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Joseph Losey

Joseph Losey
Regie

* 14. Januar 1909
La Crosse (Wisconsin)
USA
† 22. Juni 1984
London
Großbritannien
andere Namen Andrea Forzano, Victor Hanbury, Joseph Walton

JOSEPH LOSEY • Biographie Seite 1/1

Der amerikanische Regisseur Joseph Losey verläßt Anfang der 50er Jahre aufgrund massiver Angriffe des McCarthy-Ausschusses die USA und begibt sich nach Europa ins Exil. Er wird in seinem Heimatland keinen Film mehr drehen. Aber in Europa zählt er bald zu den wichtigsten Autorenfilmern, der häufig auf Gleichnisse zurückgreift, um sozial-psychologische Dimensionen in seinen Gesellschafts- und Charakterstudien zu vermitteln.

Joseph Losey wird am 14. Januar 1909 in La Crosse (Wisconsin) als Joseph Walton Losey geboren. Seine Eltern sind Einwanderer aus den Niederlanden. Er wächst in einer traditionsreichen Familien auf, die sich offen zu ihren puritanischen und konservativen Werten bekennt. Nach seiner High School-Ausbildung studiert er 1925 zunächst Medizin am Dartmouth College in New Hampshire. Er schließt sich der Theatergruppe "Dartmouth Players" an und arbeitet als Regieassistent. Zu dieser Zeit schreibt er auch kleine Einakter für die Theaterbühne. Später wechselt er das Fach und schließt sein Studium mit einem Master of Art in englischer Literatur ab.

Mit 21 Jahren geht Joseph Losey nach New York und schreibt für The New York Times und die Herald Tribune. Bevorzugt arbeitet er als Theater- und Literaturkritiker. Er wechselt aber bald sie Seiten und wird Inspizient in der Radio City Music Hall. Außerdem inszeniert er verschiedene Stücke an New Yorker Theatern. Mitte der 30er Jahre reist Joseph Losey als Korrespondent der Variety nach Europa, u.a. trifft er in Moskau auf Sergej M. Eisenstein. Er lernt die euopäische Theaterszene kennen, hospitiert in Deutschland und arbeitet in England als Regieassistent.

Zurück in Amerika arbeitet er für die Rockefeller Foundation, betreut die Herstellung von Dokumentar-, Kurz- und Lehrfilmen. Sein PETE ROLEUM AND HIS COUSINS (1939) wird auf der Weltausstellung in New York viel beachtet. Er ist an dem "Living Newspaper-Project" am Federal Theater, einer Multimedia-Show, beteiligt. Hier begegnet er Bertolt Brecht. Beide werden mehrmals zusammenarbeiten. 1947 inszeniert er gemeinsam mit Bertolt Brecht dessen Stück "Das Leben des Galileo" (1947), in dem der englische Schauspieler Charles Laughton die Rolle des Naturwissenschaftlers übernimmt. Die Inszenierung wird ein Erfolg zunächst am Coronet Theatre in Los Angeles und später im New Yorker Maxine Elliott Theatre.

Während des II. Weltkrieges dreht Joseph Losey Dokumentarfilme für die US Army und ruft einige Radioprojekte für die Sender NBC und CBS ins Leben. Seine eigentliche Filmarbeit beginnt nach dem Ende des Weltkrieges. Für die Produktionsfirma MGM dreht er 1945 einen Kurzfilm, der in der Krimiserie CRIME DOES NOT PAY (1945) Eingang findet. Seit 1948 dreht Joseph Losey regelmäßig mit unterschiedlichsten Budgets Filme, die sich in vielen Fällen mit dem Einzelnen in einer inhumanen Umgebung auseinandersetzen. GNADENLOS GEHETZT (1949) oder DIE NACHT DER WAHRHEIT (1951) sind Beispiele dafür.

Aufgrund seiner deutlich linken Position wird Joseph Losey vom Senator Joseph McCarthy und seinem Ausschuß gegen "unamerikanische Umtriebe" stark angegriffen. Zudem bekennt er sich zu seiner Freundschaft zu Bertolt Brecht und Adrian Scott, der zu den sogenannten "Hollywood Ten" gehört. Dies ist die Bezeichnung für 10 Schauspieler, Regisseure und Drehbuchautoren, die aufgrund der Kommunistenjagd in den USA ins Gefängnis müssen. 1951 wird der Regisseur auf die Schwarze Liste gesetzt. Grund ist seine angebliche Mitgliedschaft in einer kommunistischen Partei und seine kommunistisch subversive Tätigkeit. Seiner Arbeitsmöglichkeit beraubt, geht der Regisseur nach Europa. Er dreht in Italien, später in Großbritannien unter verschiedenen Pseudonymen Filme.

In Europa zählt Joseph Losey bald zu den bedeutensten Autorenfilmern. Seine Charakterstudien stehen für radikalen Realitätsanspruch, die den menschlichen Themen eine tiefere Dimension abgewinnen und gesellschaftlich-psychologische Probleme wiederspiegeln. Unter anderem mit DER DIENER (1963) oder ACCIDENT - ZWISCHENFALL IN OXFORT (1967) belegt der Regisseur sein Können und seine Vielseitigkeit. In letzterem spielt Dirk Bogarde die Hauptrolle.

Mitte der 70er Jahre siedelt Joseph Losey nach Paris. Hier inszeniert er seine letzten Filme. Besonders herausragend ist MONSIEUR KLEIN (1976), in dem er die Geschichte eines französischen Kunsthändler erzählt, der sich während der deutschen Besetzung mit dem Faschismus und Antisemitismus weitgehend arrangiert hat. Er wird wegen seines gleichlautenden Namens mit einem Juden verwechselt und gerät in die Maschinerie der Behörden. Seine Suche nach einem anderen Robert Klein wird immer mehr zu einer Suche nach dem eigenen Ich. In der Hauptrolle brilliert einmal mehr Alain Delon.

Joseph Losey stirbt am 22. Juni 1984 in London kurz nach der Fertigstellung seines letzten Films STREAMING (1984).

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