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Gene Tierney

Gene Tierney
Darsteller

* 19. November 1920
Brooklyn (New York)
USA
† 06. November 1991
Houston (Texas)
USA

GENE TIERNEY • Biographie Seite 1/1

Gene Tierney ist eine Legende des Kinos der 1940er Jahre. Von seltener Schönheit und sehr begabt, verzaubert sie mit ihrem traurigen Lächeln ein Millionenpublikum. 24jährig erreicht sie als Laura in Otto Premingers gleichnamigen film noir ihren Zenit. Ihr Ruhm ist allerdings nur von kurzer Dauer. Durch eine Serie von Schicksalsschlägen und der fehlenden Elefantenhaut schlittert Gene Tierney in eine schwere Depression mit Anzeichen von Paranoia. Für instabile Persönlichkeiten ist Hollywood seit jeher ein gefährliches Pflaster.

Gene Tierney wird am 20. November 1920 in Brooklyn, New York geboren. Ihr Vater ist ein erfolgreicher Broker, die Mutter, Belle Taylor Tierney, eine ehemalige Gymnastiklehrerin. Gene Tierney verbringt den Großteil ihrer Kindheit in einem Landhaus in Connecticut mit Dienerschaft, einer Yacht, Pferden und einem großen Garten. Mit 15 Jahren wird sie auf eine Eliteschule nach Lausanne in die Schweiz geschickt. Im Juni 1937 unternimmt sie mit ihrem Bruder und einigen Freunden eine halbjährige Reise durch acht europäische Länder.

Im Alter von 17 Jahren beginnt Gene Tierney ihre Karriere am Broadway unter George Abbott, ohne jemals Schauspielunterricht genommen zu haben. Bald darauf folgt ein Angebot von den Columbia Studios in Hollywood. Ihr Vater Howard Tierney gründet die Kapitalgesellschaft Belle Tier, in welcher 25 % ihrer Einnahmen angelegt werden. Schon bald macht sie die Bekanntschaft des Millionärs Howard Hughes, dessen Geliebte sie wird. Bei den Columbia Studios verdient sie 350 Dollar pro Woche, ohne jedoch Rollen zu erhalten. Nach Ablauf ihres Sechs-Monats-Vertrags kehrt sie an den Broadway nach New York zurück. Sie spielt eine tragende Rolle in dem Stück "The Male Animal" und erhält lobende Kritiken. Es folgt ein Angebot von Darryl F. Zanuck, dem Boss der 20th Century Fox. Nun kann sie die Spielregeln festlegen: Sie fordert ein Filmangebot innerhalb der folgenden 30 Tage, wünscht, dass ihre Haare weder gefärbt noch geschnitten werden und schließt eine chirurgische Korrektur ihrer leicht schiefen Zähne aus. Ihre Gage beträgt nun 750 Dollar die Woche.

Sie spielt zunächst unter der Regie von Fritz Lang eine Reporterin in dem Film RACHE FÜR JESSE JAMES (1940) an der Seite von Henry Fonda. Der Film wird ein Kassenschlager, doch sie bekommt nur einen Award für die schlechteste Entdeckung des Jahres. Es folgt TRAPPER DES HOHEN NORDENS (1941) sowie TABAKSTRASSE (1941) von John Ford. Aber schon hier zeigen sich erste gesundheitliche Probleme: Gene Tierney leidet unter Magenkoliken. Sie will zurück an den Broadway, sobald die sechs Monate, für die sie sich vertraglich verpflichtet hat, vorüber sind. Ein verlockendes Angebot vom Theater winkt, als sie zur Kenntnis nehmen muss, dass ihr Vater, Vorstand von Belle Tier, ihre Verträge mit der 20th Century Fox verändert hat. So bleibt sie gezwungenermaßen. Bald wird sie erfahren, dass er, inzwischen pleite, aus dem Belle Tier Fonds seine Schulden bezahlt. Während ihr die Mutter in Hollywood zur Seite steht, wendet er sich deren wohlhabenden Freundinnen zu und verlangt die Scheidung. Gene Tierney, die stark emotional an ihre Mutter gebunden ist, erlebt die Ereignisse als Erschütterung und sagt sich von ihrem Vater los.

Gegen den Rat ihrer Mutter heiratet sie am im Juni 1941 heimlich den ehemaligen russischen Grafen Oleg Cassini, der sich in Hollywood als Modeschöpfer über Wasser hält. Filme dieser Zeit sind BELLE STAR (1941), DIE WAFFENSCHMUGGLER VON KENIA (1941) und ABRECHNUNG IN SHANGHAI (1941) von Josef von Sternberg. Im Jahr darauf dreht sie ABENTEUER IN DER SÜDSEE (1942) und DAS GROSSE SPIEL (1942), ein Film, der ein großer Erfolg an den Kinokassen wird. Während der Dreharbeiten wird Pearl Harbour von den Japanern attackiert. Die Dreharbeiten in Catalina Island müssen abgebrochen werden. Es folgen THUNDERBIRDS (1942), CHINA GIRL (1942) und EIN HIMMLISCHER SÜNDER (1943), eine Komödie unter der Regie von Ernst Lubitsch. Während der Dreharbeiten entdeckt sie, dass sie schwanger ist. Das Kind, Daria, kommt am 15. Oktober 1943 blind zur Welt und wird auf der Entwicklungsstufe von etwa 19 Monaten stehen bleiben. Ursache ist eine Rötelinfektion Gene Tierneys im Frühstadium ihrer Schwangerschaft. Zunächst ist die Behinderung von Daria kaum sichtbar, und die Mutter weigert sich, die Diagnose zu glauben.

Mit LAURA (1944) unter der Regie von Otto Preminger feiert die Schauspielerin ihren größten Erfolg. Der film noir wird zwar von der Presse verrissen, aber das Publikum liebt ihn. Er wird ein Kassenerfolg und macht Gene Tierney sowie Dana Andrews als Inspektor McPherson auch in Europa bekannt. Von allen Regisseuren versteht es Otto Preminger am besten, Gene Tierneys Persönlichkeit mit einer Filmfigur zu verschmelzen. Sie verkörpert eine zurückhaltende, etwas naive junge Frau, die von unergründlichen Rätseln umgeben ist. Die geheimnisvolle Ausstrahlung, die sie umgibt, macht sie perfekt für die Rolle eines Mordopfers, welches aus dem Reich der Toten zurückzukehren scheint. Ihr nächster großer Erfolg ist TODSÜNDE (1945) mit Cornel Wilde und Vincent Price in den Hauptrollen. In diesem film noir, in Farbe gedreht, verkörpert sie Ellen Berent, eine pathologisch eifersüchtige, junge Ehefrau, deren besitzergreifende Liebe schließlich in Verbrechen endet. Für ihr glaubwürdiges Spiel der kranken Frau bekam sie eine Oscar-Nominierung als Beste Schauspielerin. Den Preis erhält jedoch Joan Crawford für ihre Hauptrolle in SOLANGE EIN HERZ SCHLÄGT (1945).

Während der Dreharbeiten zu WEIßER OLEANDER (1945), ein melodramatischer Gothic-Thriller, lernt sie den Politiker John F. Kennedy kennen und verliebt sich in ihn. Es folgt der Film AUF MESSERS SCHNEIDE (1946) mit Tyrone Power, in dem Anne Baxter eine Nebenrolle spielt und dafür den Oscar erhält. Der Film, heute etwas langatmig, ist zu seiner Zeit ein großer Erfolg. Auch hier spielt Gene Tierney eine junge Frau, deren obsessive Liebe zu dem tiefgründigen Larry eine Tragödie auslöst und ihr nur die Verachtung des einstigen Verlobten einbringt. Der Zwiespalt von den fein geschnittenen Gesichtszügen Gene Tierneys einerseits und ihren etwas verruchten Rollen andererseits findet keine Fortsetzung mehr.

Ende der 1940er Jahre spielt Gene Tierney häufig in drittklassigen Filmen, ihre Rollen transportieren klischeehaft ein konventionelles, in erster Linie passives Frauenbild. Sie dreht THE GHOST AND MRS. MUIR (1947), DER EISERNE VORHANG (1948), FRAU AM ABGRUND (1949) unter Otto Preminger sowie DIE RATTE VON SOHO (1950) mit Richard Widmark. Der Film wird in London gedreht, Gene Tierney spielt darin keine tragende Rolle mehr. Die Liebe zu John F. Kennedy muss sie beenden, da er vor seiner Wahl zum Präsidentschaftskandidaten steht. Als geschiedene Frau und Schauspielerin kommt sie als First Lady nicht in Frage. Sie wendet sich erneut ihrem Exmann Oleg Cassini zu und bringt am 19. November 1948 ein gesundes Mädchen namens Christina zur Welt.

Gene Tierney stürzt sich in die Arbeit, nimmt jede Rolle an, die ihr angeboten wird, doch ihre große Zeit ist vorbei. Gekonnt überspielt sie noch eine zeitlang ihre innere Zerrüttung. Die Ehe mit dem krankhaft eifersüchtigen Oleg Cassini ist endgültig gescheitert. Unmerklich entwickelt sie erste Anzeichen einer Paranoia. Sie hat größte Mühe, ihre Texte zu memorieren, und verliert zunehmend die Orientierung. Inzwischen ist sie mit dem Playboy Prinzen Ali Khan, dem Exmann von Rita Hayworth, liiert. Das Jet-Set-Leben ändert nichts an ihrem immer offenkundiger werdenden psychischen Ausnahmezustand. DIE LINKE HAND GOTTES (1955) mit Humphrey Bogart ist ihr vorläufig letzter Film. Nach Ende der Dreharbeiten ist Gene Tierney nicht mehr in der Lage, eine Rolle anzunehmen.

Es folgen längere Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken, wo sie mit Elektroschocks behandelt wird. Nach insgesamt 32 dieser Behandlungen verliert Gene Tierney große Teile ihrer Erinnerung. In ihrer Autobiographie Self Portrait, etwa zwanzig Jahre später verfasst, beschreibt sie die desolaten Verhältnisse der psychiatrischen Anstalten, in denen die Patienten komplett von der Außenwelt isoliert sind. Nach der Unwirklichkeit und teils hysterischen Alltagswelt Hollywoods ist sie nun gegen ihren Willen in einem anderen Theater gelandet. Der verstörte Zustand Gene Tierneys ändert sich auch nach ihrer Entlassung nicht. Sie wird von schweren Depressionen heimgesucht. Im Frühjahr 1958 unternimmt sie einen Selbstmodversuch. Es folgt der dritte Krankenhausaufenthalt, diesmal in einer Privatklinik in Kansas, die den Ruf genießt, die beste psychiatrische Anstalt der Welt zu sein. Für die Kosten kommt ihr Bruder Dutch auf. Hier gibt es Kunst- und Beschäftigungstherapie, sowie Einzelgesprächstherapie. Gene Tierney erholt sich langsam von ihrer Zerrüttung, doch wird sie bis ans Ende ihres Lebens in Behandlung bleiben und ständig Medikamente einnehmen.

Am 11. Juli 1960 heiratet sie den texanischen Öltycoon Howard Lee, mit dem sie eine glückliche Ehe führt. In dem politischen Drama STURM ÜBER WASHINGTON (1962) unter der Regie von Otto Preminger erscheint sie nochmals auf der Leinwand in einer Nebenrolle. Der Film spielt teilweise im Weißen Haus in Washington. Anlässlich eines Gala-Dinners für die Filmcrew begegnet sie erneut John F. Kennedy, der inzwischen Präsident der Vereinigten Staaten ist. Noch zweimal spielt sie Nebenrollen in PUPPEN UNTERM DACH (1963), eine Produktion von United Artists und in DREI MÄDCHEN IN MADRID (1964) wieder bei der 20th Century Fox. Danach erscheint sie nur noch in kleineren Fernsehrollen.

1978 verfasst sie zusammen mit dem Journalisten Mickey Herskowitz ihre Autobiografie. Erstaunlich offen erzählt sie darin über die Höhen und Tiefen ihres Lebens. In großen Zeitsprüngen rekonstruiert sie in diesen Memoiren ihre Vergangenheit. Zuletzt engagiert sie sich im sozialen Bereich für geistig behinderte Kinder und psychisch kranke Menschen.

Gene Tierney stirbt am 6. November 1991 im Alter von siebzig Jahren an einem Lungenemphysem.

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Autorin: Sanna Böswirth
Stand: Dezember 2008

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