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DER AMERIKANISCHE FILM NOIR

DER AMERIKANISCHE FILM NOIR Thema
Autor Rahel Gläser, 04.06.2009

Ursprünge des film noir

Historisch gesehen lässt sich eine zweifache Bewegung des film noir - der seine Bezeichnung retrospektiv erhält - nachzeichnen: Europäische Ursprünge beeinflussen den klassischen amerikanischen film noir (1941 bis 1958), an dem wiederum der europäische film noir anknüpft. Über den zeitlichen Rahmen, den Kanon sowie den Status des film noir herrscht Unstimmigkeit. Gilt film noir zunächst als Epochenstil, so wird er mittlerweile auch als internationales, zeitübergreifendes Phänomen sowie als kontinuierliche, veränderliche Bewegung aufgefasst; oder aber als Genre, das etwa seit den späten 1980er Jahren erneuert wieder auflebt. Wenn im folgenden von Genre die Rede ist, dann im Sinne jener Filmverständigen, die feststellten, dass Varianten und Verstöße gegen das Regelsystem eines jeden Genres vorkommen. Die jüngere Forschung beobachtet das Phänomen zu Recht sogar bis zur zeitgenössischen Filmproduktion. In diesem Essay soll es jedoch um die klassische US-amerikanischen Periode des film noir gehen.

Der film noir erschließt sich zu einem großen Teil von den Bildern her, vom Stil und von der Stimmung. Die (oftmals deterministische) film noir-Atmosphäre der Hoffnungslosigkeit, Vergeblichkeit und Ausweglosigkeit spiegelt in etwa existentielle bzw. soziale Krisen wieder. Die Figuren haben Träume, die aber ins Tragische kippen und in Alpträumen münden. Im film noir dominiert das Dunkle, der Schatten, und das Scheitern kündigt sich meistens schon zu Beginn des Films an.

Der film noir erzählt von Verbrechen, und zeichnet sich durch eine zutiefst pessimistische Grundstimmung und expressive Ästhetiken aus, wobei er aus verschiedenen Quellen schöpft. Er folgt keinem Produktionsschema seitens der Hollywood-Studios wie es bei anderen Genrefilmen der Fall ist. Tatsächlich existieren die Filme vor der Begriffsbildung, auch wenn die Filme des Poetischen Realismus im Frankreich der 1930er Jahre - als deren Musterbeispiel Marcel Carnés DER TAG BRICHT AN (1939) gilt - mitunter schon als "noir" bezeichnet werden - zuerst abwertend, da hier eine moralische Grenzverletzung und scheinbar subversive Stoßrichtung moniert wird. Diese von politischer Verunsicherung geprägten französischen Filme der Vorkriegszeit gelten als ein Vorläufer des amerikanischen film noir.

Zudem lässt der amerikanische film noir ästhetische Anleihen aus dem deutschen Expressionismus, also Bezüge zum "Caligarismus" erkennen. Zahlreiche wichtige Regisseure des Genre sind Emigranten, die Europa bei der Machtübernahme der Nazis 1933 verlassen. Eine weitere Erbschaft ist die Kriminalliteratur der "hardboiled-school of fiction" eines Dashiell Hammett oder Raymond Chandler (die ihrerseits vom Gangsterfilm inspiriert ist). Deren Adaption im film noir ergibt ein moralisch zwiespältiges, physisches Kino der Paranoia. Gelegentlich werden auch Einflüsse des italienischen Neorealismus festgestellt. Zuletzt sei noch erwähnt, dass der film noir auch Elemente des amerikanischen Gangsterfilms der 1930er Jahre, für den Howard Hawks' SCARFACE (1932) exemplarisch ist, des Detektivfilms, des Polizeifilms, des Horrorfilms und des Melodrams aufnimmt.

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