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James Stewart

James Stewart
Darsteller

* 20. Mai 1908
Indiana (Pennsylvania)
USA
† 02. Juli 1997
Beverly Hills (Kalifornien)
USA

JAMES STEWART • Biographie Seite 1/1

Wahrhaftigkeit, Glaubwürdigkeit, Aufrichtigkeit sind nur einige Eigenschaften, für die der Schauspieler James Stewart steht. Seine Popularität ergibt sich aus seinem Habitus, nie mehr sein zu wollen als seine Helden und ihnen immer genau jenes Quantum Normalität beizugeben, bei dem der Zuschauer den Eindruck hat, sich in der gleichen Situation genauso entscheiden zu können. Als Held zahlreicher Western, Abenteuergeschichten, Thriller und Meldramen ist er nie entrückt, sondern bliebt immer der gute Junge von Nebenan, irgendwie irdisch und nah, bodenständig und in manchen Dingen etwas bieder.

James Stewart wird am 20. Mai 1908 in Indiana, Pennsylvania als James Maitland Stewart geboren. Sein Vater ist ein Eisenwarenhändler. In seiner Heimatstadt besucht er die Mercersburg Academy. Nach dem Highschool-Abschluss geht er an die Princeton-University, wo er Architektur studiert. Hier beginnt er sich auch für das Theater zu interessieren. Nach seinem abgeschlossenem Studium geht er mit dem späteren Regisseur Joshua Logan nach Falmouth, Massachusetts, und spielt dort bei der University Players Troup unter anderem mit Henry Fonda und Margaret Sullavan. Seine Karriere führt ihn an den Broadway in New York, wo er in einigen kleineren Rollen zu sehen ist.

Mitte der 1930er Jahre werden Hollywood-Produzenten auf den groß gewachsenen, schlaksigen Schauspieler aufmerksam. MGM bietet ihm 1935 einen Siebesjahresvertrag. Erstmals steht er in der Kriminalkomödie DER ELEKTRISCHE STUHL (1935) von Tim Whelan an der Seite von Spencer Tracy vor der Kamera. Danach ist der Darsteller in zahlreichen Filmen präsent. Allerdings weiß die Produktionsfirma nicht so recht, etwas mit ihm anzufangen, sie setzt ihn wahllos in Komödien, Musicals und Melodramen ein: Ein bestimmter Stil ist bei James Stewart noch nicht zu erkennen. Erst als er von Regisseuren entdeckt wird, die für die Entwicklung eines eigenen Stils förderlich sind, wird der Name James Stewart zum Begriff für den guten Jungen von Nebenan, der für Aufrichtigkeit, Glaubwürdigkeit und Vernunft steht.

Mit dem Regisseur Frank Capra dreht er unter anderem LEBENSKÜNSTLER (1938), in dem er Tony Kirby gibt, den Sohn eines reichen Hauses, der sich in die Tochter einer exzentrischen Familie verliebt. Hier taucht der smarte, liebeswerte James Stewart auf, der wie selbstverständlich einfache und beständige Werte vertritt. Er wirkt anständig, sauber und tugendhaft, Charakterfestigkeit und Tatkraft sind ebenfalls Eigenschaften, die viele seiner Figuren auszeichnen. In den folgenden gemeinsamen Filmen werden diese Idealvorstellungen noch deutlicher in Szene gesetzt. In MR. SMITH GEHT NACH WASHINGTON (1939) spielt James Stewart einen naiven Kleinstädter, der die Interessen einiger Politiker im US-Senat vertreten soll. Sie glauben, ihn manipulieren zu können, müssen aber feststellen, dass er nicht korrumpierbar ist, vielmehr reinigt er mit seinem kämpferischen Idealismus den Senat. Hier glaubt ihm der Zuschauer Wort für Wort. In dem weihnachtlichen Familienfilm IST DAS LEBEN NICHT SCHÖN? (1946) verkörpert er Familienvater George Bailey, der zu Weihnachten Selbstmord begehen will. Ihm erscheint ein Engel, der ihm eine Welt zeigt, wie sie sich entwickelt hätte, wenn er nicht geboren worden wäre. Dabei merkt er auch, wie er mit vielen guten Taten seinen Mitmenschen unwissentlich geholfen hat. In dem Film gelingt es den Filmemachern, Werte wie Freundschaft und Hilfsbereitschaft in den Vordergrund zu rücken, ohne die Schwierigkeiten und Enttäuschungen eines Lebens auszublenden.

Bereits Anfang der 1940er Jahre erhält James Stewart seinen ersten Oscar als Bester Nebendarsteller. Mit der Komödie DIE NACHT VOR DER HOCHZEIT (1940) von George Cukor können die Darsteller Cary Grant, Katharine Hepburn sowie James Stewart einen Erfolg verbuchen: Es sind die scharfsinnigen Dialoge, die bestechen. Von Vorteil für die Popularität des Schauspielers ist auch seine aktive Teilnahme am Zweiten Weltkrieg. Er dient bei der US Air Force und bringt es bis zum Commander einer Bombercrew. Nach seinem aktiven Dienst wird er Reservist und scheidet erst Ende der 60er Jahre im Range eines Brigadegenerals der Luftwaffe aus der Armee aus. Als er nach Ende des Zweiten Weltkrieges wieder zur Kamera zurückkehrt sind es ab dann immer häufiger gebrochene Helden, die er spielt. Er wird gegen sein positives Image besetzt, spielt Getriebene, vom Schicksal Gebeutelte.

Regisseur Alfred Hitchcock macht sich diese Image-Veränderung des Darstellers zu nutze. Als Universitätsprofessor Rupert Cadell überführt er in COCKTAIL FÜR EINE LEICHE (1948) die beiden Studenten Brandon und Philip des Mordes an ihrem Kommilitonen. DAS FENSTER ZUM HOF (1954) bietet die einzige Abwechslung für den Fotoreporter Jeff, der durch einen Beinbruch an sein Zimmer gefesselt ist. Bald glaubt er, einem Mord auf die Spur gekommen zu sein. Als Dr. Ben McKenna gelangt er zufällig in DER MANN, DER ZUVIEL WUßTE (1956) in den Besitz von Informationen über ein geplantes Attentat gegen den britischen Premierminister, kann sie aber nicht weitergeben, weil sein Sohn in der Gewalt der Attentäter ist. In dem Klassiker VERTIGO (1958) spielt er den Ex-Polizeibeamten John "Scottie" Ferguson, der wegen Höhenangst aus dem Polizeidienst ausscheidet, und sich als Opfer für ein groß angelegtes Täuschungsmanöver anbietet. Letztlich kann er als Ermittler, der er ist, nicht auf den Grund der Dinge schauen, und dies nicht nur aufgrund seiner Höhenangst sondern aus Angst vor einem generellen Schwindel, der sein Leben in den Abgrund reißen würde.

Am Western- und Abenteuer-Genre arbeitet sich der Schauspieler vorrangig mit dem Regisseur Anthony Mann ab. In WINCHESTER 73 (1950) wandert eines der begehrten Repetiergewehre durch viele Hände. James Stewart hat es als Lin McAdams beim Preisschießen gewonnen und erhält sie nach zahlreichen Verwicklungen auch wieder; dafür muss er sich allerdings an seinem Bruder für den Mord am Vater rächen. In MEUTEREI AM SCHLANGENFLUSS (1951) begleitet er als Trapper Glyn McLyntock einen Lebensmitteltransport und sorgt auch unter Lebensgefahr dafür, dass der Nachschub für die neu angesiedelten Familien nicht ausbleibt. Als zynischer Kopfgeldjäger Howard Kemp hat er in NACKTE GEWALT (1953) noch nicht alle seine guten Eigenschaften verloren. Der Abenteuerfilm DIE TODESBUCHT VON LOUISIANA (1953) blickt auf das schwierige Verhältnis von traditioneller Lebensweise und Technikfortschritt. Als Abenteuer Jeff Webster kämpft er in ÜBER DEN TODESSPASS (1954) für seine Interessen gegen einen korrupten Richter. In DER MANN AUS LARAMIE (1955) rächt er als Ex-Offizier den Tod seines Bruders und macht Waffenschmuggler unschädlich. Für die atomare Verteidigungsbereitschaft der USA wirbt James Stewart in dem Film IN GEHEIMER KOMMANDOSACHE (1955).

Während seiner mehr als 40 Jahre währenden Schauspielkarriere porträtiert er mehrfach historische Persönlichkeiten Er gibt unter anderem den berühmten Baseballspieler Monty Stratton in THE STRATTON STORY (1949) von Sam Wood. In der Filmbiographie DIE GLENN MILLER STORY (1954) wieder unter der Regie von Anthony Mann singt und tanzt er und bietet mit anderen Künstlers authentische Interpretationen der Glenn Miller-Songs. In einem Billy Wilder-Film spielt er den Flugpionier Charles A. Lindbergh. Unter der Regie von John Ford spielt er in dem Klassiker DER MANN, DER LIBERTY VALANCE ERSCHOß (1961) den Senator Stoddard, der Liberty Valance zwar nicht erschossen hat, der aber mit dieser Lebenslüge ganz gut leben kann. Fazit des Films ist die Erkenntnis, dass Amerika der selbstfabrizierten Legende mehr traut als der Wahrheit.

1949 heiratet James Stewart die verwitwete Gloria Hatrick McLean. Gemeinsam haben sie zwei Töchter, das Zwillingspaar Kelly und Judy. James Stewart stirbt am 02. Juli 1997 in Beverly Hills, Kalifornien.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Juli 2007

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