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Anthony Mann

Anthony Mann
Regie

* 30. Juni 1906
San Diego (Kalifornien)
USA
† 29. April 1967
Berlin
Deutschland

ANTHONY MANN • Biographie Seite 1/1

Der Regisseur Anthony Mann ist - obgleich auf dem Gebiet des film noir auch sehr versiert - berühmt für seine in den 1950er Jahren gedrehten amerikanischen Western. Die Zäsur des Zweiten Weltkriegs zieht eine Entwicklung des Westerns nach sich, die traditionelle Werte häufiger hinterfragt oder neue Elemente einführt. Gewalt im Kampf zwischen Gut und Böse ist ein konstitutiver Bestandteil des Genres. Anthony Mann behandelt die dualistische, mythische Welt des Westerns auf moderne Weise. Anhand des moralischen Kampfes seiner Helden erzählt er Tragödien mit psychologischer Tragweite. Ferner erhält das Verhältnis von Mensch und Natur einen wichtigen Stellenwert.

Anthony Mann wird am 30. Juni 1906 in San Diego, Kalifornien als Emil Anton Bundmann geboren. Er verlässt die Highschool und beginnt eine Laufbahn als Theaterschauspieler. Nach seiner Tätigkeit an verschiedenen Theatern, gibt er 1933 bei der Theater Guild sein Regie-Debüt. Ab 1936 arbeitet er als Regisseur beim Federal Theatre Project in New York.

1938 gelangt er über den Produzent David O. Selznick als Aufnahmeleiter nach Hollywood, und wird sich im Studio-System als kommerziell erfolgreicher Regisseur etablieren. 1939 geht er als Regie-Assistent zu Paramount, wo er unter anderem für Preston Sturges tätig ist, bis er bei dem Komödien-Thriller DR. BROADWAY (1942) selbst Regie führen darf. Anschließend dreht er ab 1943 für Republic, und ab 1945 für RKO B-Pictures verschiedenster Genres. Als sich herausstellt, dass er ein sicheres Gespür für die Erzählweise düsterer Geschichten hat, entsteht eine Reihe von Thrillern zumeist mit dem Kameramann John Alton. In dem film noir TÖDLICHE GRENZE (1949) kündigen die Landschaftsaufnahmen Anthony Manns Hinwendung zum Western an, andererseits ist sein Western FLUCH DES BLUTES (1950) noch im noir-Stil gedreht. Sein Überwechseln vom einen zum anderen Genre ist fließend, wobei der Western ohnehin gelegentlich von außen beeinflusst wird, sei es von der Kriminalliteratur oder von gesellschaftlichen Problemen der Zeit.

Anthony Manns erster Erfolg wird der realitätsnahe, nach authentischen Polizeiakten von Los Angeles gedrehte film noir GEHEIMAGENT T (1947). Es geht darin um den Einsatz von Undercover-Agenten durch das amerikanische Finanzministerium, um eine Falschmünzerbande unschädlich zu machen. Verbrechen werden hier relativ unverhohlen brutal dargestellt. FLUCHT OHNE AUSWEG (1948) ist ebenfalls ein klassischer film noir, der von einem Gefängnisausbruch, dem Rachegesuch an einem Verräter und einer Dreiecksbeziehung zwischen dem Protagonist und zwei Frauen handelt. Beide Filme zeichnen sich durch eine expressive Lichtführung und Kadrierung aus, an der John Alton, der auch die zwei nächstgenannten Filme fotografiert, maßgeblich beteiligt ist. Der Historienfilm DAS SCHWARZE BUCH (1949) über die Schreckenszeit nach der Französischen Revolution bescheinigt Anthony Manns Interesse an gewalttätigem Geschehen. Nach der Menschenhändlergeschichte TÖDLICHE GRENZE (1949) schließt der Film SIDE STREET (1950) den Noir-Zyklus.

In der Folge entstehen Anthony Manns Western, für die ihn die französische Filmkritik als "auteur" würdigt. Der Regisseur verwendet darin gerne extreme Totalen, um der weiten Landschaft, in der die Begegnung von Mensch und Natur stattfindet, gerecht zu werden. In FLUCH DES BLUTES (1950) thematisiert er frühamerikanischen Rassismus. Ein Indianer, der im Bürgerkrieg als Sergeant diente, muss nach seiner Rückkehr einen zweiten, für ihn tödlich endenden Kampf gegen seine Mitbürger führen, die ihm das Recht auf Land absprechen. WINCHESTER' 73 (1950) ist ein klassischer Western und bildet den Auftakt der Zusammenarbeit des Regisseurs mit James Stewart für eine Reihe von Spätwestern. Außerdem leitet der Film die Wende zum "Adult Western" ein, der wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr nur den Wunsch nach Unterhaltung bedient, sondern auch Anlass zur Reflexion gibt. Der Filmtitel ist zugleich der Name eines gestohlenen Gewehrs, um dessen Suche sich alles dreht, bis es zu einem Brudermord kommt. Während der Film von Hass erzählt, und damit auch vom Verlust des Mythos' eines freien Lebens, findet die Verhärtung der Menschen eine Entsprechung in der rauen Felslandschaft. NACKTE GEWALT (1953) erweist sich durch das Ausreizen von Grenzsituationen als Anthony Manns kompromisslosester Western. James Stewart in der Hauptrolle spielt darin einen Bürgerkriegsrückkehrer, der als Kopfgeldjäger nahezu psychotisch wird. Am Ende ist es eine Frau, die ihn bändigt (eine im Western wiederkehrende Rollenzuteilung). Mitunter wird in dem Film ein Reflex auf die Grauen des Zweiten Weltkriegs gesehen.

In MEUTEREI AM SCHLANGENFLUSS (1952) wird die Natur zum eigentlichen Fokus, sozusagen zum Feld der Prüfungen, denen der Protagonist (James Stewart) ausgesetzt ist. In ÜBER DEN TODESPASS (1954) erscheint die Landschaft mit all ihren Sonnen- und Schattenseiten, wobei sich der Held in seiner gemeinschaftlichen Verantwortung sozialer erweist als in früheren Filmen. Eine versöhnlichere Tonart schlägt auch der Kavallerie-Western DRAUSSEN WARTET DER TOD (1955) mit Victor Mature ein. DER MANN AUS LARAMIE (1955) ist Anthony Manns letzter Western mit James Stewart, den der Kameramann Charles Lang in Cinemascope filmt. Ein Mann sucht die Mörder seines Bruders und gerät in eine Spirale der Gewalt, die in die für den Regisseur untypisch epische Erzählung einbricht. Das Tragische in Anthony Manns Filmen ist, dass die gequälten Protagonisten keinen anderen Weg sehen, als Gewalt mit gleichsam unmenschlichen Mitteln zu bekämpfen.

In dem Sinne ist auch die Kernaussage des Westerns DER STERN DES GESETZES (1957) mit Henry Fonda und Anthony Perkins, dass sich das Gesetz nur mit Gewalt durchsetzen lässt. Der letzte Western des Regisseurs DER MANN AUS DEM WESTEN (1958) handelt von einem ehemaligen Banditen (Gary Cooper), der infolge eines Zugüberfalls in die Fänge seines Ziehvaters und dessen verbrecherische Bande gerät. Wieder muss der (nun) Gute den Bösen paradoxerweise töten, wobei ihr früheres quasi Vater-Sohn-Verhältnis das Thema variiert.

Anthony Mann dreht mit James Stewart auch in anderen Genres: in DIE TODESBUCHT VON LOUISIANA (1953), der von dem Konflikt zwischen einem Ölkonzern und Fischern handelt, in dem Musical DIE GLENN MILLER STORY (1953) und in einem Propagandafilm für die amerikanische Nuklear-Politik IN GEHEIMER KOMMANDOSACHE (1955). Mit der eigens gegründeten Produktionsfirma Security Pictures entstehen TAG OHNE ENDE (1957) und GOTTES KLEINER ACKER (1958). Nach dem Beginn der Regiearbeit für den Monumentalfilm SPARTACUS (1960) veranlasst der Produzent und Hauptdarsteller Kirk Douglas, dass Anthony Mann von Stanley Kubrick abgelöst wird. Mit der Adaption des spanischen Nationalmythos EL CID (1961) und dem aufwendigen Kostümfilm DER UNTERGANG DES RÖMISCHEN REICHES (1964) dreht Anthony Mann zwei Kolossalfilme in Ultra-Panavision, die zu den gelungensten der europäischen Hollywood-Großproduktionen der 1960er Jahre zählen.

Der Filmemacher ist zweimal verheiratet. Seine erste Ehe führt er mit Mildred Mann von 1936 bis 1957. Gemeinsam haben sie ein Kind. Nach der Scheidung tritt er mit der spanischen Schauspielerin Sara Montiel vor den Altar; die Ehe hält von 1957 bis 1963. Während der Dreharbeiten zum Agententhriller TODESTANZ EINES KILLERS (1967) in Berlin stirbt Anthony Mann an einem Herzanfall. Der Hauptdarsteller Laurence Harvey beendet den Film.

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Autorin: Rahel Gläser
Stand: Mai 2009

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