Die Filme Hollywoods scheinen dem ersten Blick nach leicht zugänglich, sie offerieren dem Betrachter die durchschaubaren Strukturen eines Kinos, das nach eigenem Bekunden seinen Zuschauern "nur" Entertainment bieten will. Gleichzeitig sind Hollywood-Filme jedoch verschwiegen. Unter dem Postulat der Unterhaltung verstecken sie tendenziell ihren kulturellen und ideologischen Kontext, ebenso wie sie ihren zeitgeschichtlichen Hintergrund weitgehend ausblenden und ästhetische Alternativen vermeiden.
Hollywood ist ein komplexes Phänomen, das auf eigentümliche und höchst erfolgreiche Weise Kommerz und Kunst miteinander verbindet. Die Produkte der Traumfabrik offenbaren die Gradwanderung des populären, industriell geprägten Massenmediums zwischen Wirtschaftsprodukt und Kulturerzeugnis. Gerade der Blick in die Geschichte des Hollywoodkinos zeigt, dass diese scheinbaren Gegensätze keineswegs unüberwindbar sind: Immer wieder sehen einige Filmschaffende die Aufhebung dieser Trennung als Herausforderung an, indem sie den Befindlichkeiten der US-amerikanischen Gesellschaft nachgehen oder sich mit den kinematographischen Traditionen auseinander setzen. Und so gibt es in der Geschichte Hollywoods immer wieder Perioden, in denen Entertainment und Filmkunst eine fruchtbare Synthese eingehen, in denen Innovationsschübe den Fortbestand der Studios sichern – allen voran die Erkundungen der klassischen Genres in den "goldenen" 1930er und 1940er Jahren oder der film noir während und nach dem Zweiten Weltkrieg.
Eine Tradition der Veränderung durchzieht das Hollywoodkino: Phasen, in denen filmkünstlerische Erstarrungen vorherrschen, wechseln sich mit historischen Prozessen der Erneuerung ab. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Krisen werden Verkrustungen aufgebrochen, indem alternative Ansätze dem Kino wichtige Impulse für die Zukunft geben. Wie der Verlauf von Zeitgeschichte entwickelt sich auch das Hollywoodkino evolutionär und schreitet gleichzeitig in Zyklen voran – ein Wechsel von Altem, Neuem und Wiederkehrendem, das einem vorherrschenden Ziel dienen soll: dem Überleben auf dem Markt der medienkulturellen Produkte.