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Anna Magnani

Anna Magnani
Darsteller

* 07. März 1908
Rom
Italien
† 26. September 1973
Rom
Italien

ANNA MAGNANI • Biographie Seite 1/1

Sie hat alle wichtigen Preise der Filmwelt gewonnen: den Oscar in Amerika, den Goldenen Löwen in ihrem Heimatland Italien, den Silbernen Bären in Berlin. Anna Magnani ist eine internationale Filmgröße, die wie keine andere über die Grenzen Italiens hinaus das Bild von Italien prägt. In vielen Fällen gibt sie die impulsive Italienierin, sinnlich und empfindsam, temperamentvoll und aufrichtig. Sie ist eine körperliche Schauspielerin, die mit ihren Entscheidungen und Handlungen einen Film bestimmt. Dabei wirken ihre großen Gefühle nie künstlich; ihr Lachen und Weinen, ihre Liebe und ihr Hass sind immer glaubwürdig.

Anna Magnani wird am 07. März 1908 in Rom geboren. Ihr Vater ist ein ägyptischer Einwanderer, ihre Mutter Italienerin. Sie wächst bei ihren Großeltern in einer ärmlichen Gegend von Rom auf. Ihre Schulausbildung erhält sie an einer Klosterschule. Mit 15 Jahren nimmt sie Schauspielunterricht an der "Accademia d'Arte Drammatica" in Rom. Bereits mit 18 Jahren erhält sie ihr erstes Engagement. Seitdem arbeitet sie in freien Schauspielergruppen, fühlt sich dem Kabarett verbunden, tritt in Nachtbars und Clubs auf.

Seit 1928 arbeitet Anna Magnani für den Film. Ihre erste, winzige Rolle erhält sie in dem Film SCAMPOLO (1928). Dananch ist sie in zahlreichreichen Filmen als Nebendarstellerin zu sehen, arbeitet unter anderem mehrfach mit dem Regisseur Nunzio Malasomma zusammen. Aber erst Anfang der 40er Jahre gelingt es ihr, aus der Nebendarsteller-Riege herauszutreten. Sie spielt die Tänzerin in dem Film von Vittorio de Sica: VERLIEBTE UNSCHULD (1941). In der Folge spielt sie in kleineren Filmen die Hauptrollen, mehr verbietet der Krieg. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beginnt die eigentliche Karriere der Anna Magnani. Sie spielt in dem Meisterwerk des italienischen Neorealismus ROM, OFFENE STADT (1945) unter der Regie von Roberto Rossellini. Die schwangere Witwe Pina, die sich durch den Krieg und die damit verbundene Verzweiflung und Angst nicht unterkriegen lässt, wird in eine Katastrophe getrieben, die sie direkt in das Maschinengewehrfeuer der deutschen Wehrmacht führt. Der Film, noch während des Krieges konzipiert und auf wahren Begebenheiten beruhend, ist nicht nur ein Zeugnis der Zeitgeschichte, sondern auch ein filmischer Neubeginn. Der Regisseur inszeniert im dokumentarischen Stil, macht den italienischen Neorealismus weltweit berühmt.

Zwei Jahre später steht sie in dem Drama ABGEORDNETE ANGELINA (1947) von Luigi Zampa vor der Kamera. Hier arbeitet sie auch am Drehbuch mit und verkörpert die Frau eines Polizeibeamten und Mutter von fünf Kindern, die sich uneigennützig für die Probleme der armen Bevölkerung einsetzt. Für ihre Darstellung wird die Schauspielerin beim Filmfest in Venedig als Beste Darstellerin ausgezeichnet. Besonders authentisch wirkt Anna Magnani, wenn sie Frauen aus dem Volk verkörpert. Gegen das Schönheitsideal der damaligen "Sexbomben" - zum Beispiel Brigitte Bardot, Marilyn Monroe oder Hildegard Knef - spielt sie kraftvolle und vitale Frauenfiguren, die bodenständig und dominant für ihr Leben eintreten. Es sind die einfachen Frauen aus dem Volk, die sie sensibel und intelligent, erdverbunden und unglamourös verkörpert. In den 50er Jahren ist diese Frauenrolle selten in Filmen anzutreffen und Anna Magnani wird durch diesen Typus zu einer der populärsten Schauspielerin Italiens.

In BELLISSIMA (1951) bei Luchino Visconti spielt sie eine einfache, frustrierte Mutter, die ihre Träume auf ihre Tochter überträgt und aus ihr einen Filmstar machen will. Erst als sie die Zynismus der Filmbranche erkennt, will sie dieses Leben für ihre Tochter nicht. Ohne Pathos und mit viel Sensibilität inszeniert der Regisseur diese Kleine-Leute-Geschichte. Zudem gerinnt das Werk zu einer schonungslosen Kritik des Geschäfts Film, deckt die Schattenseiten der Branche auf. Bei Jean Renoir ist sie in DIE GOLDENE KAROSSE (1952) eine von drei Männern begehrte Schauspielern, die sich aber letztlich ihrer eigentlichen Liebe, dem Theater, zuwendet.

Mitte der 50er Jahre geht Anna Magnani nach Hollywood. Sie erhält wenige Rollen, obwohl sie immer wieder mit ihrer schauspielerischen Leistung, ihren Charakterdarstellungen und ihren Stärken als Tragödin überzeugen kann. 1955 wird sie für ihre Verkörperung der verwitweten Sizilianerin Serafina Delle Rose an der Seite von Burt Lancaster in der Tennessee Williams-Adaption DIE TÄTOWIERTE ROSE (1955) von Daniel Hall mit den heißbegehrten Oscar ausgezeichnet. Eines Tages taucht in einer kleinen amerikanischen Hafenstadt ein Italo-Amerikanier auf (gespielt von Burt Lancaster) und versucht ihr Herz zu erobern, unter anderem damit, daß er sich eine Rose auf seine Brust tatowieren läßt. Der Film bietet eine Plattform für die darstellerische Ausdruckskraft der Schauspielerin, virtuos bringt sie in ihren zahlreichen Gesichtsausdrücken die innere Zwiespälte der Protagonisten zum Ausdruck.

Anna Magnani spielt neben Anthony Quinn in WILD IST DER WIND (1957) unter der Regie von George Cukor, der ihr den Silbernen Bären bei den Filmfestspielen in Berlin einbringt. Das Melodram schildert die Geschichte eines verwitweten Schafzüchter aus Nevada, der die Schwester seiner verstorbenen Frau heiratet. Aber die Ehe droht zu scheitern, weil er seine neue Frau immer mit dem Idealbild seiner ersten Ehefrau vergleicht. Neben den zwei großartigen Darstellern ist es das Aufeinandertreffen zwei unterschiedlicher Charaktere, welches dem Film seinen besonderen Reiz verleiht. Ein Jahr später ist sie Lady Torrance, eine verheiratete Ladenbesitzerin, in DER MANN IN DER SCHLANGENHAUT (1958) von Sidnet Lument, die sich in den jugendlichen Barmusiker Marlon Brando verliebt. Ihre Liebe wird aber überschattet von der bösartigen und intoleranten Umwelt in der Kleinstadt in Mississippi, die gewalttätig auf das Verhältnis eines jungen Mannes mit einer älteren Frau reagiert. Es kommt zu einer Katastrophe.

Da Rollenangebote in Hollywood ausbleiben, geht die Schauspielerin zurück nach Italien. 1962 spielt Anna Magnani in den Film MAMMA ROMA (1962) von Pier Paolo Pasolinis. Erzählt wird von einer Prostituierten, die versucht ein neues Leben zu beginnen und alles daransetzt ihrem Sohn eine bürgerliche Existenz zu sichern. Doch ihre Vergangenheit holt sie ein. Das bewegende Sozialdrama, welches Mißtstände in der italienischen Gesellschaft anprangert, wird ganz von der Hauptdarstellerin getragen, der eine der brillantesten Darstellungen ihrer Karriere gelingt. Seitdem wird Anna Magnani zum Inbild der Italienerin sinnlich und empfindsam, temperamentvoll und aufrichtig. Nach dem Film, der der Schauspielerin gleichsam ein Denkmal setzt, widmet sich Anna Magnani wieder verstärkt ihrer Theaterarbeit. Zum letzten Mal steht sie vor der Filmkamera in Federico Fellinis ROMA (1971), in dem sie sich selbst spielt.

Anna Magnani ist in erster Ehe seit 1933 mit dem Regisseur Geoffredo Alessandrini verheiratet. Die Ehe wird 1950 annulliert. Mit dem Vater ihres Kindes, dem Schauspieler Massimo Serato, verbindet sie eine kurze Beziehung. Ihr Sohn erkrankt an Kinderlähmung, sie pflegt ihn liebevoll. Eine längere Beziehung führt sie mit dem Regisseur Roberto Rossellini, bis dieser sich medienträchtig mit der Schauspielerin Ingrid Bergman verbindet.

Anna Magnani stirbt am 26. September 1973 in Rom. Sie ist gerademal 65 Jahre alt.

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