Das Hollywood-Kino greift den Krieg in Vietnam im Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg und Koreakrieg erst sehr spät als Thema auf. Ausnahme ist der 1968 gedrehte Film DIE GRÜNEN TEUFEL von Ray Kellogg, der sich an den traditionellen Konventionen des Kriegsfilms orientiert und den amerikanischen Einsatz in Vietnam rückhaltlos befürwortet. Die Gegenseite kommt während der Dauer des Krieges direkt nur im Dokumentarfilm zu Wort und Bild: In Filme wie IM JAHR DES SCHWEINS (1968) von Emile de Antonio und HEARTS AND MINDS (1974) von Peter Davis.
Vietnamkritik erscheint in dieser Zeit im Spielfilm allenfalls indirekt, allegorisch im Western, in DAS WIEGENLIED VOM TOTSCHLAG (1970) von Ralph Nelson oder in Arthur Penns LITTLE BIG MAN (1970). Die amerikanische Gesellschaft erscheint kolonialistisch und barbarisch, weil das Gute und Böse völlig durcheinander geraten. Gewaltsame Passagen wechseln sich ab mit Comicsequenzen. Das Oszillieren der Werte geht Hand in Hand mit der Vermischung unterschiedlicher Genres. Der Orientierungslosigkeit, die dabei entsteht, setzen die Filme jedoch nichts entgegen, es wird nicht kompensiert und relativiert. Die Inversion der Werte bedingt die Struktur der Filme.
Erst nach Beendigung des Krieges wird Vietnam explizit thematisiert, zunächst in Form der coming home- Filme. Die ideologische Bandbreite von Filmen wie SIE KEHREN HEIM (1978) unter der Regie von Hal Ashby oder CUTER'S WAY – KEINE GNADE (1981) von Ivan Passer reicht dabei von einer liberalen Problematisierung der Männlichkeitskrise eines heimkehrenden Rollstuhlfahrers bis zum protofaschistischen Rächer. Mit DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN (1978) von Michael Cimino setzt eine neue Form der Auseinandersetzung mit der Vietnamära ein. Hier geht es nicht um eine realistische fiktionale Repräsentation der Kriegssituation oder um eine Kritik am amerikanischen Militäreinsatz. Es geht weniger um den Krieg als um die gesellschaftliche Situation nach Beendigung des Krieges. Die Szenen, die in Vietnam spielen, sind genauso wenig zu sehen wie Plantagen und Baumwollfelder in einem Bürgerkriegsfilm.
Mit DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN (1978) wird eine Serie von Post-Vietnamfilmen eingeleitet, die Vietnam vor dem Hintergrund der Situation Ende der 1970er und der 1980er Jahre interpretieren. Vietnam wird dabei - wie der Westen im Western - zu einer Inszenierung, in dem ideologische Konstrukte verhandelt werden. So reflektiert der Film mit seinen rassistischen Implikationen und den Stereotypen des Kalten Krieges eher das konservativ-politische Klima im Amerika der ausgehenden 1970er Jahre. Angesichts des Nationalstolzes und dem Gefühl verletzter Unschuld, das der Film am Ende in der Vision eines umzingelten aber vereinten Amerikas aufhebt, ist es kein Wunder, dass der Film am Abend vor Ronald Reagans Wahl im Fernsehen ausgestrahlt wird.