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John Huston

John Huston
Regie, Drehbuch, Darsteller, Produzent

* 05. August 1906
Nevada (Missouri)
USA
† 28. August 1987
Newport (Rhode Island)
USA

JOHN HUSTON • Biographie Seite 1/1

So vielfältig die Interessen des Regisseurs und Schauspielers John Huston sind, so unterschiedlich fallen auch die Filme aus, denen er sich im Verlauf seiner wechselhaften Karriere widmet. Er sagt von sich selbst, dass es ihm nicht möglich sei, irgendeine Linie in seiner Arbeit festzustellen. Dabei ist er bekannt für seinen schnörkellosen Stil, bewerkstelligt die filmische Umsetzung verschiedener Ideen mit professioneller Sorgfalt und bringt bemerkenswerte amerikanische Klassiker hervor. In seinen Filmen erfahren die Helden bei der Durchführung eines Plans oft Niederlagen, jedoch resignieren sie nicht. Zur Selbstverwirklichung erscheint hier Handlungsfreiheit wichtiger als Erfolg. Seine über 40 Abenteuer- und Gangsterfilme, Kostümfilme und Western, Komödien und Psychodramen entstehen für die großen Hollywood-Studios, wobei er immer wieder Rollen mit Stars besetzt.

John Huston wird am 05. August 1906 als John Marcellus Huston in Nevada geboren. Seine Mutter, Rhea Gore, ist Journalistin, sein Vater, Walter Huston, erst Maschinenbauingenieur und später, als er sich 1910 von der Familie trennt, Schauspieler im Vaudeville und in Hollywood. John Huston lebt gerne auf großem Fuß, ein Wesenszug, den er von der Mutter übernimmt. Seinen ersten Beruf als Boxer Anfang der 1920er Jahre lässt er hinter sich und strebt - vom Vater inspiriert - eine Laufbahn als Schauspieler an, und tritt 1924 erstmals professionell auf der Bühne auf. Er arbeitet auch als Dressurreiter und Reporter. Nach seiner Tätigkeit als Kavallerieoffizier in Mexiko, beginnt er - zurück in den USA - zu schreiben. 1932 geht er bei Universal als Autor unter Vertrag. Bald versucht er sich in London und Paris ohne großen Erfolg als Maler.

In Hollywood arbeitet er für Warner Bros. an Drehbüchern unter anderem für seine späteren Regie-Kollegen William Wyler, Raoul Walsh und Howard Hawks. John Huston ist ein liberaler Filmemacher, kein Anhänger des Kommunismus, aber die antikommunistischen Untersuchungen des HUAC (House Of Un-American Activities Committee) und die daraus folgenden Berufsausschlüsse in der McCarthy-Ära Ende der 1940er Jahre missfallen ihm. Infolge dessen siedelt er 1952 nach Irland um und nimmt später auch die irische Staatsbürgerschaft an. 1975 zieht er nach Jalisco in Mexiko.

1941 vertraut ihm der Studio-Chef Jack Warner erstmals die Regie eines Films an. John Huston gelingt mit der Dashiell Hammett-Adaptation DIE SPUR DES FALKEN (1941) ein Kassen- wie Kritikererfolg. Er macht Humphrey Bogart in der Rolle des Sam Spades zum Star. Es dreht sich in dem Film um die Jagd nach einer historischen Falken-Statuette, die sich als sinnlos erweist, weil sich der Falke bei seinem Auftauchen als wertlos herausstellt. Mit der kalten Atmosphäre des Films lanciert John Huston einen Stil, der retrospektiv mit dem Begriff film noir in die Filmgeschichte eingeht. Wegweisend für folgende Detektivfilme sind die zwiespältige Figur des "private eye", das allseitige Misstrauen, der undurchsichtige plot sowie die Darstellung unmoralischen Handelns von Menschen. Diesem Genre, das sich durch Zynismus und Pessimismus auszeichnet, gehört auch der Film ASPHALT-DSCHUNGEL (1950) an, in dem es um einen Juwelendiebstahl in der nächtlichen Großstadt geht und in dem die Kriminalität alle sozialen Schichten durchzieht.

Mit DIE SCHLACHT VON SAN PIETRO (1944/45) und ES WERDE LICHT (1946) dreht John Huston zwei Dokumentarfilme über den Zweiten Weltkrieg. Letzterer zeigt die durch den Krieg verursachten psychischen Folgeschäden bei Soldaten und wird zensiert.

Für die Abenteuerfilme DER SCHATZ DER SIERRA MADRE (1947) nach dem Roman von B. Traven und AFRICAN QUEEN (1951) - sein erster Farbfilm - werden John Huston je zwei Oscars für Beste Regie und Bestes Drehbuch (hier gemeinsam mit James Agee) verliehen; ferner erhält sein Vater einen als Bester Nebendarsteller im ersteren, und Humphrey Bogart einen - seinen einzigen Oscar - als Bester Hauptdarsteller im letzteren. Sowohl den Western als auch die Komödie dreht John Huston weitestgehend an Originalschauplätzen. DER SCHATZ DER SIERRA MADRE (1947) spielt in Mexiko 1920. Drei amerikanische Goldsucher werden in den Bergen fündig. Der Zuwachs an Reichtum schürt aber auch gegenseitiges Misstrauen. Am Ende stirbt einer von ihnen und das Gold weht hinweg. Während hier aus Freundschaft Hass wird, entwickelt sich die feindselige Zweckgemeinschaft in AFRICAN QUEEN (1951) zu Liebe. Der Film spielt in Deutsch Ostafrika zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Als das Dorf, in dem die Schwester eines englischen Missionars Rose (Katharine Hepburn) ansässig ist, durch die Deutschen zerstört wird, beginnt für sie eine rasante, lebensgefährliche Reise mit dem Vagabund Charlie Allnut (Humphrey Bogart) auf dessen Flussdampfer "African Queen".

Bei John Huston kämpfen die Protagonisten alle auf ihre Art mit der Umwelt oder dem Schicksal; seien es die Goldgräber in DER SCHATZ DER SIERRA MADRE (1947), die Räuber in ASPHALT-DSCHUNGEL (1950), Kapitän Allnut in AFRICAN QUEEN (1951), Toulouse-Lautrec in MOULIN-ROUGE (1953) (in diesem Lebensbild des Malers prägen Farbexperimente die Atmosphäre des Films) oder Captain Ahab in MOBY DICK (1956).

In den 1950er und 1960er Jahren verlieren die Filme von John Huston beim Publikum wie in zeitgenössischen Fachkreisen an Ansehen. MOBY DICK (1956), DENEN MAN NICHT VERGIBT (1960), NICHT GESELLSCHAFTSFÄHIG (1960) nach einer Erzählung Arthur Millers und mit Marilyn Monroe in einer ihrer besten Rollen, FREUD (1961), DIE NACHT DES LEGUAN (1963) sind damals eher Misserfolge, heute aber überaus interessant.

Sein damaliger Ruf erholt sich langsam wieder mit dem Boxerfilm FAT CITY (1972), DER MANN, DER KÖNIG SEIN WOLLTE (1975), der für einen Oscar nominiert wird, und DIE WEISHEIT DES BLUTES (1979). Mit UNTER DEM VULKAN (1984) gelingt ihm, nach dem vergeblichen Versuch anderer Regisseure, die Verfilmung des Romans von Malcolm Lowry. Schließlich behauptet John Huston noch einmal seine Fähigkeiten als Regisseur mit der Mafia-Komödie DIE EHRE DER PRIZZIS (1985), eine Satire auf den Gangsterfilm, und THE DEAD (1987), einem Film nach der Erzählung von James Joyce.

Nach eigenen Angaben nimmt John Huston seine Schauspielerei nicht sehr ernst. Trotzdem ist er in vielen Filmen als Akteur, meist nur in Nebenrollen, mit großer Körperpräsenz zu sehen. Er spielt in eigenen, und Filmen anderer Regisseure. Schon in seinen Kriegsdokumentationen bringt er seine Stimme als Erzähler ein. Aber auch bei kurzen Selbstinszenierungen - im Gegensatz zu Alfred Hitchcocks ultrakurzen Auftritten - spricht er, beispielsweise als Yankee in DER SCHATZ DER SIERRA MADRE (1947), den Humphrey Bogart als Abenteurer mehrmals um Geld anschnorrt. In seinem Film DIE BIBEL (1966) übernimmt John Huston die etwas größere Rolle des Noah. In EINE REISE MIT DER LIEBE UND DEM TOD (1969), in dem er auch selbst mitspielt, holt er seine Tochter Anjelica Huston für ihren ersten Auftritt vor die Kamera.

In dem Film DER KARDINAL (1963) von Otto Preminger übernimmt John Huston die Rolle eines kirchlichen Würdenträges. Als Menschenaffe ist er in der SCHLACHT UM DEN PLANET DER AFFEN (1973) von J. Lee Thompson zu sehen. In CHINATOWN (1974) von Roman Polanski, der als film noir der 1970er Jahre gelesen werden kann, stellt John Huston einen inzestuösen Großgrundbesitzer dar. Er spielt in DER WIND UND DER LÖWE (1975) von John Milius, in MOMO (1986) von Johannes Schaaf, wie in unbekannten und weniger anspruchsvollen Filmen mit.

Der Künstler ist fünfmal verheiratet. Sein Sohn Tony Huston (geb. 1950) versucht sich als Drehbuchautor und Schauspieler. Seine Tochter Anjelica Huston (geb. 1951) wird ebenfalls als Schauspielerin arbeiten. Und auch Danny Huston (geb. 1962) tritt als erfolgreicher Akteur in die Fußstapfen seines Vaters. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte John Huston in Mexiko. 1980 publiziert er seine Autobiografie "An Open Book", welche unter dem Titel "...mehr als nur ein Leben" auch auf Deutsch erschienen ist.

John Huston stirbt am 28. August 1987 in Newport.

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Autorin: Rahel Gläser
Stand: April 2009

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