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Wolfgang Liebeneiner

Wolfgang Liebeneiner
Regie, Drehbuch, Darsteller

* 06. Oktober 1905
Lubawka (früher Liebau)
Polen (früher Deutschland)
† 28. November 1987
Wien
Österreich

WOLFGANG LIEBENEINER • Biographie Seite 1/1

Der Regisseur und Schauspieler Wolfgang Liebeneiner hat deutsche Filmgeschichte mitgeschrieben. Er beginnt seine Karriere Anfang der 30er Jahre als Schauspieler und steigt im nationalsozialistischen Deutschland zum wichtigen Regisseur und Funktionär auf, der zahlreiche Unterhaltungsfilme mit ideologischem Gehalt und einige explizite Propagandafilme dreht. Der Künstler ist zwar nicht Mitglied der NSDAP, aber funktioniert im nationalsozialistischen Deutschland überaus gut. Bereits im Herbst 1945 erhält er eine Arbeitserlaubnis und wird zu einem der wichtigsten Regisseure der Adenauer-Zeit, der mit publikumswirksamer Kinounterhaltung zu überzeugen weiß.

Wolfgang Liebeneiner wird am 06. Oktober 1905 als Wolfgang Georg Louis Liebeneiner in Liebau, Niederschlesien (heute Lubawka in Polen) geboren. Sein Vater ist Offizier und besitzt eine Leinenfabrik. Er wächst in großbürgerlichen Verhältnissen auf. Nach dem Besuch der Grundschule wird er in den Kadettenanstalten Wahlstatt sowie in Berlin-Lichterfelde ausgebildet. 1923 beendet er die Schule mit dem Abitur, welches er in Berlin-Zehlendorf ablegt.

1924 beginnt Wolfgang Liebeneiner ein Studium der Philosophie, Germanistik und Geschichte. Er belegt Seminare in Berlin und Innsbruck, nach acht Semestern auch in München. Hier wird er zudem Mitglied der "Akademischen Spielschar", einer Gruppe von schauspielernden Studenten. Bald wird er Leiter des Ensembles. Otto Falkenberg, Schauspieler und Direktor der Münchener Kammerspiele, entdeckt ihn und engagiert den jungen Mimen. Wolfgang Liebeneiner debütiert auf der großen Bühne in "Frühlingserwachen" von Frank Wedekind. Durch den Erfolg inspiriert, bricht er sein Studium ab. Während seiner Schauspielarbeit interessiert sich der Künstler mehr und mehr für die Regie. Seit 1929 arbeitet er als Assistent in diesem Bereich, 1931 inszeniert er sein erstes Stück. "Gestern und heute" von Christa Winsloe wird ein Erfolg, der noch im gleichen Jahr unter der Regie von Leontine Sagan mit dem Titel MÄDCHEN IN UNIFORM (1931) verfilmt wird.

1930 spielt er erstmals in Berlin. Im Hauptmann-Jahr, welches 1932 festlich begangen wird, spielt er den "Michael Kramer" in den Kammerspielen des Deutschen Theaters. Die Kritik würdigt sein Spiel euphorisch. Bis 1934 gehört er zum Ensemble des Deutschen Theaters, bis die Filmangebote überhand nehmen und er sich für die Arbeit vor und später hinter der Kamera entscheidet. Seine erste Filmrolle erhält er von Regisseur Heinz Paul für die Komödie DIE ANDERE SEITE (1931). Der Regisseur Max Ophüls gibt Wolfgang Liebeneiner seine erste wichtige Filmrolle. Er beeindruckt in der Arthur Schnitzler-Verfilmung LIEBELEI (1933) als Leutnant Fritz Lobheimer. Schon seit längerer Zeit hat er eine Affäre mit einer Baronin (gespielt von Olga Tschechowa), die er auch nicht beenden kann, als er die junge Christine (gespielt von Magda Schneider) trifft und sich zur ihr hingezogen fühlt. Als der Baron das Verhältnis entdeckt, setzt er auf den überkommenen Ehrenkodex. Lobheimer wird im Duell erschossen, Christine begeht danach Selbstmord. Danach gilt der junge Schauspieler als vielversprechendes Talent im deutschen Film, in zahlreichen Filmen wird er als junger Liebhaber besetzt.

Von 1936 bis 1944 ist Wolfgang Liebeneiner am Staatstheater unter dem Intendanten Gustaf Gründgens engagiert. Hier arbeitet er als Schauspieler und Regisseur. Zudem ist er auch beim Film als Regisseur beschäftigt. Sein erstes eigenes Werk wird die moderne Ehekomödie VERSPRICH MIR NICHTS! (1937). Im gleichen Jahr erscheinen unter seiner Regie DER MUSTERGATTE (1937) mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle und YVETTE (1937), die Verfilmung einer Maupassant-Erzählung. Integriert in den nationalsozialistischen Filmbetrieb wird Wolfgang Liebeneiner 1937 in den Aufsichtsrat der Terra berufen, 1938 setzt ihn der Propagandaminister Joseph Goebbels als Leiter der künstlerischen Fakultät der Filmakademie Babelsberg ein. Diese Funktion hat der Regisseur bis 1944 inne. Die Funktionärs-Karriere von Wolfgang Liebeneiner ist damit nicht beendet. Seit 1939 ist er ehrenamtlicher Leiter der Fachschaft Film der Reichsfilmkammer, ab 1942 Mitglied des Präsidialrats der Reichstheaterkammer. In einer seiner wichtigsten Funktionen ist er ab 1943 Produktionschef der Ufa. Der Künstler ist zwar nicht Mitglied der NSDAP, aber funktioniert im nationalsozialistischen Deutschland sehr gut.

Wolfgang Liebeneiner inszeniert zahlreiche Filme leichter Unterhaltung, die immer schauspielerisch brillant in Szene gesetzt sind und in manchen Fällen der filmischen Sprache neue Seiten abtrotzen wie zum Beispiel die Komödie DER FLORENTINER HUT (1939). Aber er dreht auch propagandistische Werke. Hervorzuheben sind seine Film-Biographien BISMARK (1940) und DIE ENTLASSUNG (1942), die vom Propagandaministerium in Auftrag gegeben worden sind, und unterhaltsam, massenkompatibel sowie mit einer ganz subjektiven Geschichte nationalsozialistische Ideologie transportieren. 1941 realisiert Wolfgang Liebeneiner den dramaturgisch geschickt aufgebauten und sehr suggestiv inszenierten Agitationsfilm ICH KLAGE AN (1941), der in der Bevölkerung für das nationalsozialistische "Sterbehilfegesetz" werben soll. Er setzt sich eindeutig und didaktisch klug inszeniert für die Euthanasie ein. Der Film verfehlt damals seine beabsichtigte Wirkung nicht. Mehr als 15 Millionen Zuschauer sehen ihn in Deutschland, auch im Ausland läuft er erfolgreich. Einer seiner letzten Film für die Ufa wird DAS LEBEN GEHT WEITER (1945), der nicht vollendet wird. Der mit zahlreichen Stars besetzte Durchhalte-Film, dessen Dreharbeiten im Winter 1944 beginnen und der noch einmal den Traum vom Endsieg beleben soll, scheitert an fehlenden Produktionskapazitäten.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebt der Regisseur in Hamburg. Bereits 5 Monate nach Kriegsende erhält er eine Arbeitserlaubnis, wird 1947 endgültig von der Entnazifizierungs-Kommission freigesprochen. Er arbeitet unter anderem an den Hamburger Kammerspielen. Unter widrigen Umständen beginnt Wolfgang Liebeneiner seinen ersten Nachkriegsfilm LIEBE 47 (1947) nach dem Theaterstück "Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert zu inszenieren. Mit Karl John und Hilde Krahl ist der Film prominent besetzt. Die Schauspielerin wird auf dem Filmfest in Locarno als Beste Darstellerin ausgezeichnet.

In der Folge bemüht sich der Regisseur um die Verfilmung von realistischen Stoffen. Damit hat er aber - wie viele seiner anderen Kollegen im bundesrepublikanischen Film der 50er Jahre - keinen Erfolg. So wendet er sich der konventionellen Kinounterhaltung zu, die auf Massenpublikum ausgerichtet ist. Wolfgang Liebeneiner inszeniert einige der wichtigsten Unterhaltungsfilme der Adenauer-Ära, unter anderem AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS (1954) oder URLAUB AUF EHRENWORT (1955). Mit der Schauspielerin Ruth Leuwerik arbeitet er überaus eng zusammen und besetzt sie in den Kassenhits DIE TRAPP-FAMILIE (1956) und KÖNIGIN LUISE (1956).

Mitte der 50er Jahre arbeitet der Künstler in Wien, zunächst am Theater in der Josefstadt, später als freischaffender Regisseur. Er beginnt Operetten und Opern zu inszenieren, die erfolgreich in Wien, Zürich, Düsseldorf und Hamburg aufgeführt werden. Anfang der 60er Jahre entdeckt er auch das Fernsehen für sich. Es entstehen Filme wie "Charleys Tante" (1963) oder der Vierteiler "Die Schatzinsel" (1966). Wolfgang Liebeneiner dreht Familienunterhaltung, daneben adaptiert er auch Theaterstücke und Romane. Außerdem greift er auch auf seine früheren Stoffe zurück, verfilmt unter anderem den Film DER MUSTERGATTE (1937) in den 80er Jahren als TV-Film neu, diesmal mit Harald Juhnke in der Hauptrolle. In Alter von 78 Jahren zieht sich Wolfgang Liebeneiner 1983 aus der Öffentlichkeit zurück.

Mit der Schauspielerin Ruth Hellberg ist Wolfgang Liebeneiner seit 1933 verheiratet. 1944 ehelicht er die Schauspielerin Hilde Krahl. Ihre gemeinsame Tochter Johanna wird 1945 geboren. Als Johanna Liebeneiner wird sie später auch als Schauspielerin arbeiten. Wolfgang Liebeneiner stirbt am 28. November 1987 in Wien.

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