Das kleine Wörtchen "Neu", welches der Berliner Schule vorangestellt wird, impliziert, dass es auch eine "alte" oder "ur" Berliner Schule gibt. In den 1970er Jahren erhalten die Filme einer Gruppe von Regisseuren bereits das Attribut "Berliner Schule". Hierbei bezeichnet der Begriff eine Reihe von Filmen aus dem Arbeitermilieu. Dazu zählen DER LANGE JAMMER (1973) von Max Willutzki oder LIEBE MUTTER: MIR GEHT ES GUT (1972) von Christian Ziewer. Diese Filme bezweckten auf der inhaltlichen - weniger als auf der formalen Seite - Ebene, das Politische einzubringen, indem sie den Arbeiter in den Mittelpunkt ihrer Geschichten stellten.
So erzählt DER LANGE JAMMER (1973) von Mietwucher im Märkischen Viertel in Berlin und LIEBE MUTTER; MIR GEHT ES GUT (1972)von einem Fabrikstreit. Nachdem eine Gruppe von Studierenden, unter ihnen die heute bekannten Regisseure Harun Farocki und Hartmut Bitomsky, wegen ihrer politischen Aktivitäten vom Studium an der Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin (DFFB) ausgeschlossen werden, beschließen sie und andere Filmemacher, politische Filme zu machen. Daraus ergibt sich auch die Verbindung zu den Regisseuren der Neuen Berliner Schule: Harun Farocki, Hartmut Bitomsky sowie einige Autoren der damals linken Zeitschrift "Filmkritik", wie Peter Nau, Manfred Blank und Helmut Färber lehren an der DFFB. Dort studieren Christian Petzold, Angela Schanelec und Thomas Arslan etwa zeitgleich. Noch heute arbeitet Harun Farocki dramaturgisch an allen Drehbüchern von Christian Petzold mit.
Rainer Gansera schreibt wie Harun Farocki in den 1970er Jahren ebenfalls für die 1984 eingestellte Zeitschrift "Filmkritik". Wenn er von der Neuen Berliner Schule berichtet, so beinhaltet dies gleichzeitig einen versteckten Hinweis auf die Berliner Arbeiterfilme der 1970er Jahre, und das, obwohl die Themen der heutigen Berliner Schule nicht unmittelbar aus dem Arbeitermilieu stammen.