Joan Crawford

film-zeit Person: Joan Crawford
Darsteller

* 23. März 1908
San Antonio (Texas)
USA
† 10. Mai 1977
New York City
USA
andere Namen Lucille LeSueur

Biographie • JOAN CRAWFORD Seite 2/2



Ihr dritter Ehemann Philipp Terry, ein mittelmäßiger Schauspieler, versucht wie schon sein Vorgänger, ihre Karriere zu bremsen. Nach drei Ehejahren lässt sich Joan Crawford im April 1946 von ihm scheiden. Im selben Jahr dreht sie HUMORESKE (1946). Es folgt HEMMUNGSLOSE LIEBE (1947), ein Film, für den sie wieder eine Oscar-Nominierung erhält. In diesem film noir spielt sie die Hauskrankenschwester Louise, welche durch eine leidenschaftliche Affäre mit dem gefühlsarmen David in eine Psychose hineinschlittert. Hier tritt Joan Crawford zum ersten Mal völlig ungeschminkt vor die Kamera, als sie in der Eingangssequenz in Los Angeles Downtown herumirrt, um jenen Mann zu suchen, den sie kurz zuvor erschossen hat. Der Film von Kurt Bernhardt, wieder wie schon HUMORESKE (1946) und SOLANGE EIN HERZ SCHLÄGT (1945) von Jerry Wald produziert, ist ein zeitloser Klassiker des film noir. Durch die einmalige Kameraführung wird die allmähliche Auflösung der inneren Ordnung nachgezeichnet. In dem Film IM SOLDE DES SATANS (1950) spielt sie die Geschichte von Virginia Hill, der Geliebten des Ganoven Bugsy Siegel.

1952 trennt sich Joan Crawford von Warner Brothers und arbeitet fortan ohne festen Vertrag. Ihre dritte Oscar-Nominierung erhält sie für EISKALTE RACHE (1952), ein film noir für das RKO-Studio. Auch dieser Film ist ein zeitloser Klassiker und lebt ganz von Joan Crawfords schauspielerischen Leistungen. Enttäuschung und Entsetzen, Angst und Rachegefühle zeigen sich allein in ihrem Gesicht, das in vielen Nahaufnahmen auf der Leinwand erscheint. Joan Crawford pflegt die Schauspieler, mit denen sie zusammen dreht, zu verführen. Auf ihrer Liste stehen auch die jeweiligen Regisseure und Produzenten. Nur ist sie inzwischen Alkoholikerin, und das Leben hat Spuren in ihrem einst so fröhlichen Gesicht hinterlassen. Während der Dreharbeiten zu EISKALTE RACHE (1952) werden ihre Avancen vom wesentlich jüngeren Jack Palance zurückgewiesen. Ebenso wie in der Filmhandlung unterhält er mit Gloria Grahame ein Verhältnis. So vermischen sich die fiktive Welt des Drehbuchs und das Leben am Filmset und erhöhen damit die schauspielerischen Leistungen aller Beteiligten. Der Film wird ein Kassenschlager und Joan Crawford mit ihrer 40 prozentigen Gewinnbeteiligung gut bezahlt.

Mitte der 1950er Jahre dreht sie den B-Western WENN FRAUEN HASSEN (1954) unter der Regie von Nicholas Ray. Joan Crawford hat die Rechte an der Novelle "Johnny Guitar" gekauft und sie dem Republic Studio angeboten, mit der Auflage, dass sie darin die Hauptrolle spielen darf. Der Film ist wegen des kühnen Frauenbildes interessant. Joan Crawford spielt die von zwei Männern begehrte Spielhöllenbesitzerin Vienna im Wilden Westen. Sie ist inzwischen eine dominante und unbesiegbare Einzelkämpferin, mit der sich ihre männlichen Kollegen schwer tun. Die Liebesszenen überzeugen nicht mehr, da jede Weichheit und Hingabe fehlt. Auch hier überschneiden sich die fiktive und die tatsächliche Welt, da sich die beiden Gegnerinnen im Film, gespielt von Joan Crawford und Mercedes McCambridge, auch am Filmset nicht ausstehen können.

Am 10. Mai 1955 heiratet Joan Crawford den Pepsi-Magnaten Alfred Steele. Sie lässt sich als erste Frau in den Aufsichtsrat wählen und wirbt publikumswirksam für den Getränkekonzern, zu einem Zeitpunkt, als ihre Schauspiel-Karriere im Sinken begriffen ist. Gemeinsam mit Alfred Steele lässt sie sich ein Penthaus in der 5th Avenue in New York errichten. Joan Crawford ist der Inbegriff eines Stehaufmännchens und überrascht ihr Publikum immer wieder aufs Neue mit einem Imagewandel. Sie hält stets Kontakt mit ihren Fan Clubs und beantwortet die Fanpost zusammen mit einer Truppe von freiwilligen Helferinnen. Tausende von signierten Fotografien werden monatlich versandt.

Ihr vierter Ehemann Alfred Steele stirbt am 19. April 1959 an einem Herzinfarkt. Damit kommt Joan Crawford in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten, denn das Penthaus wird mit Geldern aus dem Pepsi Fond bezahlt. Sie arbeitet weiterhin für den Konzern, bis sie aus dem Aufsichtsrat abgewählt wird und damit verschuldet ist. 1962 gelingt ihr neben ihrer alten Rivalin von Warner Brothers, Bette Davis ein Comeback. In dem Horror film noir: WAS GESCHAH WIRKLICH MIT BABY JANE (1962) spielen die beiden ein Geschwisterpaar. Joan Crawford verkörpert die gelähmte Blanche und Bette Davis den vergessenen Kinderstar Baby Jane. Die alte Rivalität zwischen den einstigen Filmdiven steigert auch in diesem Fall ihre schauspielerischen Leistungen. Der Regisseur Robert Aldridge versteht sich auf groteske Übertreibung, die im Besonderen in Bette Davis' Spiel und Maske zum Ausdruck kommt. Sie erhält für ihr Spiel eine Oscar-Nominierung.

Joan Crawford spielt noch bis 1970 in B-Movies, hauptsächlich in trivialen Horrorfilmen, die damals in Mode sind, und gelegentlich in Seifenopern im Fernsehen. Sie stirbt am 10. Mai 1977 an Krebs. Ihre Adoptivtochter Christina, die nur über begrenztes schauspielerisches Talent verfügt, hat schließlich resigniert und einen anderen Beruf ergriffen. In ihren letzten Lebensjahren entfernen sich Mutter und Tochter zunehmend. In dem Buch "Mommie Dearest" zeichnet Christina Crawford die destruktiven und herzlosen Züge von Joan Crawfords Persönlichkeit. Das Buch bleibt allerdings auf dem Niveau einer klassischen Aschenputtelgeschichte. Vermutlich wollte sich die Autorin von dem Joch der übermächtigen Mutter befreien. Joan Crawfords Ruf erholt sich lange nicht von diesem negativen, posthumen Nimbus. Unter dem Titel MEINE LIEBE RABENMUTTER (1981) wird das Buch mit Faye Dunaway in der Hauptrolle verfilmt. Heute zählt Joan Crawford zu den Ikonen Hollywoods, trotz fehlender Ausbildung gilt sie als eine der ausdrucksstärksten Schauspielerinnen ihrer Zeit.

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Autor: Sanna Böswirth
Stand: Februar 2009

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