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MAUERN, PFORTEN, LABYRINTHE - HÄUSER & RÄUME DES ROMAN POLANSKI

MAUERN, PFORTEN, LABYRINTHE - HÄUSER & RÄUME DES ROMAN POLANSKI Thema
Autor Robert Hanulak, 04.07.2009

Atmosphäre statt Botschaft

"So weit ich zurückdenken kann, ist in meinem Leben die Grenze zwischen Phantasie und Wirklichkeit hoffnungslos verwischt gewesen."

Roman Polanskis Ruhm als Filmregisseur gründet sich zu einem wesentlichen Teil auf seine Meisterschaft in der Erzeugung von Atmosphären, die von diffuser Bedrohung gekennzeichnet sind. Besonders seine frühen Filme arbeiten mit klaustrophobischen Stimmungen und dem subtilen Horror des Alltäglichen. Unterschwellige Ängste brechen darin hervor, dringen in die trügerische Geborgenheit der eigenen vier Wände und bemächtigen sich ihrer Schutz suchenden Bewohner. Und es sind dabei oft die Räume selbst, die zur Bedrohung werden, zu "Seelengefängnissen", die ihre verängstigten Insassen bedrängen und ausliefern. Ein ums andere Mal inszeniert Roman Polanski seine Räume in einer Ambivalenz von Schutz und Bedrohung, zwischen Geborgenheit und Unbehagen. Sie sind Zuhause und Gefängnis zugleich. Häuser, Wohnungen und Räume werden dabei zu eigenen, lebendigen Akteuren der Handlung. Sie ergreifen Besitz von der Psyche ihrer Bewohner und erzeugen eine Welt, in der das Realistische und das Phantastische unauftrennbar miteinander verbunden sind.

Roman Polanski bestreitet hartnäckig eine innere Kontinuität in seinem Werk. Er habe nie versucht, ein eigenes Image oder einen einheitlichen Stil auszubilden. Doch zeigen sich in seinen Filmen einige Themen und Elemente stets aufs Neue. Sie kreisen zumeist um Gewalt, Sexualität und Religion, bergen Momente des Absurden, Surrealen und Mysteriösen. Roman Polanskis Helden sehen sich in ihrem alltäglichen, rationalen Weltgefüge bedroht und ziehen sich vor einer feindlichen Umwelt in vermeintlich schützende Innenwelten zurück. Sie hasten ziellos durch die labyrinthischen Gänge einer unüberschaubaren Verschwörung, bis sie ans Ende ihrer Kräfte gelangen. Weniger sie selbst, sondern vielmehr die Räume und Wege geben ihnen die Richtung vor. Dem komplexen Spiel von Wänden, Fluren und Treppen scheinen sie völlig ausgeliefert und dürfen nur sehen, worauf ihnen Fenster, Türen und Schlüssellöcher den Blick freigeben.

Die theoretische Auseinandersetzung mit Roman Polanskis Filmen ist stark von semiotisch-psychoanalytischen Lesarten bestimmt. Eine offensichtliche Vorliebe für bestimmte Themen und Metaphern wird vom Filmemacher selbst vehement bestritten. Er versteht sich gern als Handwerker und Techniker, dem es ausschließlich um die unterhaltende Erzeugung von Spannung und Emotion geht. Interpretationen seiner Filme sind ihm zuwider. "Hätte ich eine Botschaft" erklärt er "so würde ich sie mit der Post schicken." Allerdings erscheint es für die Untersuchung seiner Filme unerheblich, ob er gewisse Motive und symbolische Bezüge so instinkthaft und naiv verwendet, wie oft behauptet. Mögen seine Filme auch keine Botschaften im herkömmlichen Sinne transportieren, so sind die Stimmungen und Bestimmungen seiner Raumsituationen sicher nicht zufällig oder rein technischer Art. Seine Obsession für alptraumhafte Räume und atmosphärische Details zeugt auch von einer spezifischen Lebenserfahrung, die sich besonders in Roman Polanskis Fall vom filmischen Werk doch nicht vollständig trennen lässt.

Gefängnis im Privaten – EKEL (1965)

Das lustige Labyrinth – TANZ DER VAMPIRE (1967)

Horror in Amerika – ROSEMARYS BABY (1968)

Pariser Ausland – DER MIETER (1976) und FRANTIC (1988)

Zurück in die Kindheit – DER PIANIST (2002) und OLIVER TWIST (2005)

Mauern, Pforten, Labyrinthe

Roman Polanski – Kindheit als Alptraum

Roman Polanski – Erfolg und Horror

Roman Polanski – Verlust und Skandale

Roman Polanski – Rückzug und Neuanfang

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