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DAS PRINZIP JOKER UND ANDERE FILM-BÖSEWICHTER

DAS PRINZIP JOKER UND ANDERE FILM-BÖSEWICHTER Thema
Autor Ines Walk, 21.03.2009

Der Bösewicht des Jahres 2008

Böse sein ohne Sinn, einfach so

Ich bin das Chaos

Wenn nicht Rache und Reichtum die Triebkräfte sind, dann bleibt immer noch die Macht, die vom Bösen gewollt werden will. Hier ist die Figur des Joker und sein perfides Spiel eher anzusiedeln. Aber auch Macht wird in THE DARK KNIGHT (2008) (THE DARK KNIGHT (2008) Trailer) etwas anders definiert. Es steht hier nicht jene Macht zur Debatte, die die Regeln in einer Gemeinschaft definiert und deshalb so attraktiv für das Böse ist. Ein Mafiosi erkennt, das Batman einige Regeln befolgt, sich seinem Moralkodex unterordnet und sich somit im Gefüge der Gemeinschaft bewegt, auch wenn er außerhalb der bürgerlichen Rechtsordnung agiert. Joker aber kennt keine Regeln, er steht außerhalb des Systems und will - das ist das Interessante - auch gar nicht hinein. Wieder ist es ein Dialog zwischen Batman und seinem Butler, der das Prinzip Joker auf den Punkt bringt.

Bruce Wayne: Verbrecher sind nicht kompliziert. Wir müssen nur herausfinden, was er eigentlich will.
Pennyworth: Mit Verlaub Master Wayne: Vielleicht durchschauen sie diesen Mann auch nicht ganz. ... Es gibt Menschen, die sind an logischen Dingen nicht interessiert, zum Beispiel Geld. Man kann sie nicht kaufen, einschüchtern, sie zur Vernunft bringen oder mit ihnen verhandeln. Einige Menschen wollen die Welt einfach nur brennen sehen.

Joker stellt somit dem etablierten System sein System gegenüber: Ich bin das Chaos. Seine Macht ist die absolute Zerstörung. Sein Böses kennt keine rationale Grundlage, es ist komplett irrational. Terror wie ihn der Joker produziert, lebt von der Abschreckung und der Ungewissheit, wer, wann, wo getroffen wird. Damit ist sein Prinzip überaus aktuell. Er symbolisiert den perfekten Terroristen, der ohne jegliche Grundlage - sie ist weder politisch, ökonomisch, religiös oder anderweitig motiviert - die Welt terrorisiert. Jede Zeit schafft sich ihre archetypischen Bösewichter und für jene nach den 9/11 ist es der Joker, der auf der Leinwand wie kein anderer das westliche System zur Erschütterung bringt.

Wenn es einen Antrieb für Joker geben könnte, dann ist es der Spaß, den er an der Zerstörung hat. Weil es ihn amüsiert, tötet er Menschen, sprengt er Krankenhäuser in die Luft ... und er gibt vor, die menschliche Moral zu erforschen. Dafür schafft er Konflikt-Situationen, die zur Entscheidung zwingen. Gleich in mehreren Versuchsanordnungen stellt er Menschen, Polizisten, die Bürger der Stadt auf die Probe, zwingt jeden Einzelnen zur Stellungsnahme und zeigt ihnen ihre moralischen Grenzen auf. Gangster sollen sich für seine expandierende Organisation entscheiden (Casting-Szene) und haben letztlich keine Wahl. Bürger sollen Batman ausliefern oder an jedem Tag, an dem sie es nicht tun, werden Leute sterben. Auch hier sind schnell viele bereit, ihren vormals bewunderten Beschützer auszuliefern. Und wenn sie es dann irgendwann täten, wäre der nächste verrückte Spielzug dran. Joker ist somit die absolute Antithese zu Batman, sein absurder Gegenpart.

Bruce Wayne: Menschen sterben, Alfred. Was sollte ich Deiner Meinung nach machen?
Pennyworth: Es ertragen, Master Wayne! Es aushalten! Alle werden sie dafür hassen, aber das ist Batmans Vorteil: Er kann der Ausgestoßene sein, er hat die Wahl, die außer ihm sonst niemand hat. Die richtige Wahl!
Bruce Wayne: Und seit heute weiß ich, was Batman nicht kann: Es ertragen!

Batman wird also zur Entscheidung gezwungen: Er will seine Maske ablegen, damit wegen ihm niemand mehr sterben muss. Denn er hat gesehen, zu was er werden würde, wenn er Joker aufhalten will. Er würde sich mit dem Bösen gleichmachen. Durch Joker hat Batman seine Grenze gefunden. Er will die Gegenüberstellung von Gut und Böse nicht derart aufweichen lassen, so dass er durch seine Handlungen mehr und mehr auf die Seite des Bösen rutscht. Er will den Dualismus als Status Quo erhalten, weiterhin als guter Part dem Bösen gegenüberstehen oder aber aufgeben. Dabei hat er selbst fast schon die Grenze überschritten. Mit der totalen Videoüberwachung aller Bürger der Stadt hat er sich weit von seinem guten Weg entfernt. Dass er sich noch mal besinnen kann, ist auch seinem Freund Lucius Fox (Morgan Freeman) zu verdanken, der ihn in seine Schranken weist.

Das moralische Dilemma

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