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Kristina Söderbaum

Kristina Söderbaum
Darsteller

* 05. September 1912
Djursholm (bei Stockholm)
Schweden
† 12. Februar 2001
Hitzacker
Deutschland
andere Namen Krista Söderbaum

KRISTINA SÖDERBAUM • Biographie Seite 1/1

Die Schwedin Kristina Söderbaum ist eine der großen Stars im deutschen Film der Nationalsozialisten. Unter der exklusiven Regie ihres Ehemannes Veit Harlan spielt sie in mehreren melodramatischen Werken die weibliche Hauptrolle und steht dabei unverhohlen für nationalsozialistische Werte: leidens- und opferbereit erträgt sie ihr Schicksal, treu ist sie Mann und Vaterland ergeben, noch im Tod erweist sie sich als rein, ehrlich und unschuldig. Die Rolle der Frau mit angeblich typisch deutschen Tugenden ist der blonden Schwedin auf den Leib geschrieben.

Kristina Söderbaum wird am 05. September 1912 in Stockholm geboren. Ihr Vater ist Henrik Gustaf Söderbaum, Chemieprofessor, Präsident der Königlichen Akademie der Wissenschaften und zeitweilig Vorsitzender des Nobelpreiskomitees. Von ihrer Mutter Margareta Charlotta Katarina erbt sie das musische Talent, sie inszeniert mit und im Familienkreis Theaterstücke. Zur Familie gehören noch drei weitere Kinder, wobei die Tochter Ulla Söderbaum später eine international erfolgreiche Tänzerin wird. Ihre Schulausbildung absolviert Kristina Söderbaum in ihrer Heimatstadt, lernt zudem in exklusiven Internaten in der Schweiz. 1929 geht sie nach Paris und besucht dort für zwei Jahre das "Collège feminin du Boffémont".

1934 besucht sie Berlin, lernt Deutsch und belegt kunstgeschichtliche Vorlesungen an der Universität. Außerdem nimmt sie Schauspielunterricht bei Lilly Ackermann, und verfeinert bei Margarethe Wellhoener ihre Aussprache. In Berlin kommt sie mit Filmleuten in Kontakt und erhält durch Zufall die Möglichkeit eines Engagements. Unter der Regie von Erich Waschneck debütiert sie in der Fritz Reuter-Verfilmung ONKEL BRÄSIG (1936) als Zwillingsschwester Mining, die andere Schwester gibt Hildegard Barko. Über eine erste Aufmerksamkeit kommt ihr Filmdebüt aber nicht hinaus. Das ändert sich, als sie 1937 den Regisseur und Schauspieler Veit Harlan kennen lernt. In der Folge wird er ihr einziger Regisseur. Gemeinsam werden sie eines der erfolgreichsten Künstler-Paare im nationalsozialistischen Deutschland: Er erhält als Regisseur zahlreiche Unterstützung durch die Nationalsozialisten, setzt dessen Ideologie gekonnt in melodramatischen Werken um, sie verkörpert die weiblichen Heldinnen - blond und blauäugig, jung und robust, leidens- und opferbereit.

Unter seiner Regie spielt sie in JUGEND (1938) die weibliche Hauptrolle. Hier begeht sie als jugendliches Annchen Selbstmord, da sie - bedrängt von einem Pfarrer - als uneheliches Kind nicht ins Kloster gehen will, um die Schuld ihrer Mutter zu sühnen, aber trotzdem ständig von ihrem schlechten Gewissen gepeinigt wird. Der Film wird für Propagandazwecke genutzt und während der so genannten "Sittlichkeitsprozesse" gegen Priester und Ordensleute und den Unabhängigkeitsanspruch der katholischen Kirche sowie die innerkirchliche Loyalität eingesetzt. Der Film VERWEHTE SPUREN (1938) spielt während der Weltausstellung 1867 in Paris. Hier verkörpert sie Séraphine Lawrence, eine Tochter, die verzweifelt ihre verschwundene Mutter sucht, bis ihr die Polizei verrät, dass diese an der Pest verstorben ist.

In dem Historienfilm DAS UNSTERBLICHE HERZ (1939) ist sie an der Seite von Heinrich George als dessen jugendliche Ehefrau zu sehen. Im mittelalterlichen Nürnberg muss sie ihrem Ehemann, dem Kunstschlosser Peter Henlein und Erfinder der Taschenuhr "Nürnberg'sches Ei", beistehen, obwohl er wegen der Arbeit keine Zeit für sie hat. Kein Wunder, dass sie sich in einen anderen Mann verliebt. Nach einer Hermann Sudermann-Erzählung entsteht DIE REISE NACH TILSIT (1939) über ein junges Ehepaar auf der Kurischen Nehrung. Die Ehe droht zu zerbrechen, als sich der Fischer in eine schöne Polin verliebt; er will seine Ehefrau während einer Bootsfahrt töten, aber überlegt es sich anders - sie versöhnen sich. Mit ihren Filmen wird Kristina Söderbaum zum Star des deutschen Kinos. Das Team Harlan - Söderbaum, zu dem meistens noch der Kameramann Bruno Mondi zählt, gehört zu den damaligen Spitzenverdienern. Mit den melodramatischen und teils monumentalen Bildern unterstützen sie - ob bewusst oder unbewusst sei dahingestellt - die NS-Propaganda.

Mit dem folgenden Film setzen Regisseur wie Schauspielerin Maßstäbe im Beitrag der Filmkünstler zur Verbreitung nationalsozialistischer Ideologie. Der antisemitische Film JUD SÜß (1940) wird vom Propagandaministerium zur "Endlösung der Judenfrage" in Auftrag gegeben, massiv unterstützt und einem Millionen Publikum dargeboten. Hier spielt Kristina Söderbaum die junge Dorothea Sturm, die von Jud Süß (gespielt von Ferdinand Marian) umworben wird. Als sie ihn abweist, wird sie von ihm vergewaltigt und wählt daraufhin den Freitod im Neckar. Auch ihr nächster Film wird ein aufwendig in Szene gesetzter Propagandafilm, der das deutsche Volk auf Treue und Opferbereitschaft einstimmen soll. In dem Historienfilm DER GROSSE KÖNIG (1942) spielt sie die Müllerstochter Luise, die während des Siebenjährigen Krieges aufopferungsvoll Verwundete pflegt und ihr Kind gebärt, während ihr Mann, ein Feldwebel, nach siegreicher Schlacht in den Armen des Königs stirbt.

Danach drehen beide einen der erfolgreichsten Filme der nationalsozialistischen Filmproduktion. Der Farbfilm DIE GOLDENE STADT (1942) erzählt von einem Bauernmädchen, die ihre Heimat verlässt, um in der Stadt ihr Glück zu versuchen. Hier wird sie aber von ihrem Vetter verführt, geschwängert und verlassen. Zwar kehrt sie zu ihrem Vater zurück, kommt aber nicht zur Ruhe und begeht Selbstmord im Moor. Das "Blut und Boden"-Melodram zieht Millionen Zuschauer in die Kinos; sie leiden mit der Hauptfigur, deren Schicksal mit dem Opfertod in einem "reinen" Licht erscheint. Kristina Söderbaum erhält als Beste Schauspielerin auf dem Filmfestival in Venedig den Volpi-Pokal. Ihr mehrfacher Tod im Wasser am Ende der melodramatischen Filme bringt ihr neben dem Filmpreis aber auch den Spottnamen "Reichswasserleiche" ein.

In der Doppelproduktion IMMENSEE (1943) frei nach Theodor Storm und OPFERGANG (1944) frei nach einer Novelle von Rudolf G. Bending übernimmt wieder Kristina Söderbaum die weibliche Hauptrolle. IMMENSEE (1943) erzählt von Elisabeth Uhl, die ihrem Mann treu bis nach dem Tod bleibt, und sich gegen ihre Liebe zu dem erfolgreichen Musiker Reinhart Torsten entscheidet. In OPFERGANG (1944) stört sie als temperamentvolle Aels das Leben eines frisch verheirateten Paares, verliebt sich in einen jungen Hamburger. Als ihr Tropenfieber wieder ausbricht, stirbt sie auch an gebrochenem Herzen. Ihre Asche wird ins Meer gestreut. Ihr letzter gemeinsamer Film im nationalsozialistischen Deutschland wird der Durchhaltefilm KOLBERG (1945), der noch kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in die Kinos kommen soll und offen das Durchhalten bis zum Letzten propagiert. Gewählt wird ein Ausschnitt aus den Napoleonischen Kriegen 1806: Die Stadt Kolberg wehrt sich gegen französische Truppen, trotz Übermacht erzwingen die Bewohner eine Wende. Kristina Söderbaum überbringt als Bauernmädchen Maria der Preußenkönigin Luise die patriotische Botschaft, das die Stadtbevölkerung nicht aufgeben wird und trotz der Verluste treu zum König steht.

Im Februar 1945 flieht Kristina Söderbaum mit ihrer Familie von Berlin nach Norddeutschland, über Lübeck nach Hamburg. Hier wird sie zeitweise festgesetzt, weil ihr Spionage vorgeworfen wird. Nach der Kapitulation steht sie auf der Theaterbühne. Filmangebote aus dem Ausland lehnt sie ab, in Deutschland arbeitet sie ebenfalls nicht, da Veit Harlan mit Berufsverbot belegt ist und 1949 wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit und seiner Beteilung an JUD SÜß (1940) angeklagt wird. Erst als ihr Ehemann freigesprochen wird und wieder arbeiten kann, steht auch sie wieder vor der Kamera unter seiner exklusiven Regie.

UNSTERBLICHE GELIEBTE (1950) schließt nahtlos an die nationalsozialistischen Produktionen an. Der Film wird nicht nur ein Publikumserfolg, sondern setzt wieder der Treue ein melodramatisches Denkmal. Hier spielt Kristina Söderbaum eine junge Bauerntochter, die sich in einen armen Maler verliebt, aber von ihrem Bruder zu einer Standesehe gezwungen werden soll. Danach sinkt der Stern des Filmpaares, ihre Filme haben nach kontroversen Diskussionen um ihre Schuld im Dritten Reichen keinen Erfolg mehr und bringen auch finanziell die Familie an den Rand des Ruins. Nach dem Tod von Veit Harlan 1964 bleibt Kristina Söderbaum verschuldet zurück. Mitte der 1960er Jahre absolviert sie eine Ausbildung als Fotografin, arbeitet danach als Mode- und Porträtfotografin in München. 1972 werden ihre Fotos erstmals in Graz ausgestellt. Ab Mitte der 1970er Jahre ist sie auch wieder vor der Kamera präsent: In Hans Jürgen Syberbergs KARL MAY (1974) spielt sie neben zahlreichen anderen Stars die Ehefrau des Schriftstellers. Danach sind es eher kleine Auftritte in unbedeutenden Filmen. Außerdem ist sie in einigen TV-Dokumentationen als Zeitzeugin präsent. 1983 erscheint ihre Autobiographie unter dem Titel "Nichts bleibt immer so".

Im April 1939 heiratet Kristina Söderbaum Veit Harlan, nachdem dieser sich von seiner zweiten Ehefrau, der Schauspielerin Hilde Körber, scheiden lassen hat. Gemeinsam haben sie zwei Söhne, Kristian (geb. 1939) und Caspar (geb. 1946). Caspar Veit Harlan wird später als Filmregisseur arbeiten. Anfang der 1950er Jahre kauft sich die Familie ein Haus am Starnberger See. Am 12. Februar 2001 stirbt Kristina Söderbaum in einem Pflegeheim in Hitzacker an der Elbe.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Feburar 2007

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