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MCCARTHYISM REVISITED

MCCARTHYISM REVISITED Thema
Autor Steffen Wagner, 15.05.2009

Norman Mailer und George Clooney verarbeiten ein amerikanisches Trauma

Kulturschock

McCarthy als Fiesling

HEXENJAGD nutzt die Möglichkeiten des Filmgenre, um Zeit und Ort erlebbar zu machen. Hervorragende Schauspieler geben der Geschichte trotz der manchmal ermüdenden, historisierenden Dialoge Glaubwürdigkeit. Die Dummheit des Bösen wird arg holzschnittartig bloßgestellt, aber selbst das hat einen Bezug zu den tatsächlichen Geschehnissen der 1950er: Wer die dokumentarischen Szenen aus George Clooneys Film gesehen hat, erlebt den echten Joseph McCarthy als bösartigen, engstirnigen Fiesling, den Arthur Miller selbst noch in einem Artikel im New Yorker von 1996 mit einem blindwütigen Kleinstadtschläger vergleicht.

Stilistisch sind GOOD NIGHT AND GOOD LUCK und HEXENJAGD krasse Gegensätze. Arthur Miller nutzte für sein Theaterstück den Kunstgriff der Historisierung, den Nicolas Hytner mit filmischen Mitteln nachvollzieht. Hauptgrund dafür ist die zeitliche Nähe, ja eigentlich Parallelität, in der das Stück zum McCarthyism entstand. Die Wirkung, die McCarthy in der ersten Hälfte der 1950er Jahre entfaltete, machte es unmöglich das Thema in realistischer Weise zu behandeln. Selbst mehr als 40 Jahre später schreibt Arthur Miller noch von der "Todesangst", die er angesichts der politisch-ideologischen Aggressivität des Joseph McCarthy empfand. Für George Clooney schaffte der zeitliche Abstand von 50 Jahren den Puffer, der nötig war, um das soziale und politische Phänomen des McCarthyism quasi-dokumentarisch zu entlarven.

Doch nicht nur die gewählten Stilmittel sind unterschiedlich. Die Filme widmen sich auch zwei ganz unterschiedlichen Aspekten des Fanatismus. HEXENJAGD handelt von der irrationalen Dimension des Fanatismus der Ankläger und auch von der im Grunde irrationalen Reaktion der Angeklagten. Im Vordergrund steht auf beiden Seiten der Glaube. John Procter als Verfolgter bezieht sich allein auf seinen Glauben, als er der letzten Demütigung widersteht und sich weigert, das Geständnis zu unterschreiben, mit dem Teufel im Bunde gewesen zu sein. In der theokratischen Gesellschaft von Salem Ende des 17. Jahrhunderts wäre dieses Geständnis der einzige Weg gewesen, sein Leben zu retten. Er lehnt es ab, sich selbst und andere durch eine Lüge zu retten. Die Basis für diesen Heroismus ist sein Glaube: "Gott sieht meinen Namen, er weiß wie schwarz meine Sünden sind", ruft er den Inquisitoren zu, bevor er am Galgen hängt. Das ist pure Emotion, die im Film auch in den Kitsch abdriftet.

Arthur Miller will durch diese Emotionalisierung Identifikation beim Zuschauer erzeugen. Das ist ihm im Theater gelungen. Die Erstproduktion am Broadway im Januar 1953 wurde zwar von der Kritik negativ aufgenommen - wie Arthur Miller später zugab, auch die Schuld einer quälend steifen Inszenierung. Eine neue Produktion wurde dann ein Jahr später zum Hit. Die Buchfassung verkaufte sich in den USA in verschiedenen Ausgaben über sechs Millionen Mal. "The Crucible" ist bis heute ein Exportschlager. "Besonders in Lateinamerika wird es immer gespielt, wenn wieder ein Coup in der Luft liegt´", bemerkte Arthur Miller in den 1990ern trocken. Der Film war weniger erfolgreich. Mit mehr als 40 Jahren Abstand war das Publikum für die Mischung aus politischem Lehrstück und Kostümfilm schwer zu begeistern. Bei der Kritik kam der Film besser an. Für das Filmdrehbuch wurde Arthur Miller 1996 unter anderem für den Oscar nominiert, ebenso wie Joan Allen in der Rolle der Ehefrau Elisabeth Proctor als Beste Nebendarstellerin. Hinzu kamen mehrere internationale Nominierungen und Preise.

Fanatismus und moderne Demokratie

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