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Nicolas Winding Refn

Nicolas Winding Refn
Regie, Drehbuch

* 29. September 1970

NICOLAS WINDING REFN • Biographie Seite 1/1

Der dänische Regisseur und Drehbuchautor Nicolas Winding Refn, der größtenteils in New York aufgewachsen ist, zählt derzeit zu den spannendsten Filmemachern. Sein schnörkelloser, visuell eindrucksvoller und dramaturgisch außergewöhnlicher Stil, in dem er seine knüppelharten Dramen präsentiert, kommt bei Publikum wie Kritik gleichermaßen an.

Am 29. September 1970 kommt Nicolas Winding Refn in Kopenhagen zur Welt. Mit 8 Jahren zieht er mit seiner Familie nach New York. Im späten Teenageralter, genauer mit 17 Jahren, kehrt er kurzzeitig nach Kopenhagen zurück, um seinen Gymnasialabschluss zu machen. Direkt im Anschluss wird jedoch wieder New York seine Heimat, wo er sich an der American Academy of Dramatic Arts einschreibt. Dort fliegt er aber nach einem Zwischenfall mit einem an einer Wand geworfenen Tisch schnell wieder raus. Doch das Filmgeschäft, das ihn durch seinen Vater Anders Refn, der als Regisseur und Cutter arbeitet, seit frühester Kindheit an begleitet, gibt er deswegen noch lange nicht auf. Er bewirbt sich an der Dänischen Filmschule, die ihn aufnimmt. Doch Nicolas Winding Refn tritt die Ausbildung gar nicht erst an, da ihm ein Angebot gemacht wird, das er nicht ausschlagen kann.

Einer seiner Kurzfilme wird auf einem Kabelsender ausgestrahlt und begeistert einen Produzenten dermaßen, dass der Nicolas Winding Refn 3,2 Millionen Kronen anbietet, damit er daraus einen Spielfilm macht. Mit gerade einmal Mitte Zwanzig dreht er seinen Debütfilm PUSHER (1996), zu dem er auch das Drehbuch verfasst und in dem er selber eine kleine Rolle übernimmt. Der mit Kim Bodnia und dem damals noch recht unbekannten Mads Mikkelsen besetze Drogenthriller nötigt der Kritik Respekt ab, der düstere Look und der erhebliche Gewaltanteil machen PUSHER schnell über die dänische Grenze hinaus bekannt.

Dieser Film und der dort begonnene Stil begleiten die Karriere von Nicolas Winding Refn künftig. Das harte und spannende, im Drogenmilieu spielende Thrillerdrama baut er zur Trilogie aus. In eher bedächtigen, durch den ungeschönten Realitätsbezug jedoch äußerst eindrücklichen Bildern erzählt Nicolas Winding Refn in PUSHER II die Geschichte des Ganoven Tonny weiter, der, gerade aus dem Knast entlassen, erfolglos versucht, sein Leben auf die Reihe zu bringen. Mit der in Teil 2 eingeführten Figur Milo, die Zlatko Burić verkörpert, schließt der dänische Erfolgsregisseur die Reihe mit einem Paukenschlag ab. Nicolas Winding Refn präsentiert wiederum eine Welt, die dreckig, brutal und kaputt ist, durchzieht das Drama aber mit unterschwelligem, zynisch anmutenden Humor.

Sowohl diese reduzierte, kalte, harte visuelle Darstellung wie auch bestimmte Schauspieler charakterisieren seine Filme. So tauchen in dem Drama BLEEDER (1999) wiederum Kim Bodnia und Mads Mikkelsen auf. Nicolas Winding Refns Begeisterung für zerstörte Existenzen, die einer tristen, lieblosen Welt ihr Dasein fristen, wird auch in seinem zweiten Film deutlich. Ebendiese Faszination für gewalttätige gesellschaftliche Außenseiter zelebriert der Däne auch in BRONSON (2009) mit Tom Hardy als Hauptdarsteller. In kunstvoll arrangierten Bildern, angereichert mit larmoyantem Humor und schockierender Härte schildert er das Leben des tatsächlich existenten brutalen Schwerverbrechers Michael Peterson, von allen nur "Charles Bronson" genannt. Die Charakterstudie ist in gleichem Maße intelligent wie erschreckend und scheut sich nicht, die Wirkung des britischen Strafvollzugs zu kritisieren. Hier zeigt sich ein weiteres Mal, dass Nicolas Winding Refn Filme macht, die unter einer Schicht aus Schmutz, Gleichgültigkeit und Gewalt einen Kern beinhalten, der die Rezipienten zum Nachdenken anregt.

Mit WALHALLA RISING (2009) setzt er einen Markstein in seinem künstlerischen Schaffen. Das mit Mads Mikkelsen in der Hauptrolle besetzte, vollkommen stilisierte Wikingerabenteuer entzieht sich der Genregrenzen und der üblichen Bewertungen. Lange Einstellungen und bohrendes Schweigen wechseln sich mit reichlich brutalen Szenen ab. Die Meinungen zu diesem Werk sind gespalten, mancher erkennt in diesem Werk zutiefst philosophische Aussagen und herausragenden künstlerischen Anspruch, andere empfinden WALHALLA RISING als ermüdenden und anstrengenden Film, der sich durch Splattereinlagen selbst verrät.

Nicolas Winding Refn ist kein Regisseur, der sich in eine Schublade stecken lässt, seine Werke sind in ihrer Form einzigartig und eigenartig. Sein stark an der bitteren Realität orientiertes Leitmotiv hält er dabei jedoch nicht strikt ein, sondern wagt sich, wie bei FEAR X (2003) mit John Turturro in der Hauptrolle, auch in mysteriöse Gefilde. Doch auch dabei bleibt Nicolas Winding Refn seinem ihm eigenen, unaufdringlichen, jedoch umso mehr eindringlichen Stil treu. Dieser kann auch in seinem neuesten Film DRIVE (DRIVE Trailer) (2011) bewundert werden. Sein Debüt als Hollywoodregisseur handelt von dem von Ryan Gosling gespielten Stuntman Driver, der seine Dienste als Fluchtwagenfahrer anbietet und dessen unnahbares Auftreten sich durch den Kontakt zu seiner neue Nachbarin Irene, verkörpert von Carey Mulligan, reduziert, was Konsequenzen nach sich zieht. Film, Schauspieler und Regisseur werden hochgelobt und konnten bereits einige Preise, unter anderem den Preis für die Beste Regie beim Filmfestival Cannes, abräumen.

Nicolas Winding Refn ist mit der dänischen Schauspielerin Liv Corfixen, die er in einigen seiner Filme besetzt hat, verheiratet. Gemeinsam hat das Paar ein Kind.

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Autor: Nils Pape
Stand: Januar 2012

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