Sam Peckinpah wird am 21. Februar 1925 in Fresno geboren und wächst auf einer Ranch in Südkalifornien auf. Er entstammt einer Familie weißer Siedler, die als Holzfäller, Prediger, Waffenhändler und Richter die Welt des alten Westens geradezu idealtypisch verkörpern. Die sich hartnäckig haltende Behauptung seiner indianischen Blutsverwandtschaft gehört zu den vielen Legenden, die er über seine Person in Umlauf bringt. Die Grenze zwischen Kunst und Leben scheint sich, in der Person des Regisseurs zu verwischen. Er identifiziert sich selbst mit den Helden und Outlaws des Westens im Kampf gegen seine Produzenten in der Filmindustrie. Nach einigen Erfolgen mit Westernserien fürs Fernsehen, gelingt ihm mit seinem zweiten Kinofilm SACRAMENTO (1962) überraschend der Durchbruch. In dem Film finden sich einige sehr persönliche Andeutungen insbesondere was die väterliche Hauptrolle des unbestechlichen, sich aufopfernden Ehrenmannes anbelangt.
Kommt es seit seiner Zeit beim Fernsehen immer wieder zu Streitigkeiten mit Kollegen und Vorgesetzen, so schafft sich der Filmemacher mit seiner ersten großen Kinoproduktion SIERRA CHARRIBA (1965) endgültig den Ruf des kompromisslosen und schwierigen Regisseurs. Endlose Querelen begleiten die strapaziösen Dreharbeiten von Anbeginn. Er überzieht Budget und Drehzeit, soll ausgetauscht werden - wovor ihn der Hauptdarsteller Charlton Heston mit dem Verzicht auf seine Gage bewahren kann - und wehrt sich energisch gegen den drastischen Umschnitt und die Kürzung seines Films durch den Produzenten Jerry Bresler. Dessen Drohung, dafür zu sorgen, dass der Regisseur bei jedem großen Studio auf der 'Schwarze Liste' landet, scheint er eingehalten zu haben. Noch vor der Premiere von SIERRA CHARRIBA (1965) wird Sam Peckinpah unter fadenscheinigem Vorwand von seinem bereits begonnenen Projekt CINCINNATI KID abgezogen und erhält für die nächsten Jahre keine Möglichkeit für eine größere Filmproduktion.
Um zu verstehen, wie und warum aus Sam Peckinpah dieser störrische, paranoide und zuweilen zynische Mensch wird, als der er so oft beschrieben wird, muss bedacht werden, dass THE WILD BUNCH - SIE KANNTEN KEIN GESETZ (1969) bis lange nach seinem Tod nicht in der von ihm geschaffenen Fassung zu sehen ist. Seinem Lieblingsprojekt, der melancholische Western ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUß (1970), der ohne irgendeine Werbekampagne auf den Markt geschleudert wird, bleibt jegliche Unterstützung des Studios versagt. Auch Sam Peckinpahs letzter Western PAT GARRETT JAGT BILLY THE KID (1973) , der unter ungeheuren Strapazen in kürzester Zeit für MGM fertiggestellt werden muss, wird rücksichtslos um 34 Minuten bis zur Unkenntlichkeit gekürzt.
"Meine besten Filme haben Produzenten fertiggemacht" erklärt Sam Peckinpah 1976 in Jugoslawien bei den Dreharbeiten zu seinem Kriegsfilm STEINER - DAS EISERNE KREUZ (1977). Überschattet von gesundheitlichen Problemen des alkohol- und drogensüchtigen Regisseurs erinnert der Film noch stilistisch an frühere Werke, hat aber kaum etwas mit deren kritisch analytischer Haltung gemein. Für gutes Geld verkauft Sam Peckinpah seinen guten Namen, der längst zum Markenzeichen für fulminante Action geworden ist. Seine sanfteren, stilleren Arbeiten wurden ignoriert, letztlich will alle Welt nur Gewalt von ihm sehen.
In Sam Peckinpahs Filmen wie in seiner Person zeigt sich eine Entwicklung der Desillusionierung hin zu offenem Zorn und Verzweiflung. Als vielleicht letzter großer Westernregisseur führt er das Genre an den 'logischen Endpunkt seiner Entwicklungsmöglichkeiten' (Arnold / von Berg) und verkörpert wie kein zweiter Filmemacher den schmerzlichen Verlust des alten Westens mit seinen eigenwilligen Außenseitern angesichts der Gewalt des 'Big Business'.