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Jane Tilden

Jane Tilden
Darsteller

* 16. November 1910
Aussig (Böhmen)
Österreich
† 27. August 2002
St. Johann, Tirol
Österreich

JANE TILDEN • Biographie Seite 1/1

Die Schauspielerin Jane Tilden gilt als eine der bedeutenden österreichischen Film- und Theaterpersönlichkeiten. Für viele ist sie die Verkörperung des volkstümlichen Wiener Mädels, schlagfertig, burschikos und herzlich. Auch wenn sie die feine Dame der Gesellschaft spielt, verfügt sie über genügend Wandelbarkeit, um Skurriles und Ambivalentes in ihren Figuren zum Vorschein zu bringen. Ihre Darstellungen verbinden wunderbar tragische Elemente mit beschwingtem Humor.

Jane Tilden wird am 16. November 1910 als Marianne Tuch in Aussig, Böhmen (heute Ústí nad Labem in Tschechien) geboren. Sie wächst in einer künstlerisch-ambitionierten Familie auf. Ihr Vater Karl Tuch studiert Musik und eröffnet nach dem Ersten Weltkrieg eine Musikalienhandlung. Ihre Mutter arbeitet als Modistin. Zur Familie gehört noch der Bruder Walter und die Schwester Elisabeth. Walter Tuch wird später bei seinem Onkel, dem Kameramann Franz Planer, in die Lehre gehen und selbst diesen Beruf ergreifen.

Schon in ihrer Kindheit begeistert sich Jane Tilden für die Schauspielerei. In Schulaufführungen ist sie zu sehen. Mit 18 Jahren erlebt sie ein Gastspiel von Paula Wessely in ihrer Heimatstadt; danach möchte sie die Schauspielerei zum Beruf machen. Sie beginnt auf diversen Bühnen zu arbeiten; spielt unter anderem in Teplitz-Schönau, Prag und Hamburg. 1934 ist sie am Wiener Volkstheater engagiert, ein Jahr später holt sie Max Reinhardt an das renommierte Theater in der Josefstadt. 20 Jahre wird sie als Ensemblemitglied tätig sein. Sie ist das Gretchen in Goethes "Faust", spielt in "Der zerbrochene Krug" von Kleist und ist als Franziska in "Minna von Barnhelm" nach Lessing zu sehen. Mit ihren Stücken geht sie auf Tournee durch die Schweiz und Österreich. 1941 arbeitet sie am Deutschen Theater in Berlin, spielt unter anderem in dem William Shakespeare-Stück "Der Sommernachtstraum".

Mitte der 30er Jahre wird die junge Schauspielerin vom Film entdeckt. In CONFETTI (1936) von Hubert Marischka steht sie erstmals vor der Kamera. Als Mizzi in HANNERL UND IHRE LIEBHABER (1936) von Werner Hochbaum macht sie auf sich aufmerksam. Sie wirkt frisch und natürlich, strahlt unverwüstlichen Humor aus. Zunächst verkörpert sie den weiblichen Kumpel, bodenständig und treu. Ihre Rollen werden immer größer. Neben Zarah Leander und Willy Birgel wirkt sie in DER BLAUFUCHS (1938) unter der Regie von Viktor Tourjansky als Modezeichnerin Lisi mit. In vielen Fällen agiert Jane Tilden in Unterhaltungsstoffen, singt und tanzt auch vor der Kamera. In SO GEFÄLLST DU MIR (1941) von Hans Thimig und Rudolf Schaad spielt sie ein Ballettmädel, welches die Bühne einem bürgerlichen Eheleben vorzieht. Sie ist die Film-Ehefrau von Paul Hörbiger, spielt an der Seite von Hans Holt und gibt eine leichtsinnige Untermieterin des jung vermählten Ehepaars Heinz Rühmann / Hertha Feiler in HAUPTSACHE GLÜCKLICH (1941).

Während des Zweiten Weltkrieges zieht sich die Schauspielerin weitestgehend in die Schweiz zurück, steht nur selten vor der Kamera. Nach 1945 ist Jane Tilden arbeitet sie wieder am Theater in der Josefstadt. Ab Mitte der 50er Jahre zieht sich die Schauspielerin etwas aus dem Theater- und Filmbetrieb zurück. Sie führt das In- und Exportgeschäft ihres dritten Mannes, der 1955 verstirbt, weiter. Dann überwiegen doch wieder die Rollenangeboten. 1957 wird sie Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Mehrfach steht sie in "Geschichten aus dem Wiener Wald" von Ödön von Jarvath auf der Bühne. 1964 ist sie auf den Salzburger Festspielen unter der Regie von Rudolf Steinboeck als Frau Hurtig in "Die lustigen Weiber von Windsor" zu sehen. Bis 1978 wird sie auf der Bühne stehen.

Auch der Film hat ab den 50er Jahren die Schauspielerin wieder. Sie schließt mit ihrer Rollenauswahl an die Vorkriegssituation an, spielt weiter heiter-beschwingte Frauentypen. In dem Axel von Ambesser-Film BRUDER MARTIN (1954) ist sie die herrschsüchtige Ehefrau eines Schneidermeisters, als Göttin Fortuna agiert sie in LUMPAZIVAGABUNDUS (1956) von Franz Antel. Für die kleine Rolle der Ehefrau des Gesandten von Trotum in WIEN, DU STADT MEINER TRÄUME (1957) von Willi Forst erhält sie viel Lob, ihre Ironie und den Schalk im Gesicht überzeugen die Kritiker. In einem ihrer letzten Kinofilme spielt Jane Tilden die Tabakverkäuferin Valerie in GESCHICHTEN AUS DEM WIENER WALD (1979) unter der Regie von Maximilian Schell. Für ihre Rolle bekommt sie überaus positive Kritiken, auch im Alter wird ihre Urwüchsigkeit gefeiert.

Für das Fernsehen tritt die Schauspielerin schon seit Anfang der 60er Jahre vor die Kamera. Sie spielt kleiner Rollen in zahlreichen TV-Serien. In Episoden von "Derrick", "Der Kommissar" und "Der Landarzt" ist sie zu sehen. In der TV-Serie "Die Drombuschs" verkörpert sie die Freundin der Großmutter. 1981 wirkt sie an einer Episode von "Das Traumschiff" mit. 2001 wird sie mit dem Österreichischen Ehrenkreuz ausgezeichnet.

In erste Ehe ist Jane Tilden mit dem Schauspieler Erik Frey verheiratet. Zum zweiten Mal steht sie mit dem Komponisten Alexander Steinbrecher vor dem Traualtar. Ihre gemeinsame Tochter Franziska Steinbrecher wird 1939 geboren. In dritter Ehe heiratet sie den britischen Exportkaufmann Major John Joseph Blackburne. Ihr Tochter Jane Antoinette Blackburne wird 1947 in Wien geboren.

Jane Tilden lebt mit ihrer Familie in Kitzbühl. Sie stirbt am 27. August 2002 im Kreise ihrer Familie.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Oktober 2006

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