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Karel Zeman

Karel Zeman
* 03. November 1910
Ostromer
Österreich-Ungarn (heute Tschechische Republik)
† 05. April 1989
Prag
Tschechische Republik

KAREL ZEMAN • Biographie Seite 1/1

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gehörte Karel Zeman wie Hermína Týrlová und Jirí Trnka zu den Begründern des tschechischen Animationsfilms. Bekannt wird Karel Zeman über die Grenzen der damaligen Tschechoslowakei hinaus mit seinen phantastischen Filmen, in denen er Schauspieler und reale Kulissen mit Trickaufnahmen und gezeichneten Kulissen kombiniert.

Karel Zeman wird am 03. November 1910 in Ostromer, Tschechische Republik geboren. Nach seiner Schulausbildung besucht er eine Handelsschule und belegt Kurse über Werbegrafik. Mit 20 Jahren steigt er in einer Werbeagentur ein und zeichnet in deren Auftrag Plakate, arbeitet als Schaufensterdekorateur, erarbeitet Reklamekonzeptionen.

1943 schließt er sich als Zeichner dem Filmstudio Bapoz an; arbeitet zeitweise auch als Regieassistent. Nach ersten Versuchen mit Animationen im Werbebereich stellt er 1945 seinen ersten Trickfilm her. Er hat seine Leidenschaft entdeckt; es folgen weitere Werke.

Karel Zeman ist maßgeblich an der Entwicklung des Trickfilmstudios in der Tschechoslowakei beteiligt. Er spezialisiert sich anfangs auf Puppentrickfilme. Seit 1950 inszeniert er aufwendige Produktionen aus Sequenzen mit Puppen, Live-Szenen und klassisch animiertem Zeichentrick. Seine Filme machen das Studio international bekannt. Auffallend sind Einfallsreichtum und technische Einfachheit.

Mitte der 50er Jahre kommt es zum ersten Karrierehöhepunkt: REISE IN DIE UNTERWELT (1955). Karel Zeman verfilmt eine Geschichte von Jules Verne. Der Fund eines Fossils aus der Urzeit regt vier wißbegierige Jungen zu einem Ausflug in die Vergangenheit an. Auf einer kleinen Fähre gleiten sie nacheinander durch die Eiszeit, das Tertiär, das Mesozoikum, bis sie zum Beginn allen Lebens auf dem Planeten Erde gelangen. Der Regisseur verbindet Realfilm mit Tricksequenzen mittels der sogenannten "Stop-Motion"-Technik. Alles wird ergänzt mit großflächigen Hintergrundeinblendungen, die eine phantastische Urwelt entstehen zu lassen. Der Film erhält auf den Filmfestspielen in Venedig den Großen Preis der Jury.

Auch sein zweiter Film DIE ERFINDUNG DES VERDERBENS (1957) adaptiert Ideen von Jules Verne. Erzählt wird die Geschichte des Abenteurer Artigas, der durch Diebstahl von Schätzen aus der Tiefsee zu Reichtum gekommen ist. Er entführt Professor Roch, der gerade seine Erfindung eines wirkungsvollen Sprengstoffes zu Ende bringen will. Der Assistent des Professors, Ingenieur Hart, will um jeden Preis verhindern, daß die gefährliche Erfindung mißbraucht wird. Die künstlerische Gestaltung des Films beruht auf den ursprünglichen Illustrationen der Bücher von Jules Verne. Die absichtlich naivisierenden Trickaufnahmen sind von den französischen Filmen inspiriert, die Georges Méliès zu Beginn des 20. Jahrhunderts dreht. Zudem finden sich zahlreiche Anklänge an "Kapitän Nemo". Der Film wird auf der Weltausstellung in Brüssel 1958 mit dem "Grand Prix" ausgezeichnet.

In DAS GESTOHLENDE LUFTSCHIFF (1967) wird eine verwickelte Geschichte um 5 Prager Kinder erzählt, die durch einen kleinen Streich eine große Entführung fabrizieren und mit dem Luftschiff eines Vergnügungsparks auf der Insel des Kapitän Nemos landen. Wieder sind es Originalität und brilliante Verschmelzung von Trick- und Realszenen, die den Film heute noch zu einem sehenswerten Ereignis werden läßt. In REISE DURCH DAS SONNENSYSTEM (1970) erzählt der Regisseur von der Liebe des französische Kolonialoffizier Servadac zu Angelica, die auch das Auftreffen eines Kometen auf der Erde und dem folgenden Herumtreiben durch den Weltall nicht verhindern kann.

In den 70er Jahren dreht der Regisseur Karel Zeman wieder klassische Zeichentrickfilme nach Märchenvorlagen, unter anderem MÄRCHEN VON HANS UND MARIE (1980). Zudem experimentiert der Künstler mit dem 3D-Verfahren. Mitte der 80er Jahre zieht er sich aus dem Filmgeschäft zurück.

Karel Zeman stirbt am 05. April 1989 in Prag.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Oktober 2003

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