In den 1980er Jahren, als die wirtschaftliche und politische Hegemonie der USA stark geschwächt wird, wird Vietnam in Filmen wie MISSING IN ACTION (1984) von Joseph Zito oder RAMBO (1982) von Ted Kotcheff unter anti-kommunistischen und rassistischen Vorzeichen nochmals bekämpft, wobei die Geschichte revidiert wird, die Schlacht hier siegreich beendet wird. Ronald Reagan dient RAMBO (1982) dabei als Rechtfertigung für die militärische Intervention im Nahen Osten. PLATOON (1986) von Oliver Stone knüpft an RAMBO (1982) und MISSING IN ACTION (1984), aber auch in gewisser Weise an APOCALYPSE NOW (1979) an: Die Komplexität des Vietnamkrieges reduziert auf ein moralisches Problem, auf die Opposition von guten und schlechten Soldaten. Der Krieg wird zum Drehbuch für ein Identitätsproblem, er erscheint als tragischer Fehler oder als existentialistisches Abenteuer.
PLATOON (1986) glorifiziert den Krieg als visuelles Spektakel, auf der narrativen Ebene wird er als tragische Erfahrung präsentiert. Auch in diesem Film werden die Massaker an Vietnamesen nicht als Kritik an der amerikanischen Kriegspolitik inszeniert, sondern als außerplanmäßiger Durchbruch der dunklen Abgründe der menschlichen Natur präsentiert, der in keinem Zusammenhang zu amerikanischen Kriegsstrategien in Vietnam steht. Aufgehoben werden solche Szenen am Ende, in denen amerikanische Soldaten vietnamesische Kinder auf dem Arm und so ihre Humanität zur Schau tragen. Der Film soll nicht als Kritik am Vietnamkrieg verstanden werden, es geht um einen rituellen Versuch, die dunkle Seite der menschlichen Natur zu exorzieren. Es handelt sich um eine Lösung des moralischen Konflikts der Vietnamära.
FULL METAL JACKET (1987) von Stanley Kubrick präsentiert einen anderen Blick auf den Vietnamkrieg. Der Film besteht aus zwei Teilen. Der erste präsentiert die Ausbildung von Marines durch den rassistischen, misogynen und rechten drill Sergeant Hartman; der zweite Teil zeigt den Einsatz der Truppe in Vietnam und die zunehmende Desintegration dieser ausgebildeten Kriegsmaschinerie. Stanley Kubrick schreibt damit einen Kriegsfilm wie PLATOON (1986) um - im Sinne einer Kritik von nationalem und männlichem Chauvinismus. Im Gegensatz zu anderen Vietnam-Filmen wirkt FULL METAL JACKET (1987) unterkühlt, was nicht zuletzt auf seinem Verzicht auf eine naturalistische Präsentation des Krieges zurückzuführen ist. Der erste Teil kritisiert die sadistischen Trainingsmethoden, die auf die Ausbildung von Killer-Automaten ausgerichtet sind, die für die spezifische Kampfstrategie in Vietnam benötigt werden. Die Überlegenheit der eigenen Nation und Rasse, die Minderwertigkeit von Vietnamesen, männliche Misogynie, die darauf abzielt, weibliche Persönlichkeitsteile zu negieren - all diese Aspekte erscheinen in Stanley Kubricks Film nicht als Teile einer dunklen Seite der menschlichen Natur (im Gegensatz zu Filmen wie PLATOON), sondern als gesellschaftlich produziert. Der Chauvinismus, Rassismus und Sexismus, mit dem die Soldaten im boot camp indoktriniert werden, manifestiert sich in der stereotypen Behandlung der Vietnamesen im zweiten Teil des Films als die Anderen, die Ausgeschlossenen. Stanley Kubrick revidiert die Konventionen des Kriegsfilms am Ende, wenn sich im entscheidenden Gefecht der Heckenschütze, der zunächst unbesiegbar scheint, als vietnamesische Frau herausstellt. Sie repräsentiert in allen Aspekten das Andere: sie ist nicht weiß, sie ist Kommunistin und zudem eine Frau.