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Louise Brooks

Louise Brooks
Darsteller

* 14. November 1906
Cherryvale (Kansas)
USA
† 08. August 1985
Rochester (New York)
USA

LOUISE BROOKS • Biographie Seite 1/1

Der Weltruhm der amerikanischen Schauspielerin Louise Brooks gründet auf zwei Filme, die sie in Deutschland unter der Regie von Georg Wilhelm Pabst gedreht hat. Berühmt werden auch ihr Pagenkopf und ihr selbstbewusstes Auftreten; sie gilt als Inkarnation der Flapper-Girls. Ihre Interpretation von Weiblichkeit und Sexualität, die in den 20er Jahren als anrüchig erscheint, erweist sich heute als überaus modern. Vielen Filmkritikern gilt Louise Brooks als moderne Schauspielerin par excellence, weil sie zeitlos ist.

Louise Brooks wird am 14. November 1906 in Cherryvale, Kansas, als Mary Louise Brooks geboren. Ihr Vater ist der Rechtsanwalt Leonard P. Brooks, ihre Mutter ist Hausfrau. Zur Familie, die ihre musischen Talente fördert, gehören noch drei weitere Kinder. Früh erhält sie Tanzunterricht, tritt bereits mit 10 Jahren auf der Bühne des städtischen Theaters auf und nimmt mit 15 Jahren ein Engagement bei den "Denishawn Dancers", einer Revuetruppe in New York, an. Sie wird zum heimlichen Star der Tanzgruppe, tourt zwei Jahre durch Amerika. 1926 wird sie Mitglied bei "Scandals", einer Ballett-Truppe von George White. Zwischenzeitlich folgt sie einem Ruf nach London; hier tanzt sie im Café de Paris. Zurück an der amerikanischen Ostküste tritt sie am Broadway auf und erhält ihre erste Solorolle in "Louie the 14th" von Flo Ziegfeld. In der renommierten Tanzgruppe "Ziegfeld Follies" ist sie mehr als ein Jahr Mitglied.

Mitte der 20er Jahre kommt Louise Brooks mit dem Film in Kontakt. Sie debütiert vor der Kamera in THE STREET OF FORGOTTEN MEN (1925) unter der Regie von Herbert Brenon. Mit ihrem zweiten Film THE AMERICAN VENUS (1926) von Frank Tuttle fällt sie den Produzenten von Paramount auf, die ihr einen Fünfjahresvertrag anbieten. Sie unterschreibt und dreht in der Folge sechs Filme. In der Mehrzahl handelt es sich um Komödie, die in Amerika Erfolg haben. Rasch steigt sie zum Star auf. Als kesses Mädchen erobert sie die Welt, hat den Zeitgeist mit keckem Pagenschnitt, kurzen Rock, Zigarren und schnellen Autos sowie einem selbstbewussten und kaltschnäuzigen Auftreten - dafür wird der Ausdruck "Flapper" gefunden - mitgeprägt.

In dem Howard Hawks-Film IN JEDEM HAFEN EINE BRAUT (1928), wo sie die Hauptattraktion eines französischen Zirkus spielt, eine junge, körperlich unbeschwerte Frau spielt, die gleich zwei Männer in ihren Bann zieht, sieht sie der deutsche Regisseur Georg Wilhelm Pabst und macht ihr ein Angebot. Er sucht für seine Verfilmung DIE BÜCHSE DER PANDORA (1929) nach der Vorlage von Frank Wedekind eine weibliche Hauptdarstellerin. Auf dem Höhepunkt ihrer Hollywood-Karriere geht die Schauspielerin nach Berlin. Hier spielt sie die schöne Blumenverkäuferin Lulu, der zahlreiche Männer erliegen. Alle ihre Beziehungen enden tragisch. Stufe um Stufe sinkt ihr sozialer Status, bis sie als Straßendirne in London an Heiligabend dem Lustmörder Jack zum Opfer fällt. Von der damaligen Kritik geschmäht, zählt das Werk heute zu den wichtigsten des klassischen deutschen Films. Nochmals arbeitet Georg Wilhelm Pabst mit Louise Brooks in TAGEBUCH EINER VERLORENEN (1929) zusammen. Als Jugendliche missbraucht, wird sie von ihrem Vater verstoßen. Sie gelangt von einem Heim in ein Bordell, steigt die Karriereleiter immer höher hinauf. Der Film wird von den Zensurbehörden stark reglementiert und als unsittlich empfunden. Aus heutiger Sicht gelingt es dem Regisseur, die Beziehung zwischen Geld und Sex überaus plastisch darzustellen. Beide Filme begründen den heutigen Weltruhm der Schauspielerin. Heutige Kritiker bescheinigen der Darstellerin, nicht bloß irgendeine Rolle gespielt zu haben. Vielmehr kommt es zu einer Deckungsgleichheit von Rolle und Lebensstil: Die Schauspielerin genießt das wilden Leben der 20er Jahre, behält dabei ihre Unabhängigkeit.

Nach einer Zwischenstation in Paris, wo sie unter der Regie von Augusto Genina für den Film PREIS DER SCHÖNHEIT (1932) vor der Kamera steht, kehrt sie nach Hollywood zurück. Hier hat sie große Schwierigkeiten, sich wieder in das rigide Studiosystem einzugliedern. Ihr künstlerischer Anspruch ist nach ihrem Aufenthalt in Europa gewachsen. So weigert sie sich, ihren letzten Stummfilm THE CANARY MURDER CASE (1929), den sie in Amerika gedreht hat, nach zu synchronisieren. Daraufhin erhält Louise Brooks nur noch Nebenrollen; sie gilt den Filmproduzenten als kapriziös, eingebildet und hochmütig. Ihre Produktionsfirma Paramount nutzt ihre Weigerung zur Diffamierung und gibt eine Pressenotiz heraus, dass die Stimme der Schauspielerin für den Tonfilm nicht geeignet sei. Ihre Filmkarriere ist damit praktisch beendet.

Louise Brooks konzentriert sich wieder auf ihre tänzerischen Fähigkeiten. Sie tritt in einigen Nachtclubs auf. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitet sie in der Werbung und in Radio-Shows. Für vier Filme, die zwischen 1936 und 1938 entstehen, kehrt sie nach Hollywood zurück. Sie arbeiten Regisseuren wie George Sherman und Frank Tuttle zusammen. Aber der große Erfolg bleibt ihr verwehrt; sie zieht sich endgültig von einer aktiven Laufbahn vor der Kamera zurück. Später wird sie immer wieder Filmangebote erhalten, aber ablehnen.

Zurück in New York arbeitet sie als Verkäuferin in einem Warenhaus. Sie versucht, ihre Erinnerungen auszuschreiben, ist aber damit unzufrieden. Sie vernichtet den Text. Vom Kurator der Filmabteilung des Eastman-House in Rochester James Card erhält sie das Angebot, alte Filme zu sichten. In Rochester beginnt die Schauspielerin zu schreiben und forscht zweieinhalb Jahre zur Geschichte des Stummfilms; sie erarbeitet Texte über ihre Schauspielkollegen Humphrey Bogart, Lillian Gish, Greta Garbo, Charles Chaplin und W. C. Fields. Ihre Texte erscheinen in Filmmagazine wie "Positif" und "Sight and Sound", die gesammelten Aufsätze werden 1982 unter dem Titel "Lulu in Hollywood" veröffentlicht und werden ein Erfolg.

Der Leiter der Cinémathèque Française Henri Langlois ehrt die Schauspielerin 1958 mit einer Retrospektive und holt sie mit einem Filmstill aus DIE BÜCHSE DER PANDORA (1929), das er als Blickfang am Eingang zum Kino aufhängen lässt, ins europäische Filmgedächtnis zurück, stilisiert sie zur Film-Ikone. Sie reist nach Europa, wo ihre Filme euphorisch gefeiert werden. Mitte der 70er Jahre entsteht eine Dokumentation über sie und ihre Zusammenarbeit mit Georg Wilhelm Pabst unter der Regie von Richard Leacock. Auch die Pop-Welt entdeckt die Darstellerin. 1991 erscheint von dem britischen Pop-Duo OMD die Single "Pandora's Box" mit Videoaufnahmen aus ihren Filmen.

In erster Ehe ist Louise Brooks mit dem Regisseur Edward Sutherland verheiratet. Die Ehe währt von Juni 1926 bis Juli 1928 und wird dann geschieden. 1933 heiratet die Schauspielerin den Millionär Deering Daves. Nach einem halben Jahr gehen beide wieder getrennte Wege. Die Ehe wird im Februar 1938 geschieden. Berichtet wird von zahlreichen Liebschaften der Schauspielerin, etwa mit Charles Chaplin im Sommer 1925 oder mit Humphrey Bogart, den sie kennen lernt, als er noch ein unbekannter Schauspieler ist.

Louise Brooks stirbt am 08. August 1985 in Rochester an einem Herzinfarkt.

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