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DIE NOUVELLE VAGUE: ZÄSUR UND WENDEPUNKT

DIE NOUVELLE VAGUE: ZÄSUR UND WENDEPUNKT Thema
Autor Mario Kaiser, 31.03.2009

Das Wasser zieht sich langsam zurück

Fängt an zu grollen

Schon früh in den 1950er Jahren bezieht die Gruppe kritisch Stellung zum Kino der "Tradition" und "Qualität", das die französischen Lichtspielhäuser seit zwanzig Jahren regiert. Sie kritisieren die kommerziell ausgerichtete, fast schon industriell zu nennende Produktion von Filmen aus literarischen Vorbildern. Gleichermaßen entwerfen sie ein Gegenbild zum Status quo und geben klare Verbesserungsvorschläge. Erzählerische Konventionen und starre Produktionsbedingungen müssen offener und freier – und der Filmemacher vom Handwerker zum Künstler werden. Der Autorenfilmer, den sie mit der politique des auteurs entwerfen, soll den Film in jedem Produktionsschritt begleiten und ihm gleichsam einen Abdruck seiner künstlerischen Persönlichkeit verleihen, eines Stils, der aus jedem seiner Filme zu erkennen sein soll.

Einen entscheidenden Punkt in dieser Entwicklung markiert der Essay "Eine gewisse Tendenz im französischen Kino", den Francois Truffaut 1954 in den Cahiers veröffentlicht. Der Artikel ist für die Filmbewegung eminent wichtig; er enthält bereits alle entscheidenden Punkte, an denen das Kino revolutioniert werden soll. Die Kontroverse und (teils hochpolemische) öffentliche Diskussion, die dem Artikel folgt, verschafft den jungen Filmkritikern erstmals vor einer breiten Öffentlichkeit Gehör. Der Autor wendet sich in seinem Essay gegen den "psychologischen Realismus", der in den 1940er und 1950er Jahren das französische Kino beherrscht. Er kritisiert das immergleiche Schema, nach dem nur sehr wenige Drehbuchautoren (die direkt nichts mit dem Film zu tun haben) literarische Sujets aufbereiten: das "Verfahren der Äquivalenz". Dieses Verfahren ist nicht anderes als das bloße Abscheiden der literarischen Vorlage nach filmischer Umsetzbarkeit. Die strengen Regeln, nach denen die Vorlage gleichermaßen durchgesiebt wird, nehmen dem Regisseur die künstlerische Freiheit und entfremden ihn von seiner Arbeit. Diesen Bedingungen entspringen die Forderungen, die Francois Truffaut im Anschluss an seine Kritik stellt. Der réalisateur soll zum auteur werden, vom Handwerker zum Künstler. Damit gibt der Filmkritiker den Startschuss für eine politique des auteurs, deren wesentliche Eckpunkte er in seinem Artikel bereits umreißt. Jedoch darf die Ausformung dieses Konzepts nicht als allein sein Werk gelten. Einerseits muss in diesem Zusammenhang Alexandre Astruc erwähnt werden; der Regisseur und Schriftsteller erhob als Erster die Forderung an den zeitgenössischen französischen Film, Raum zu schaffen für eine persönliche Filmsprache. Wie der Schriftsteller mit Worten, solle der Regisseur mit seiner Kamera seine Gedanken formulieren. Andererseits beteiligte sich schließlich die ganze Gruppe um André Bazin intensiv an der theoretischen Entwicklung einer politique des auteurs.

Und schlägt zu

Die Lungen voll Wasser: Außer Atem

Sonstige Wellenreiter

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