Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

SAM PECKINPAHS THE WILD BUNCH (1969) UND DAS ENDE DES ALTEN WESTENS

SAM PECKINPAHS THE WILD BUNCH (1969) UND DAS ENDE DES ALTEN WESTENS Thema
Autor Robert Hanulak, 21.04.2009

Zweifelnde Helden – Die Krise des Westerns

Wer spricht heute noch vom Western? So alt wie das Erzählkino überhaupt, scheint der Western dieser Tage ziemlich aus der Mode gekommen, um nicht zu sagen tot. Gleichwohl leben seine Helden, Symbole und Mythen in Filmen wie BROKEBACK MOUNTAIN (2005), NO COUNTRY FOR OLD MEN (2007) (NO COUNTRY FOR OLD MEN (2007) Trailer) oder THERE WILL BE BLOOD (2007) (THERE WILL BE BLOOD (2007) Trailer) bis heute fort. Doch erzählen diese Geschichten nicht mehr vom Aufbruch und vom Heldenmut des rechtschaffenden weißen Mannes im Kampf gegen Wildnis, Indianer und Banditen, sondern vielmehr vom Untergang des 'Alten Westens', der sich in den Fiktionen des Kinos selbst überlebt und den es in dieser Form niemals gegeben hat. Sie handeln von der erfolglosen Suche individualistischer Abenteurer nach Selbstständigkeit und Freiheit, vom Bankrott ihrer altmodischen Werte und von der brutalen Gewalt, auf welche sich die 'Zivilisierung' des Westens gründet. Die Helden des Westens sind alt geworden und finden in der Welt, die sie halfen zu schaffen, keinen Platz mehr. Es ist die industrielle Welt des Stacheldrahts, der Automobile und Maschinengewehre, des Kapitals und der großen Companies, der korrupten Politiker und skrupellosen Auftragskiller. Es ist die endlose Zeit des Spätwesterns.

Bereits auf dem Höhepunkt des großen amerikanischen Westerns in den 1950er Jahren kündigt sich, exemplarisch mit Filmen wie ZWÖLF UHR MITTAGS (1952) von Fred Zinnemann, VERA CRUZ (1954) von Robert Aldrich, DER SCHWARZE FALKE (1956) von John Ford oder RIO BRAVO (1958) von Howard Hawks, ein Wandel, vielmehr noch eine Krise des Genres und seiner Helden an. Die Themen werden vielschichtiger und hintergründiger. Die Charaktere erhalten mehr und mehr psychologische Tiefe. Des Tötens überdrüssig, geraten sie zunehmend in Zweifel und moralische Widersprüche, wirken verbitterter, müder und einsamer. Der Western scheint, erwachsen geworden zu sein und damit auch ernsthafter, zuweilen pessimistischer. Dennoch lösen sich seine Konflikte zumeist noch in der epischen Melodramatik des 'Edelwesterns' auf, ohne sich grundsätzlich in Frage zu stellen.

Die wirkliche Demontage des klassischen Westerns, dieses amerikanischsten aller Genres, beginnt in den 1960er Jahren und das ist sicher kein Zufall. Amerika gerät zunehmend in eine Identitätskrise, die auch die filmische Darstellung ihrer Gründungsmythen nicht unberührt lässt. Die Ermordung von J. F. Kennedy und Martin Luther King, das Erstarken einer Bürgerrechtsbewegung gegen Rassentrennung und Vietnamkrieg sowie eine damit verbundene kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, gehen natürlich auch am Kino nicht spurlos vorüber. Hinzu kommt die Krise des Studiosystems in Hollywood insbesondere durch die Konkurrenz des Fernsehens, die dem amerikanischen Western als TV-Serie eine letzte Blüte beschert.

Herbst eines Genres – Der Spätwestern

Ein Außenseiter in Hollywood – Sam Peckinpah

Ein verstümmelter Klassiker – The Wild Bunch (1969)

Gewalt und Moral – Sterben in Zeitlupe

Aktueller Stand der Datenbank:
18142 Filme,
70519 Personen,
5384 Trailer,
869 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 0,4392