Hmm, das klingt nach 'ner einfachen Frage, die es aber bei genauerer Betrachtung in sich hat. Genau wie die Länder, in denen die Filme produziert werden, teilen britisches und irisches Kino grundlegende geschichtliche Unterschiede. Gleichzeitig finden sich aber viele kulturelle Gemeinsamkeiten - weswegen auch Filme beider Staaten bei britspotting gezeigt werden.
Aufgrund struktureller Gegebenheiten wie geografischer Lage, Bevölkerungsdichte und Wirtschaftskraft konnten englische Filme lange Zeit die britische und irische Kinolandschaft dominieren. In den letzten Jahren allerdings hat sich das aufgestaute kreative Potential von Schottland, Wales, Nordirland und der Republik Irland immer mehr Bahn gebrochen und ist heute mehr denn je in der britischen und irischen Filmkultur präsent.
Von den Inseln nach Hollywood
In gewisser Weise hat die anfängliche englische Dominanz zu einer wahren Exportflut nicht-englischer Schauspieler und Regisseure geführt. Zu Hollywood-Ruhm kamen bekannte Schotten wie Gerard Butler, James McAvoy und Ewan McGregor, walisische Schauspieler wie Anthony Hopkins und Rhys Ifans und auch Iren wie z.B. Cillian Murphy, Liam Neeson und Stephen Rea. Auch britische und irische Regisseure folgen seit Generationen dem Trend, amerikanische Ressourcen für ihre Filme zu nutzen - Schauplätze, Kreative und natürlich auch Finanzierung: beispielsweise Charles Chaplin [MODERNE ZEITEN (1936)], Alfred Hitchcock [REBECCA (1940) und viele mehr]; John Schlesinger [ASPHALT-COWBOY (1969)], John Boorman [BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE (1972)], Ridley Scott [BLADE RUNNER (1982)], Terence Davies [DIE NEONBIBEL (1995)], Stephen Frears [HIGH FIDELITY (2000)] und Paul Greengrass [DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG (2004)], nur um ein paar zu nennen.
Die Verschmelzung britischer und irischer kreativer Energien mit der aus Hollywood wurde erleichtert durch die fehlende Sprachbarriere. Trotzdem hat Hollywood britischen und irischen Filmemachern nicht ganz seinen Stempel aufgedrücken können. Thematisch haben sie sich ihre eigene Identität deutlich erhalten und grenzen sich stark von dem ab, was die Amerikaner seit Mitte des letzten Jahrhunderts produzieren. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hat sich Hollywood weitgehend von der Tradition des gesellschaftlichen Realismus' verabschiedet und gab sich und sein Publikum lieber optimistischer Sensationslust hin. Im Gegensatz dazu beschäftigte sich das britische und irische Kino weiterhin mit lebensnahen Themen und etablierte auch eine entsprechende Filmästhetik. Inhaltlich widmeten sich die Filme den Sorgen und Probleme realer Menschen.
Dieser Artikel wird einen chronologischen Abriss über die Entwicklung des britischen und irischen Kinos geben, von bedeutenden Momenten erzählen und zeigen, wie das britische und irische Kino seine eigene Identität in Abgrenzung zum Hollywood-Kino entwickelt hat.