In den 1960er Jahren leiten Western wie DER MANN, DER LIBERTY VALANCE ERSCHOß (1961) von John Ford und SACRAMENTO (1962) von Sam Peckinpah, dem vielzitierten 'Bastardsohn' John Fords, eine Dämmerungsstimmung ein, die sich in John Fords CHEYENNE (1964) und Howard Hawks EL DORADO (1966) weiter vertieft. Der Spätwestern stellt neben seinen Helden, nunmehr auch den Westen selbst in Frage, seine Moral und seine Regeln. Alternde, desillusionierte Revolverhelden sehen sich mit dem langsamen, schmerzlichen Untergang ihrer Welt konfrontiert und kämpfen ein letztes Mal für ihre längst überholten Werte.
Den Todesstoß versetzt dem klassischen amerikanischen Western der junge Italowestern mit seinen dreckigen, zynischen Antihelden, die es – ähnlich dem amerikanischen Film Noir – kaum mehr erlauben noch zwischen gut und böse zu unterscheiden. Höhepunkt und Vollendung erreicht diese Welle italienischer Western mit Sergio Leones erster Hollywoodproduktion, dem alptraumhaften SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD (1967). Im selben Jahr erregt auch das Gangsterpärchen BONNIE UND CLYDE (1967) unter der Regie von Arthur Penn die Sympathien des Publikums und endet in einem nie gesehenen Kugelhagel auf der Kinoleinwand. Ein neuer brutaler Naturalismus hält Einzug in 'New Hollywood', keineswegs nur im Western.
Schließlich treibt Sam Peckinpah mit THE WILD BUNCH - SIE KANNTEN KEIN GESETZ (1969) das Westerngenre im Hinblick auf Dreck, Gewalt und Hoffnungslosigkeit endgültig auf die Spitze. Nach diesem düsteren Spätwestern scheint es kaum noch möglich, den Westen als Kampfplatz ritterlich rechtschaffender Helden zu zeigen. Weniger Sympathie als Mitleid erregen Sam Peckinpahs Helden, die auf der Suche nach Erlösung sich selbst und ihre untergehende Welt unter Leichenbergen begraben. In der Absicht, den Niedergang des alten Westens in seiner brutalen Realität zu schildern, verhilft Sam Peckinpah doch dem Westerngenre selbst, das er zu erneuern und von seinen Naivitäten zu befreien suchte, zu seinem Niedergang.