Erstmals mit größerem Budget und in Farbe, wendet sich Roman Polanski mit TANZ DER VAMPIRE (1967) einer aufwändigen Dracula-Satire zu. Sie erzählt von der Vampirjagd des Professor Ambrosius (Jack McGowran) und seines Gehilfen Alfred (Roman Polanski), die in einem verschneiten, transylvanischen Wirtshaus auf eine heiße Spur geraten. Die von der Euphorie der Swinging Sixties getragene, mit Slapstick und witzigen Überraschungseffekten gespickte Gruselkomödie spielt sich in zwei räumlich und dramaturgisch scharf voneinander getrennten Schauplätzen ab. Im verwinkelten Gasthaus entwickelt sich ein komplexes Versteckspiel zwischen dem Wirt Shagal, seiner Frau, der Magd und den Vampirjägern. Allesamt schleichen sie des Nachts durch die Flure, Treppen und Luken des Hauses. Der schönen Wirtstochter Sarah (Sharon Tate) gestattet Alfred das Badezimmer über den Zugang seines Gästezimmers zu benutzen, da ihr Vater den anderen Eingang vernagelt hat. Alfred beobachtet die Badende durchs Schlüsselloch, während der blutdurstige Graf diese Aussicht vom Dachfenster des Zimmers genießt. Schließlich schwebt er herab, beißt und entführt die Schönheit. Auch nach seiner Wandlung zum Vampir setzt der jüdische Wirt Shagal (dem Kruzifixe nichts anhaben können) seine Schürzenjagd in alter Gewohnheit fort. So wird das Zimmerfenster der Magd mit einem Schrank verstellt, währenddessen sich Shagal hinter der Tür versteckt.
Das Katz- und Mausspiel im Wirtshaus wiederholt sich in der unüberschaubaren Architektur des Vampir-Schlosses. Der Professor und sein Gehilfe klettern über die Burgmauer, werden erst eingesperrt, dann vom Grafen empfangen und auf ihre Zimmer geleitet. Dem aufgrund der getrennten Zimmer verängstigten Alfred erklärt der Schlossherr mit bedeutsamen Worten: "Die Zimmer haben eine Verbindungstür." Wiederum völlig umsonst verbarrikadiert sich Alfred mit einem Schrank und irrt des Tags mit seinem Lehrer über die Gänge, Mauern und Dächer des Schlosses. Da der Eingang zur Schlafstätte des Grafen von seinem buckligen Gehilfen bewacht wird, klettert Alfred durch ein enges Fenster auf der rückwärtigen Seite der Gruft. Der Professor bleibt darin stecken und das Unternehmen scheitert vollends durch die Unfähigkeit seines Schülers. Die beiden nunmehr gejagten Vampirjäger kämpfen sich weiter durch ein Labyrinth aus Türen, Fluren und Wendeltreppen. Letztlich gelingt ihnen mit Sarah die Flucht, doch tragen sie damit erst ungewollt das Böse in die Welt, welches sie zu bekämpfen suchten.
In der detaillierten Gestaltung des typisch osteuropäisch-jüdischen Milieus des Gasthauses und des altmodisch aristokratischen Stils des Schlosses stellt Roman Polanski auch einen kulturellen Kontrast her. Er beschreibt die Grenze zwischen der naturalistischen Welt des bäuerlichen Dorflebens und der blutsaugerischen Aristokratie in ihrer dekadenten Künstlichkeit. Doch beginnt sich diese Grenze aufzulösen durch den Geist des wissenschaftlichen Rationalismus, der sich jedoch als unfähig erweist, den Verlauf der Geschichte zum Guten zu wenden. Die Vampirjäger stoßen sich im Kampf gegen das Übernatürliche und Phantastische die Köpfe an Türpfosten und verstricken sich in der Undurchsichtigkeit des Raumes. Das staubig-barocke Dekor des Schlosses und auch das Böse selbst erscheinen dabei selten wirklich bedrohlich. Roman Polanski erklärt seinen Film zu einem Märchen, das einem Cartoon oder einer Fahrt nach Disneyland ähnelt. Erst das Unheil verkündende Ende lässt die Komödie nachträglich in einem dunkleren Licht erscheinen. Das kindliche Vergnügen am Schrecken schlägt um in eine düster-pessimistische Zukunftsprognose. Das Irrationale und Böse bleibt unbesiegbar.