn wiederum belebte den irischen Film mit Produktionen wie COAINEADH AIRT UÍ LAOIRE (1975) und FAMILY (1978).