Mit den drei genannten Filmen beginnt die Nouvelle Vague. Ihr Ende zu lokalisieren fällt dagegen schwer; wie eingangs schon erwähnt, ist eine genaue Begrenzung der Filmbewegung ausgesprochen schwierig – weder im Bezug auf ihre Regisseure, noch im Bezug auf ihre Filme. Sie beschränkt sich nicht auf den festen Kern um die fünf ehemaligen Filmkritiker der Cahiers du cinéma – im Kontext der Nouvelle Vague müsste genauso der erweiterte Kreis um die Rive Gauche-Regisseure Alain Resnais und Louis Malle genannt werden. Bei den Filmen verhält es sich nicht anders. Auch wenn die Bewegung irgendwann mehr oder minder klar ein Ende findet, hören deren Gründer nicht auf, Filme zu machen. Auch die theoretischen Forderungen, die die Nouvelle Vague einst begründen, leben im Werk ihrer Regisseure fort, was eine klare Abgrenzung erschwert.
Fast zweifelsfrei als Filme der Nouvelle Vague dürfen folgende Filme gelten: HIROSHIMA, MON AMOUR (1959) von Alain Resnais und ZAZIE (1960) von Louis Malle sind Werke, die sich an den Forderungen der Nouvelle Vague orientieren. Die fünf Filmkritiker der Cahiers lassen es auch nicht auf den oben genannten Debüts beruhen. Von Jacques Rivette zählen zum Beispiel PARIS GEHÖRT UNS (1960) und DIE NONNE (1966) zur Neuen Welle. Francois Truffaut dreht JULES UND JIM (1962) und DIE SÜSSE HAUT (1964) im Geiste der Nouvelle Vague. Jean-Luc Godard bricht nach den Ereignissen von 1968 mit der Filmbewegung, nicht aber ohne viel zu ihr beigetragen zu haben, wie zum Beispiel DIE VERACHTUNG (1963) oder ELF UHR NACHTS (1965), einen der Höhepunkte der Nouvelle Vague. Claude Chabrol steuert SCHREI, WENN DU KANNST (1959) und DIE UNTREUE FRAU (1969) bei. Eric Rohmer tritt vor allem mit MEINE NACHT BEI MAUD (1969) in Erscheinung.
Diese Aufzählung ist keineswegs erschöpfend. Während ein Jean-Luc Godard offen mit der Filmbewegung bricht, ist beispielsweise bei Claude Chabrol und Eric Rohmer keine klare Zäsur zwischen der Nouvelle Vague und einem eigenständigen Werk erkennbar. Die Bewegung wirkt auch nach ihrem "offiziellen" Ende subkutan im Werk ihrer Regisseure weiter. Ganz abgesehen von der nachhaltigen Wirkung, die die filmische Revolution namens Nouvelle Vague bis in die Gegenwart in Film und Fernsehen zeigt.