EKEL schildert die Geschichte der jungen Französin Carol (Catherine Deneuve), die mit ihrer älteren Schwester in einem Londoner Appartement lebt und sich angewidert von einer aufdringlichen Männerwelt zusehend in Wahnvorstellungen versteigt. Als ihre Schwester verreist, wird die zurückgelassene Carol von Schreckensvisionen heimgesucht. Sie kapselt sich völlig von der Außenwelt ab, verbarrikadiert sich in ihrem Zimmer und tötet ihren jungen Verehrer sowie den Vermieter, die in ihre Wohnung eindringen und die verschüchterte Frau bedrängen. Die zweite Hauptrolle des Films übernimmt dabei das Appartement selbst, dessen Veränderungen die seelischen Zustände Carols spiegeln und eine unerträglich beklemmende Atmosphäre erzeugen. Risse entstehen im Mauerwerk, die Proportionen der Räume verändern sich und aus den Wänden des Flurs greifen gar lebendige Arme nach Carol. Roman Polanskis psychologische Ästhetik arbeitet mit Duplikaten von Räumen, dramatischen Lichtwechseln und Weitwinkelaufnahmen. Hinzu kommt eine effektvolle Geräuschkulisse, welche die bedrohliche Stimmung des Raums erweitert und das Klingeln an Tür oder Telefon zu existentiellen Schockmomenten werden lassen. Das traute Heim wandelt sich allmählich zum Haunted House, zum Gefängnis innerer Ängste.
Die Grenze zwischen Realität und Halluzination verschwimmt zusehends. Carol schließt sich in ihr Appartement ein und verfällt in Zustände kindlicher Regression. Doch all ihre hilflosen Versuche, sich von der feindlich-männlichen Umwelt abzutrennen, scheitern. Im Traum gelangt Carols Vergewaltiger in ihr Zimmer vorbei an dem vor die Tür geschobenen Schrank, ihr Verehrer dringt mit Gewalt in das Appartement ein und ihr Vermieter kann mühelos die stümperhaft verbarrikadierte Wohnungstür aufdrücken. Türschwellen sind die Grenzen zu Carols Innenwelt, die nicht unbefugt zu überschreiten sind. Gewalt ist die Folge dieser intimen räumlichen Verletzung. Und gewalttätig sind auch die Blicke, die diese Grenzen verletzen. Es sind die Blicke der Bauarbeiter auf der Straße, der penetranten Nachbarin durch die offene Wohnungstür und der verzerrten Gesichter hinter dem Türspion. Wie um einen Autounfall versammeln sich die Hausbewohner am Ende des Films um die apathische Carol in ihrer Wohnung. Dem Zuschauer wird damit auch der eigene Voyeurismus vor Augen geführt, der sich an den Ängsten und Leichen Anderer ergötzt. Das Private der Seele und des Körpers ist wie die schützende Geborgenheit der eigenen vier Wände stets von den Zugriffen einer voyeuristisch-bedrohlichen Außenwelt gefährdet.