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Walter Riml

Walter Riml
Kamera

* 23. September 1905
Innsbruck
Österreich
† 21. Juni 1994
Steinach
Österreich

WALTER RIML • Biographie Seite 1/1

An über 80 Filmen ist Walter Riml als Schauspieler oder Kameramann beteiligt, doch sein Name und Wirken ist heute nur noch wenigen Filmenthusiasten bekannt. Er beginnt in den 20er Jahren bei dem Filmpionier Arnold Fanck als schauspielender Skiläufer. Der Film begeistert ihn derart, daß er sich mit dem Kamerahandwerk beschäftigt und bald zu einem professionellen Kameramann wird.

Walter Riml wird am 23. September 1905 in Innsbruck/Tirol geboren. Schon seit seiner Kindheit steht er auf Skiern. Nach seiner obligatorischen Schulausbildung besucht er eine Kunstgewerbeschule. Danach arbeitet er zunächst als Innenarchitekt und Zimmerer. Aufgrund der damaligen desolaten wirtschaftlichen Situation verdingt er sich auch als Waldarbeiter. Schon seit seiner Kindheit steht er auf Skiern und ist auch ein aktiver und erfolgreicher Leichtathlet.

Gegen Ende der 20er Jahre kommt er mit dem Film in Kontakt. Walter Riml, 2,05 groß, stellt sich dem Regisseur Arnold Fanck vor, der am Arlberg den komödiantischen Skifilm DER GROßE SPRUNG (1927) dreht. Der Bergfilmer engagiert ihn als Mitwirkenden für den Film. Er überzeugt als Schauspieler und Skifahrer und wird für weitere Filme verpflichtet. Als baumlanger Hamburger Zimmermann agiert er in dem Film DER WEIßE RAUSCH (1931) an der Seite von Guzzi Lantschner, wo er sich in St. Anton am Arlberg mit Hilfe eines Lehrbuches sich erst noch das Skilaufen aneignen muß. Sein komödiantisches Potential entdecken auch andere Regisseure. So engagiert ihn Max Obal für den Wintersportfilm ABENTEUER IM ENGADIN (1932), in dem beide Schauspieler die Rollen der Hamburger Zimmerleute fortsetzen. Ebenso agieren sie als Tietje und Fietje in NORDPOL AHOI (1934) unter der Regie von Andrew Marton, in dem eine Grönland-Expedition parodiert wird.

Mehr und mehr beginnt sich Walter Riml für das Kamerahandwerk zu interessieren. An der Seite der experimentierfreudigen Kameramänner Richard Angst und Hans Schneeberger erlernt er seit 1929 die Funktionen der Kamera und gehört bald zur geachteten Riege von Kameraleuten der legendären Freiburger Schule um Dr. Arnold Fanck, die durch experimentelle Techniken besonders in Ski- und Bergfilmen berühmt werden. Sie probieren immer wieder neue Kameras, Winkel und Objektive, finden zahlreiche neue Herausforderungen, um die Kamera vom Stativ zu lösen und sie beweglich zu machen. Die Freiburger Schule - dazu gehören unter anderem die Kameramänner Sepp Allgeier, Richard Angst, Hans Schneeberger - setzt solch Bergfilmklassiker wie DIE WEIßE HÖLLE VOM PIZ PALÜ (1929) oder SOS EISBERG (1933) in Szene.

Während seiner Arbeit beim Bergfilm lernt Walter Riml die Schauspielerin Leni Riefenstahl kennen. Bei deren ersten eigenen Spielfilm DAS BLAUE LICHT (1932), bei dem sie als Regisseurin, Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin fungiert, arbeitet Walter Riml an der 2. Kamera. Nochmals engagiert ihn die Künstlerin 1934 als Kameramann für die Arbeit an dem Propagandafilm TRIUMPH DES WILLENS (1935). Er wirkt dort unter der Leitung von Sepp Allgeier mit, ist einer von 170 Personen, die vom 4. bis 10. September 1934 in Nürnberg den 6. Reichsparteitag der NSADP in Szene setzen.

Die Zusammenarbeit mit Arnold Fanck bleibt auch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten bestehen. Mitte der 30er Jahre macht sich Walter Riml mit seinem Mentor auf die Reise nach Japan und ist dort an dem Film DIE TOCHTER DES SAMURAI (1937) und einigen Dokumentationen, unter anderem JAPANS HEILIGER VULKAN (1941), beteiligt. Nach der Rückkehr gehört er weiterhin zum Mitarbeiterstab von Arnold Fanck, als dieser für die Berliner Generalbauinspektion einen Film über die Neugestaltung der Reichshauptstadt Berlin dreht. Beteiligt ist er ebenfalls als Kameramann bei den Dokumentationen des Regisseurs über die nationalsozialistischen Künstler Josef Thorak und Arno Breker.

Luis Trenker, Bergfilmspezialist, Regisseur und Schauspieler, engagiert Walter Riml für seinen Filmklassiker DER BERG RUFT (1937), der die abenteuerliche und aufopferungsvolle Erstbesteigung des Matterhorns (1865) im Wettstreit zwischen einer italienischen und einer englischen Expedition schildert. Nochmals holt sich der Regisseur den Kameramann für die amüsante Komödie LIEBESBRIEFE AUS DEM ENGADIN (1938). Hier brilliert er mit seiner Kamera, in dem er parallel Zug- und Skiaufnahmen zeigt. Die Kamera ist losgelöst von aller Starre, wirkt wie entfesselt. Walter Riml faßt gekonnt die rasende Kamerafahrt in seinen Bildern ein. Eine für damalige Zeiten revolutionäre technische und filmische Meisterleistung.

Während des Zweiten Weltkrieges wird Walter Riml als Kriegsberichterstatter eingezogen und arbeitet als Kameramann. Er ist an Filmen über U-Boote im Atlantik, über den Westwall und die U-Bootbunker in St. Nazaire beteiligt. Er dokumentiert Bombenschäden in Berlin. Erst gegen Kriegsende arbeitet der Kameramann wieder an einigen zivilen Dokumentarfilmen von Arnold Fanck mit. Nach Kriegsende arbeitet er als Sonderberichter für die US Armee.

Seine Arbeit beim Spielfilm beginnt für Walter Riml erst wieder ab 1947. Bis 1962 ist er für die Kameraführung in vielen bekannten Berg- und Heimatfilmen verantwortlich. In DER SCHWEIGENDE ENGEL (1954) und ROSEN-RESLI (1954) fotografiert er den Kinderstar Christine Kaufmann. In der sympathischen und feinsinnig kommentierten Erich Kästner-Verfilmung DAS DOPPELTE LOTTCHEN (1950) von Joseph von Baku rückt er die Zwillinge Isa Günther und Jutta Günther ins rechte Licht. Auch bei dem Harald Reinl-Film SO LANGE DU LEBST (1955) mit Marianne Koch und Adrian Hoven, welcher dramatische Schicksale aus dem spanischen Bürgerkrieg schildert, hat Walter Riml die Kameraführung. In der Folge arbeitet er mit dem Regisseur noch oftmals zusammen.

Ende der 50er Jahre und Anfang der 60er Jahre erleidet die Filmproduktion in Westdeutschland einen Einbruch. Als Konsequenz für Walter Riml ergeben sich nur noch wenige Aufträge. 1962 verpflichtet ihn der amerikanische Regisseur John Sturges als zweiten Kameramann für den Film GESPRENGTE KETTEN (1963), den dem solche internationalen Stars wie Steve McQueen, Richard Attenborough und Charles Bronson mitwirken. Mitte der 60er Jahre arbeitet der Kameramann bei Professor Heinz Habers erfolgreicher TV-Serie "Unsere Nachbarn im All" und der österreichischen TV-Serie "Mario" mit. Für den James Bond-Film IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT (1969) unter der Regie von Peter Hunt wird Walter Riml als Spezialist für Berg- und Schneeaufnahmen verpflichtet. Seine letzte Arbeit ist 1970 für das amerikanische Fernsehen die Dokumentation zu James Clavells Film THE LAST VALLEY mit den Schauspielern Omar Sharif und Michael Caine in den Hauptrollen.

Danach erhält Walter Riml keine Filmaufträge mehr und muß sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten. Noch im hohen Alter arbeitet er als Hotelangestellter, um seine Pension zu sichern und versucht sich, mit seinen künstlerischen und kunsthandwerklichen Fähigkeiten ein Zubrot zu verdienen. Seine Hinterglasmalerei und Ikonenbilder werden hoch geschätzt. Daneben schnitzt er Bilderrahmen und Lüster, Kinderspielzeug, Stühle und kleine Touristenandenken.

Walter Riml stirbt, fast 90-jährig, am 21. Juni 1994 in Steinach, am Brenner/Tirol. Er hinterläßt seine Frau und einen Sohn.

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Copyright bei Helma Türk / Ines Walk, April 2005
Dank an die Hinweise für die Zusammenstellung der Filmographie an Dr. Christian Riml und dessen Archiv. Das Foto stellte ebenfalls Dr. Christian Riml zur Verfügung. Hergestellt wurde es von Standfotograph Ernst Baumann.

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