50 Jahre später beschäftigt sich Hollywood noch immer mit dem Phänomen McCarthy, George Clooneys GOOD NIGHT AND GOOD LUCK ist das jüngste und prominenteste Beispiel. Aber bereits in der Zeit des McCarthyism versuchte Norman Mailer, den kulturellen Schock künstlerisch zu verarbeiten. Norman Mailer selbst war 1951 von Columbia Pictures fallengelassen worden und konnte ein Drehbuch über Gewerkschaftskorruption in den Brooklyner Docks "The Hook" nicht mehr unterbringen, weil er sich weigerte, die mörderischen amerikanischen Gangster per Drehbuchänderung zu Kommunisten umzufunktionieren. Er schrieb 1952 das Theaterstück "The Crucible" (Uraufführung im Januar 1953 in New York), als historische Vorlage diente ihm der Hexenprozesse von Salem in Massachusetts am Ende des 17. Jahrhunderts. Auf diese Weise bringt er das McCarthy-Zitat "Today we are engaged in a final, all-out battle between Communistic Atheism and Christianity" auf die Bühne.
Die "guten Christen" von Salem proben einen hysterischen Aufstand, als ein Kind verstummt, in eine Art Koma fällt und laut der Visionen des eifersüchtigen Teenagers Abigail Williams die Schwarze Tituba und der unbescholtene John Proctor in Zusammenarbeit mit dem Teufel daran Schuld sein sollen. Reverend John Hale versucht zunächst die angebliche Tat mit einer vernunftgeleiteten Untersuchung aufzuklären. Doch Abigail, die Procter nach einer Affäre entweder von seiner Familie fernhalten oder vernichten will, versetzt alle anderen Mädchen, die nun ebenfalls den Teufel spüren, und dann die gesamte Dorfgemeinschaft in eine Massenhysterie. An diesem Punkt übernimmt der von der Provinzregierung entsandte Vizegouverneur Danforth die Untersuchung.
Mehr als 40 Jahre nach der Uraufführung arbeitete Arthur Miller es in ein Drehbuch für den Film HEXENJAGD von Nicolas Hytner um. 1996 kam der Film mit einer Starbesetzung, Winona Ryder als dämonischer Teenager und Daniel Day-Lewis als John Proctor, in die Kinos. Im Film, der den Drahtseilakt zwischen kitschig-emphatischem Kostümstreifen und politischer Anklage wagt, steht der Mechanismus im Vordergrund, der ideologische Verfolgung und Massenwahn möglich macht. Jedem Angeklagten wird ein einfacher Ausweg geboten: Bekenne dich schuldig, denunziere Andere und wir lassen dich frei. Die Möglichkeit, die Anklage zu widerlegen wird gar nicht erst eingeräumt.
Auf genau dieser Vorgehensweise beruhten die Anhörungen vor dem Senate Committee McCarthys. Sie führte dazu, dass immer weitere Verdächtige, die sich nichts zu schulden kommen ließen außer einer anderen politischen Meinung, in die Ermittlungen hineingezogen wurden. Auf diese Weise verstärkten sich die Paranoia der Verfolger und die Angst der Verfolgten gegenseitig, wie ein Krebsgeschwür weitete sich der Verdacht auf immer neue gesellschaftliche Gruppen aus. Die Bedrohung durch "die Kommunisten" wurde zur "Self-fulfilling Prophecy". Arthur Miller zeigt so den Strudel, in den jeder geraten kann, wenn die Zeiten ideologisch geprägt sind und Dissidenten oder politisch Andersdenkende automatisch verdächtig sind. Das Tribunal in "HEXENJAGD ist ähnlich wie der Senatsausschuss der 1950er Jahre Ankläger und Richter in einem. Eine Konstruktion, die jedem Verständnis von Rechtsstaatlichkeit oder einer vernünftig argumentierenden, rational abwägenden Justiz spottet.