In APOCALYPSE NOW (1979) unter der Regie von Francis Ford Coppola geht es nicht um Authentizität, um den wirklichen Krieg in Vietnam. Es geht um eine Fiktion, eine Fantasie von Vietnam. Vietnam nicht als geographischer Ort und politische Realität, sondern um einen Ort in der Geographie der Fantasie. Die Struktur des Films ist als eine besondere Art des Road Movie dargestellt: Die Fahrt auf dem Fluss als Suche nach der eigenen Identität, die von Versatzstücken der counter culture der 1960er Jahre durchsetzt ist, von Rockmusik, von Jimi Hendrix und dem Ausloten von Räumen, die außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft verortet sind.
Was APOCALYPSE NOW (1979) mit DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN (1978) zunächst verbindet, ist die Dekontextualisierung des Schauplatzes Vietnam aus jeglichem historischen und politischen Zusammenhang. In keinem anderen Vietnam-Film ist das Drehbuch so deutlich aus seiner "realen" Verankerung gelöst und so offensichtlich als Ort in der Geographie der Fantasie gekennzeichnet. Was APOCALYPCE NOW (1979) von DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN (1978) unterscheidet, ist neben der größeren ideologischen Uneindeutigkeit vor allem aber seine außergewöhnliche formale Struktur auf der Ebene der visuellen Inszenierung. APOCALYPSE NOW (1979) transformiert einen realen historischen Konflikt in eine abstrakte und philosophische filmische Exploration von Gut und Böse, Licht und Dunkelheit. APOCALYPSE NOW (1979) ist sowohl als Kriegs- als auch als Antikriegsfilm kategorisierbar. Der Film scheint geprägt von einer tiefen Ambivalenz, eine Ambivalenz, die von der Filmkritik auf unterschiedlichen Ebenen verankert wird.
So wird Francis Ford Coppolas Drehbucharbeit für PATTON – REBELL IN UNIFORM (1970) unter der Regie von Franklin J. Schaffner angeführt, ein Kriegsfilm, der eine typische Marktstrategie Hollywoods im Umgang mit umstrittenen Themen verfolgt: Die Filmemacher bemühen sich darum, keine potentielle Zielgruppe zu verprellen, indem der General des Films sowohl als Kriegsbesessener Megalomane, als auch als Kriegsheld dargestellt wird. Die Zusammenarbeit Francis Ford Coppolas mit John Milius wird häufig als Ursache für die Ambivalenz des Films angeführt. Der Verweis auf die Absurdität und den Wahnsinn der amerikanischen Vietnampolitik und die Charakterisierung hochrangiger Militärbefehlshaber wird dabei als Beleg für die Antikriegshaltung des Films herangezogen.
Andere Aspekte wie der Titel, der eine Umkehrung des Antikrieg-Slogans "Peace Now" darstellt, die Tatsache, dass die US Soldaten alle Gefechte meistern, werden mit dem Einfluss von John Milius assoziiert. Es sind jedoch vor allem die formalen Operationen, die eine Einschätzung des Films als Pro-Kriegsfilm für viele Kritiker nahe legen. Vor allem die visuelle Inszenierung der Zerstörung eines Dorfes, die majestätischen Bewegungen der Helikopter, die Farbgebung, der Schnittrhythmus, der den emotionalen Zustand der angreifenden Soldaten reflektiert, insbesondere aber auch die Musik, Richard Wagners "Walkürenritt" sind auf emotionale Einbindung der Zuschauer hin ausgerichtet und scheinen auf eine Glorifizierung des Krieges und seiner gottgleichen Helden hinzuarbeiten. Zudem teilt der Zuschauer durch subjektive Kameraeinstellungen den Blick aus dem Helikopter, der die Dorfbewohner als Zielobjekte gesichtslos und winzig erscheinen lässt, während die Kamera den Todeskampf eines amerikanischen Soldaten in einer Naheinstellung isoliert. Der Zuschauer wird so zum Komplizen der amerikanischen Attacke und ihrer vermeintlichen Überlegenheit.
Die Ästhetisierung von Gewalt trägt ebenfalls zur Favorisierung einer Kriegsbejahenden Lesart des Films bei. Der Einsatz der Breitleinwand, die unzähligen Totalen, die die Helikopter in Angriffsformation vor der aufgehenden Sonne aus der Untersicht zeigen, kreiert eine grandiose, romantisierende Aura des Krieges, wobei der Akt der Zerstörung als atemberaubendes ästhetisch überhöhtes Ritual inszeniert wird. Über Parallelen der Mimik und Gestik, der Körperhaltung, der Beleuchtung, der Maskierung (schwarze Bemalung) werden die Gegner zunehmend als Doppelgänger kenntlich gemacht. Letztendlich inszeniert der Film das ödipale Drama, bei dem der Sohn durch das Töten des Vaters dessen Stelle einnimmt. Die rebellische Geste in der Übernahme der Macht ist eine Fortführung der Macht mit denselben Mitteln.
Auf die unterschiedlichen End-Versionen des Films wird oft hingewiesen, vor allem bei dem Versuch, den liberalen Francis Ford Coppola gegen den reaktionären John Milius zu verteidigen. Ob Willard (Martin Sheen) jedoch nach der Ermordung von Kurtz (Marlon Brando) vor der sich verneigenden Menge innehält und es so offen bleibt, ob er Kurtzs Stelle einnimmt (Francis Ford Coppolas favorisiertes Ende) oder Willard aufs Boot zurückgeht, scheint wenig Unterschied zu machen, denn die letzten Einstellungen zeigen die Einlösung von Kurtzs letztem Befehl: Drop the Bomb. Exterminate them all - ein Befehl, den auch Willard übernommen haben kann. Das Trauma Vietnam wird in APOCALYPSE NOW (1979) revidiert mit der Erklärung, dass der amerikanische Auftrag gerechtfertigt war, allein die Ausführenden erwiesen sich als inkompetent, nicht rücksichtslos und konsequent genug. Dieser Mangel an Autorität ist von manchen Kritikern als Hinweis für die kritische Position des Films gegenüber den Machthabern in Washington gelesen worden.
Weitere Punkte, die für eine Lesart des Films als Antikriegsfilm ins Feld geführt werden, sind die ersten Einstellungen, die die Zerstörung des Dschungels durch Napalm zeigen, die Einstellungen von Willard, die ihn kopfunter zeigen und so eine gestörte Persönlichkeit und damit auch eine fehlgeleitete Mission suggerieren. Der Film beginnt mit einem Bombenabwurf, der von dem Lied The End von The Doors begleitet wird. Der Anfang ist schon das Ende. Am Schluss des Films werden die Napalm-Bilder des Beginns wieder aufgegriffen. Im Abspann erscheinen die Kredits wie zu Beginn eines Films, Francis Ford Coppola Präsents.
Francis Ford Coppola hebt die Frage der Sinngebung, der Wertung in Fragen des Stils auf. Die Verweigerung einer linearen Handlungsstruktur, die die Basis für Sinnkonstruktionen im traditionellen Film ist, geht Hand in Hand mit einer Substitution von Sinn durch Atmosphäre und Stimmung. Es ist dieses Primat des Stils, das den Film bestimmt. Vietnam wirkt hier wie die Bühne einer spektakulären Operninszenierung. Die Exposition in Saigon, der wagnerische Wahn, die Fahrt auf dem Boot, die Do-Lung-Brücke, Kurtzes Lager, jeder Akt beginnt mit einer grandiosen Theaterkulisse, die immer artifizieller wird, immer mehr zum Schau-Platz, zum Fantasieprodukt.
So werden auch die Berichte über den Produktionsprozess des Films zu Versionen der Geschichte, die der Film erzählt. Die ursprüngliche Konzeption von APOCALYPSE NOW (1979) als 16mm Film von 1.5 Mill. $, die Explosion des Projekts in ein dreijähriges Abenteuer, das 31 Mill. $ verschlingt, der teuerste Film bis 1979, für den Francis Ford Coppola sein gesamtes Hab und Gut, die Gewinne von DER PATE eingerechnet, opfert. Der Verschleiß von Material, Schauspielern, die Schwierigkeit Francis Ford Coppolas, dem Film ein Ende zu geben - all dies weist, wie zahlreiche Kritiker konstatieren, starke Parallelen zum Vietnamkrieg selbst auf. Der Produktionsprozess wird selbst zum Mythos.