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Joan Crawford

Joan Crawford
Darsteller

* 23. März 1908
San Antonio (Texas)
USA
† 10. Mai 1977
New York City
USA
andere Namen Lucille LeSueur

JOAN CRAWFORD • Biographie Seite 1/2

Joan Crawford ist eine bemerkenswert wandlungsfähige Schauspielerin. In den späten 1920er Jahren verkörpert sie den Typus des flappers, des ungebundenen, lebenslustigen 'Jazzbabies'. Dann wird sie der Inbegriff des eleganten Hollywoodstars. Die von Adrian für sie entworfenen Schulterpolster kommen in Mode, ihre Art, sich zu bewegen, wird nachgeahmt, ihr unabhängiger Lebensstil ist Vorbild für Millionen von Telefonistinnen, Sekretärinnen und Verkäuferinnen. In späteren Jahren verkörpert sie die vom Leben betrogene, unbeugsame, doch innerlich kaputte Frau, die enttäuschte Liebende, und schließlich wird sie in ihren späten Filmen zum Horrorgenre wechseln. Jede ihrer Masken ist sorgfältig entworfen und korrespondiert doch mit ihren persönlichen Erfahrungen. Joan Crawford ist oft verführerisch und zugleich bodenständig. Sie spielt das Leben, das sie kennt.

Joan Crawford kommt als Lucille LeSueur am 23. März 1908 (einige Quellen nennen auch 1904 bzw. 1905) als Tochter von Anna Bell Johnson und Thomas LeSueur in San Antonio, Texas zur Welt. Schon früh verlässt der Vater die Mutter, den Bruder Hal und die kleine Lucille. Die Mutter zieht mit ihren Kindern nach Lawton in Oklahoma. Dort trifft sie Harry Cassin, den Leiter des lokalen Opernhauses, und heiratet ein zweites Mal. Lucille verbringt viel Zeit hinter der Bühne und beobachtet die Tänzer bei ihren Proben. Schließlich entdeckt die Mutter, dass Harry Cassin ihre Tochter sexuell missbraucht. Sie trennt sich von ihm und zieht mit ihren Kindern nach Kansas City, wo sie bald darauf eine Wäscherei betreibt. Die Mutter misstraut ihrer Tochter und wendet sich dem jüngeren Hal zu.

Die spätere Joan Crawford verleugnet nie die ärmlichen Verhältnisse, in denen sie aufwächst. Ihren frühen sexuellen Missbrauch betrachtet sie seltsamerweise als Initiation. Hinter der Bühne von Harry Cassin erfährt sie, wie man sich im Showbusiness die Wege ebnet. Ihre Karriere führt durch die Betten ihrer Gönner steil nach oben. 1925 kommt sie als Revuegirl nach Hollywood, nachdem sie von Harry Rapf in New York für MGM entdeckt wird. Nach einem Preisausschreiben in einer Zeitung erhält sie den Namen Joan Crawford. Sie spielt zunächst in Stummfilmen. MGM ist in erster Linie auf Unterhaltung und Glanz ausgelegt. Als den wichtigsten Film dieser Zeit bezeichnet sie DIE UNBEKANNTE (1927), ein Zirkusfilm, in dem sie zusammen mit Lon Chaney auftritt. Von ihm lernt sie die Bedeutung der Bühnenpräsenz. Mit ihren ebenmäßigen Gesichtszügen, den großen Augen, ihrer eleganten Figur und ihrer Tanzleidenschaft verkörpert sie den Typus des zeitgenössischen Frauenideals. Kurze Zeit später wird sie durch den Film OUR DANCING DAUGHTERS (1928) bekannt. Ihre Gage wird von 250 Dollar pro Woche auf 500 Dollar erhöht. Im Juni 1929 heiratet sie Douglas Fairbanks jr., dem Sohn von Douglas Fairbanks sr., der zusammen mit seiner Frau Mary Pickford zur Elite Hollywoods gehört. Ihre Schauspiel-Kollegin jedoch akzeptiert Joan Crawford, die junge Schauspielerin aus ärmlichen Verhältnissen, nicht.

Joan Crawford spielt inzwischen erfolgreich an der Seite von Clark Gable, mit dem sie eine leidenschaftliche Affäre beginnt. 1932 mimt sie in dem frühen Tonfilm MENSCHEN IM HOTEL (1932) unter Regie von Edmund Goulding die Rolle einer Stenotypistin namens Flämmchen. In diesem Film spielen Stars wie Greta Garbo sowie John Barrymore und Lionel Barrymore. Im Gegensatz zur ätherischen Greta Garbo, die eine melancholische Ballerina aus Russland verkörpert, ist Flämmchen ganz von dieser Welt. Joan Crawford bewährt sich mit ihrem erdigen Charme unter den Schauspielern ersten Ranges. Der Film wird ein großer Erfolg und etabliert sie auf internationaler Ebene. MENSCHEN IM HOTEL (1932) gewinnt einen Oscar als Bester Film.

Der nächste Film REGEN (1932) geht auf eine Erzählung von Somerset Maugham zurück. Joan Crawford spielt die Prostituierte Sadie Thompson, die in Konflikt mit dem Missionar Dr. Davidson gerät. Er will sie bekehren, verführt sie aber zuletzt und nimmt sich danach das Leben. Der Film floppt an den Kinokassen, Joan Crawford erhält zum ersten Mal in ihrem Leben Drohbriefe. Obwohl sie eine ihrer besten schauspielerischen Leistungen ihrer Karriere zeigt, distanziert sie sich unter dem Schock der negativen Presse von dem Film.

Ihre Ehe mit dem verwöhnten Douglas Fairbanks jr. scheitert. In ICH TANZE NUR FÜR DICH (1933), einem Musical mit Clark Gable und Franchot Tone, begeistert Joan Crawford das Publikum mit ihrer unermesslichen, überbordenden Energie. Franchot Tone ist ein gebildeter und gut aussehender Schauspieler, der sie mit Klassikern wie William Shakespeare, Henrik Ibsen oder George Bernhard Shaw vertraut macht. Doch nachdem sie ihn heiratet, erweist er sich als dominant und lehrerhaft. Joan Crawford ist eine stolze Frau, die nicht bereit ist, sich ihrem Mann zu unterwerfen. Obwohl er sie schlägt, hält sie erstaunlich lange zu ihm. In einem späteren Film, als sie die Gangsterbraut Virginia Hill verkörpert, wird sie diese Erfahrung häuslicher Gewalt vor der Kamera nachspielen. 1939 lässt sie sich von ihm scheiden. Ihr Stern bei MGM ist zu jener Zeit im Sinken begriffen. Die Filme, in welchen sie die Hauptrolle spielt, werden zum Kassengift. Sie spielen die Produktionskosten nicht mehr ein. Schließlich akzeptiert Joan Crawford eine niedrigere Gage, um einen weiteren 5-Jahresvertrag zu erhalten.

Nachdem sie von einem Arzt erfährt, dass sie keine Kinder bekommen kann, adoptiert sie, obwohl allein stehend, vier Waisenkinder. Zunächst ein Mädchen, die sie Christina tauft, es folgen Christopher und die beiden Zwillingsmädchen Cathy und Cynthia.

In ihrem 39. Lebensjahr verlässt Joan Crawford MGM und geht zu Warner Brothers. In HOLLYWOOD CANTEEN (1944) spielt sie sich selbst. Die Hollywood Canteen ist ein für amerikanische Soldaten zur Ermutigung eingerichteter Treffpunkt. Dort dürfen sie die großen Stars hautnah erleben und werden von diesen bekocht, bewirtet und auf jede Art unterhalten. Alle anderen Drehbücher lehnt Joan Crawford ab. Als ihr Jack Warner droht, sie zu feuern, verzichtet sie ganz auf ihre Gage, bis sie eine passende Rolle findet. Nahezu drei Jahre verbleibt sie ohne Arbeit. Schließlich findet sie eine geeignete Rolle in dem Drehbuch SOLANGE EIN HERZ SCHLÄGT (1945). Das Stück ist ein Mutter-Tochter-Drama im Stil eines film noir. Joan Crawford spielt extrem zurückhaltend, wie eine Frau, die keinen Raum hat, sich zu entfalten. Sie erhält ihren ersten und einzigen Oscar als Beste Darstellerin für SOLANGE EIN HERZ SCHLÄGT (1945).

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