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DAS PHÄNOMEN DER GEWALT IM HOLLYWOOD

DAS PHÄNOMEN DER GEWALT IM HOLLYWOOD Thema
Autor Tsveta Dobreva, 25.03.2009

Das Phänomen der Gewalt im Hollywood

Die gesellschaftliche Krise und nachher

Der Krieg in Vietnam, die Ermordung J. F. Kennedys und Martin Luther Kings, die Hippie-Bewegung in den 1960er Jahren: Diese Ereignisse verweisen auf einen tiefen Riss im Selbstverständnis Amerikas. Der Glaube an den besonderen Stellenwert der Nation als Trägerin eines utopischen Versprechens gerät immer mehr ins Wanken. Der gemeinsame Sinnhorizont, das Kernstück der amerikanischen Identität, wird allmählich als gemeinsamer Konsensstifter brüchig. Erst als Hollywood um 1970 herum beginnt, auf diese gesellschaftliche Krise, die als Sinnkrise verstanden werden kann, zu reagieren, erholt sich der amerikanische Film von der finanziellen Krise und Unsicherheit der 1960er Jahre und verzeichnet wieder substantielle Gewinne. Bezeichnend dabei ist, dass diese Krise nicht als korrigierbarer Sinnverlust oder -mangel erlebt wird, sondern als Versagen des Prinzips von Sinn überhaupt. Die großen Sinnangebote traditionellen Zuschnitts, die auch den Hollywoodfilm prägen, erscheinen jetzt nicht mehr als utopische Hoffnung, sondern als verlogene Illusion.

Mit dem Überwinden der Krise meldet sich eine neue Generation von Regisseuren zu Wort, um auf der Suche nach alternativen Wegen des Filmemachers die etablierte Studioindustrie herauszufordern. Ihre Filme verarbeiteten in bis dahin unbekannter Eindringlichkeit die tief greifenden Einschnitte in die US-amerikanische Gesellschaft vom Vietnamkrieg bis zur Watergate Affäre, von den sozialen Bewegungen der 1960er Jahre bis zum Neokonservativismus Ende der 1970er Jahre. Filmschaffenden wie Dennis Hopper oder Bob Rafelson über Arthur Penn und Robert Altman bis hin zu Francis Ford Coppola und Martin Scorsese gehören zu den progressiven Regisseuren, die Ausflüge in die Filmgeschichten unternehmen, die filmische Traditionen erkunden und mit eigenen kinematographischen Konzepten erweitern. Filmschaffende, die nach Europa blicken und die Sehgewohnheiten des an der Traumfabrik geschulten Publikums herausfordern.

Der Begriff New Hollywood meint eine Reihe progressiver Einzelwerke, in denen das Dogma der Unterhaltung neu interpretiert wird. Mit der Auflösung traditioneller Sinn- und Wertstrukturen wird der Hollywood-Film offener, die alten Wertmaßstäbe verschwimmen. Von zentraler Bedeutung bei dieser Auflösung ist die Gewalt, die zu einem der wichtigsten Merkmale des Neuen Hollywood wird. So vereinigt die Darstellung der Gewalt in sich alle Funktionen, die früher Suspense, Erotik und Romantik einnehmen.

Das beginnt mit Katastrophenfilmen wie ERDBEBEN (1974) unter der Regie von Mark Robson, setzt sich in Steven Spielbergs DER WEIßE HAI (1975) fort und findet eine Art Höhepunkt in Francis Ford Coppolas APOCALYPSE NOW (1979). Diese Dominanz der Gewalt führt nicht zuletzt dazu, dass es in den 1970er und 1980er Jahren die männlichen Schauspieler sind, die die großen Stars sind - Jack Nicholson, Robert de Niro. Als Ursache für diese Dominanz der Gewalt im Film wird oft das Ausmaß von Gewalt in der Gesellschaft genannt. Das Kino ist der Raum, in dem die Erfahrungen der Außenwelt einfach wiederholt sind. Dieser Raum dient viel eher dazu, die Außenwelt zu stabilisieren, indem ihr etwas entgegengesetzt wird. Das Kino bietet die Möglichkeit, ungelebte Gewalt auszuleben, sowohl die strukturelle Gewalt und unsichtbare Unterdrückung, die die Gesellschaft prägt, als auch die internalisierte Unterdrückung des Einzelnen. Das Kino übernimmt dabei die Aufgabe, die unsichtbare Gewalt in physische, sichtbare Gewalt zu übersetzen. Im klassischen Kino wird Gesellschaft definiert über den im Kino angebotenen Sinn. Mit dem Verschwinden dieses Sinnhorizonts, der jetzt als Diktat, als Lüge erscheint, muss etwas anderes gefunden werden, das den Zuschauern versichert, in eine funktionierende Gesellschaft integriert zu sein. Wo die positiven Sinnkonstrukte nicht mehr funktionieren, muss das Gegenprinzip, die Gewalt herangezogen werden, um diese gesellschaftliche Funktion der Selbstversicherung zu erfüllen.

So entwerfen die Filme des New Hollywood Bilder einer Gesellschaft, die auf dem Einschluss physischer Gewaltanwendung statt auf ihrem Ausschluss basieren. Immer auffälliger wird dabei die Ästhetisierung von die Gewalttat. Hier beginnt ein Trend – etwa in TAXI DRIVER (1976) von Martin Scorsese - der sich bei Kriegsfilme von Oliver Stone fortsetzt.

Atmosphäre, Musik, Triumph der Technik

Vietnam-Filme

Vietnam-Filme der 1980er Jahre

APOCALYPSE NOW von Francis Ford Coppola

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