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Robert Mitchum

Robert Mitchum
Darsteller

* 06. August 1917
Bridgeport (Connecticut)
USA
† 01. Juli 1997
Santa Barbara (Kalifornien)
USA

ROBERT MITCHUM • Biographie Seite 1/1

Von den 1940er bis 1960er Jahren ist Robert Mitchum einer der populärsten amerikanischen Schauspieler. Sein Spiel ist konstant durch eine Form des Unterspielens charakterisiert, manchmal hebt er nur eine Augenbraue, um die stoische Gefühlswelt seiner Protagonisten zum Ausdruck zu bringen. Er ist lässig, spielt seine Parts betont minimalistisch-lakonisch. Seine proletarische Herkunft verleugnet er in seinen mehr als 120 Filmen nicht, vielleicht macht seine robuste Art, sein unverhohlener Sex-Appeal gepaart mit der verführerischen Kraft seiner Rollen die Popularität des Schauspielers aus.

Robert Mitchum wird als Robert Charles Durman Mitchum am 06. August 1917 in Bridgeport, Connecticut geboren. Sein Vater, der über schottisch-irische Wurzel väterlicherseits verfügt und dessen Mutter von Blackfoot-Indianer abstammt, stirbt ein Jahr nach seiner Geburt bei einem Unfall. Seine Mutter Ann Gunderson, die aus Norwegen stammt, bringt ihre älteste Tochter, Robert sowie einen jüngeren Sohn allein und mit Hilfe ihrer Großeltern durch. Sie arbeitet als Linotypistin, 1927 heiratet sie wieder. Robert Mitchum besucht die McKinsey Grammar School. Früh schreibt er Gedichte. Als seine Schwester Julie Mitchum (geb. 1914) eine Anstellung bei einer Tanzgruppe für Vaudeville-Bühnen erhält, zieht die Familie ihr nach New York in den berüchtigen Stadtteil "Hell's Kitchen" nach.

Mit 15 Jahren läuft er von zu hause weg, trampt nach Massachusetts und gibt sich als 18jähriger aus, um auf einem Schiff anzuheuern. In den nächsten Jahren trampt er durch das Land, nimmt Gelegenheitsarbeiten an, reist mit Wanderarbeitern von Job zu Job, wird wegen Landstreicherei verurteilt und muss in einer Straßenbrigade Ausbesserungsarbeiten ableisten. Er verdient sich Geld auch als Preisboxer. Seine Schwester überredet ihn, es mit der Schauspielerei zu versuchen. Obwohl er nie eine schauspielerische Ausbildung genossen hat, tritt er bald als Darsteller am Broadway auf: Er verfügt über den nötigen Instinkt für seine Rollen. Zudem schreibt er Bühnenstücke, inszeniert zwei Kinder-Theaterspiele. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, arbeitet er tagsüber als Blechstanzer in der Lockheed-Flugzeugfabrik, steht abends auf der Theaterbühne.

Seine Filmkarriere beginnt Robert Mitchum in der Hopalong Cassidy-Serie mit William Boyd in der Hauptrolle. Er spielt in BORDER PATROL (1943) von Lesley Selander den skrupellosen Handlanger eines Silberminenbesitzers, der mexikanische Sklaven für sich arbeiten lässt. Er erregt Aufmerksamkeit und spielt in sieben weiteren Folgen der populären Western-Reihe mit. Im selben Jahr steht er auch in zahlreichen B-Movies weiterer Produktionsfirmen vor der Kamera, allein 19 Filme kommen 1943 mit ihm in Nebenrollen in die Kinos. In dem Thriller HEIRATE NIEMALS EINEN FREMDEN (1944) von William Castle, der zu den besten B-Movies der Zeit gehört, spielt er erstmals eine größere Rolle. Danach wird er bei RKO mit einem Sieben-Jahres-Vertrag fest angestellt.

In den nächsten 10 Jahren produziert er für RKO mehrere Erfolge. In dem Kriegsfilm SCHLACHTGEWITTER AM MONTE CASSINO (1945) von William A. Wellman überzeugt er als Leutnant der Infanterie und erhält dafür seine erste (und einzige) Oscar-Nominierung als Bester Nebendarsteller. Im April 1945 wird er zur Armee eingezogen, ist insgesamt acht Monate dabei. Danach wird er mehrfach von RKO ausgeliehen und nicht immer gemäß seinem Image eingesetzt. Erst als die Regisseure des film noir den lakonischen Schauspieler für sich entdecken, ändert sich das: Er ist ein perfekter Akteur für diese Filme. Seine erste wirklich große Rolle spielt er in dem psychologischen Western VERFOLGT (1946) von Raoul Walsh, in dem er als Außenseiter Jeb Rand beweist, welch schauspielerischen Möglichkeiten er hat. Nur zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges prangert der Film KREUZFEUER (1947) von Edward Dmytryk Rassismus und Antisemitismus in Amerika an. Hier spielt Robert Mitchum Sergeant Keeley, der nach dem wahren Täter sucht. In dem Klassiker GOLDENES GIFT (1947) von Jacques Tourneur verkörpert er einen Privatdetektiv, der die Geliebte eines Gangsters überwachen soll. Er verliebt sich in die Frau, wobei er mehr und mehr feststellen muss, dass sie nicht seinem Bild entspricht und auch vor Mord nicht zurückschreckt. Die Rolle des Mannes, der als Außenseiter gilt und die Welt ohne Illusionen wahrnimmt, sein Schicksal lakonisch akzeptiert, ist dem Schauspieler auf den Leib geschrieben. In der Folge perfektioniert der Schauspieler sein Image des Aussenseiters, der tolerant gegenüber anderen ist, solange sie ihn in Ruhe lassen. Er verfolgt seine eigenen Ziele, ist nicht selbstgerecht oder gleichgültig, lässt sein Gewissen entscheiden. Und er arbeitet an seinem Stil, an Formen des Unterspielens und des Understatements, die er wie kein Anderer beherrscht.

Aber er kann auch mehr. In dem Kult-Klassiker DIE NACHT DES JÄGERS (1955) von Charles Laughton verkörpert er den psychopathisch-dämonischen, brutalen Wanderprediger Harry Powell, der es auf die zwei Kinder seines ehemaligen Zellengenossen abgesehen hat, um an die versteckte Beute aus einem Raub zu gelangen. Der Film besticht durch eine intensive und beklemmende Atmosphäre, LOVE und HATE sind auf die Knöchel des Mörders tätowiert und Robert Mitchum schafft es, den Widerstreit von Gut und Böse brillant in Szene zu setzen. In EIN KÖDER FÜR DIE BESTIE (1962) von J. Lee Thompson spielt er einen Schurken, der sich an seinem Verteidiger rächt. Nach seiner Haftentlassung bedroht er massiv dessen Familie. Der Film gilt heute als Klassiker.

Robert Mitchum verkörpert durch seine robuste Art auch einen Typ von Mann, der über einen unverhohlenen Sex-Appeal verfügt. Er steht mit den angesagtesten Hollywood-Darstellerinnen vor der Kamera, etwa mit Marilyn Monroe in dem Western-Melodram FLUß OHNE WIEDERKEHR (1954) unter der Regie von Otto Preminger, mit Deborah Kerr in dem Abenteuerfilm DER SEEMANN UND DIE NONNE (1956) von John Huston oder mit Elizabeth Taylor in dem Psychodrama EINE FRAU AUS DEM NICHTS (1968) von Joseph Losey. In dem epischen Melodram RYANS TOCHTER (1970) von David Lean gibt er einen Lehrer, in den sich eine ehemalige Schülerin verliebt. Die Ehe kann aber den romantischen Erwartungen der jungen Frau nicht gerecht werden.

Auch im höheren Alter spielt Robert Mitchum unverdrossen. Ab den 1980er Jahren arbeitet er verstärkt für das Fernsehen. In TOTE KRIEGEN KEINE POST (1982) spielt er einen heruntergekommener Privatdetektiv, der in eine Erpressungsgeschichte schlittert. Anfang der 1990er Jahre holt ihn Martin Scorsese nochmals auf die große Leinwand zurück. Er dreht mit KAP DER ANGST (1991) ein Remake des Klassiker EIN KÖDER FÜR DIE BESTIE (1962) und verbeugt sich mit einer kleinen Rolle vor Robert Mitchum. Eine seiner letzten Rollen verkörpert er unter der Regie vom Jim Jarmusch. In DEAD MAN (1995) spielt er einen reichen Sägewerkbesitzer, vor dem die Bewohner des Ortes erzittern.

Robert Mitchum ist nicht der angepasste Studio-Schauspieler, er fällt durch Rangeleien mit Polizisten auf, verstösst auch gegen das Rauchgiftgesetz und kommt für 60 Tage ins Gefängnis. Seine proletarische Herkunft verleugnet er nicht, vielleicht macht seine gewisse Vulgarität gepaart mit der verführerischen Kraft seiner Rollen die Popularität des Schauspielers aus. Im März 1940 heiratet er Dorothy Spence, die er bereits seit ihrem 14. Lebensjahr kennt und mit der bis seinem Tod zusammenleben wird. Gemeinsam haben sie drei Kinder: James Mitchum (geb. 1941) und Christopher Mitchum (geb. 1943), die beide ebenfalls als Schauspieler arbeiten werden, sowie Trini Mitchum (geb. 1954). Auch seine Enkel Bentley Mitchum (geb. 1967) sowie Carrie Mitchum (geb. 1965) werden später Schauspieler.

Robert Mitchum stirbt am 01. Juli 1997 in Santa Barbara, Kalifornien.

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