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Lotte Loebinger

Lotte Loebinger
Darsteller, Sprecher

* 10. Oktober 1905
Kattowitz
Deutschland (heute Polen)
† 09. Februar 1999
Berlin
Deutschland

LOTTE LOEBINGER • Biographie Seite 1/1

Lotte Loebinger ist eine der letzten Darstellerin des 'klassischen Politischen Theaters', so wie es Erwin Piscator und Bertolt Brecht verstanden haben. Mehr als 50 Jahre steht sie auf der Theater-Bühne. In dieser Zeit hat sie über 60 Rollen gespielt und ebenso viele Frauenfiguren vor der Kamera verkörpert. Sie spielt einfache Frauen, Bäuerinnen, Mütter.

Lotte Loebinger wird am 10. Oktober 1905 im oberschlesischen Kattowitz geboren. Ihr Vater ist Arzt. Ihre Eltern sterben früh, die ältere Schwester wird ihr Vormund. Nach ihrer Schulausbildung arbeitet sie als Kindergärtnerin, später als Verkäuferin. Früh kommt sie in Kontakt mit der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), wird mit 19 Jahren Mitglied. Sie arbeitet in Agitationsgruppen, spielt auch Theater.

Ihr erstes Bühnenengagment erhält sie 1925 in Breslau. Zwei Jahre später geht sie nach Berlin. Dort nimmt sie der Regisseur Erwin Piscator unter seine Fittiche. Neben Steffie Spira, Heinrich Greif, Albert Venohr und Werner Kepich arbeitet sie an der Volksbühne, an der Piscatorbühne am Nollendorfplatz und später im Piscator-Kollektiv. Es ist politisches Theater, in dem sie auftritt. Ernst Toller, Friedrich Wolf oder Carl Cred stehen auf dem Programm, inszeniert von Erwin Piscator oder John Heartfield. Mit dem Stück "§ 218 (Frauen in Not)" (1929), in dem sie eine Arbeitertochter Mieze Nolte und eine altere Abtreiberin spielt, geht sie in Deutschland und der Schweiz erfolgreich auf Tournee.

1931 erhält die Darstellerin ihre erste Filmrolle. Sie spielt in dem Klassiker von Fritz Lang M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER (1931). Sie spielt noch unter dem Regisseur und späteren Intendanten Gustaf Gründgens in EINE STADT STEHT KOPF (1933). Zu weiteren Filmrollen in Deutschland kommt es aber nicht. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 muß Lotte Loebinger aufgrund ihres offenen Bekenntnisses zur KPD Deutschland verlassen. Über Polen und Prag geht sie nach Moskau in die Emigration. Hier spielt sie in dem zwei Filmen, die von deutschen Emigranten produziert werden AUFSTAND DER FISCHER VON SANTA BARBARA (1934) und DER KÄMPFER (1936) mit. Ihren Lebensunterhalt sichert sie sich als Radiosprecherin, Lektorin und Deutschlehrerin.

Nach Ende des Krieges kehrt Lotte Loebinger nach Deutschland zurück. Sie entscheidet sich für die sowjetische Besatzungszone, später die DDR. Sie beginnt unter Hans Rodenberg und Wolfgang Langhoff wieder Theater zu spielen. Seit 1951 ist sie Ensemblemitglied des Maxim Gorki-Theaters in Berlin, dem sie bis zu ihrem Abschied von der Bühne treu bleibt. Neben Stücken russischer Autoren wie Gorki, Tschechow, Rosow und Bulgakow stehen auch Kleist, de Filippo und O'Casey auf dem Spielplan hielten. Ihr Name steht für eine der letzten Darstellerin des 'klassischen politischen Theaters', für eine Charakterdarstellerin, die mehr als 60 Theaterrollen ihren Stempel aufdrückt.

Bereits 1946 übernimmt Lotte Loebinger auch Filmrollen bei der noch jungen DEFA. Ihr erster Film wird IRGENDWO IN BERLIN (1946) unter der Regie von Gerhard Lamprecht. Schnell wird sie auf das weibliche Vorbild und die gutherzige Mutter festgelegt, spielt diese Rolle in Gegenwartsstoffen wie FRAUENSCHICKSALE (1952) oder dem erfolgreichen Märchenfilm DAS KALTE HERZ (1950). Seit das Ende der 50er Jahre ist die Schauspielerin auch im DDR-Fernsehen in zahlreichen TV-Spielen zu sehen. Auch hier wird sie bevorzugt in Mutter, später Großmutter-Rollen besetzt.

In erster Ehe ist Lotte Loebinger seit 1927 mit Herbert Wehner, dem späteren SPD-Politiker, verheiratet. Ihre Ehe scheitert bereits in den 30er Jahren.
Lotte Loebinger stirbt am 09. Februar 1999 in Berlin.

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