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Roscoe Arbuckle

Roscoe Arbuckle
Regie, Drehbuch, Darsteller

* 24. März 1887
Smith Center (Kansas)
USA
† 29. Juni 1933
New York (New York)
USA
andere Namen Roscoe Conkling Arbuckle; Roscoe "Fatty" Arbuckle

ROSCOE ARBUCKLE • Biographie Seite 1/1

Roscoe Arbuckle, genannt "Fatty" oder auch "die menschliche Bombe" ist einer der großen Slapstick-Stars der frühen US-Stummfilmzeit. Hinter seiner imposanten Erscheinung, die immerhin mehr als 160 kg auf die Waage bringt, verbirgt sich eine unglaubliche Beweglichkeit. Durch sein Babyface-Image und die Tollpatschigkeit, mit er durch die Gegend stampft, wird er zum Liebling des damaligen Publikums. Besonders an der Seite von Buster Keaton läuft er zur Hochform auf. Aber seine Karriere findet durch einen Skandal 1921 ein abruptes Ende.

Roscoe Arbuckle ist am 24. März 1887 in Smith Center, Kansas geboren. Zur Familie, der die Eltern William Goodrich Arbuckle und Mollie Arbuckle vorstehen, gehören noch acht weitere Kinder. Schon früh steht er auf der Theaterbühne, ab 1895 arbeitet er bei der Frank Bacons Stock Company und sammelt zwischen 1902 bis 1908 auf verschiedenen Tourneen durch das Land zahlreiche Erfahrungen. Er ist bei Wanderbühnen engagiert, tritt in Burlesque Shows auf und ist Mitglied in Vaudeville-Ensembles.

Um 1908 geht er nach Los Angeles und entdeckt den Film für sich. Zunächst arbeitet er als Statist. Im Sommer 1909 unterschreibt er bei dem Filmstudio Selig Polyscope Company einen Vertrag. Mehrere Jahre tritt er in Kurzfilmen auf, die aber keinen bleibenden Eindruck bei Produzenten hinterlassen. 1913 entdeckt ihn der Filmproduzent Mack Sennett, seines Zeichens Chef des Keystone Studios. Das Studio gilt heute als die Schule der frühen US-Komödie, da die meisten der späteren Komiker aus ihm hervorgegangen sind: Charles Chaplin, Harold Lloyd oder Ben Turpin. Slapstick und körperliches Spiel stehen hier im Vordergrund. Der Schauspieler wechselt also um 1913 das Studio und nun beginnt die Karriere des Roscoe Arbuckle. Zunächst ist er Mitglied der "Keystone Cops", einer Gruppe von Polizisten, sie sollen kleine Verbrecher jagen, hinterlassen dabei aber eine Spur der Zerstörung. Die Ordnungshüter sind es letztlich, die das Chaos anrichten, welches sie eigentlich abstellen sollen. Hier entwickelt Roscoe Arbuckle bald Starqualitäten, so dass er an der Seite von großen Komikern vor der Kamera steht. Er arbeitet mit Charles Chaplin zusammen, mit Ford Sterling und Mabel Normand. Sein Erfolgen kann er auch in Münze umwandelt: Er ist einer der ersten Darsteller, der in Werbefilmen auftritt.

Roscoe Arbuckle, liebevoll als "Fatty" und auch "lebende Bombe" benannt, wird der Star diverser Slapstick-Serien. Die Beinamen verweisen auf sein Image und die Rollen in seinen Filmen. Er ist der träge Dicke, ein übler Faulenzer. Sein Körper ist eine ruhende Wucht und wenn die einmal in Bewegung gesetzt wird, dann ist sie nicht mehr zu halten. Trotz seiner Körperfülle zeichnet ihn eine dynamische Beweglichkeit aus, die er gezielt einsetzt. Seine Komödien sind ausgelassener Klamauk. Sie werden von diversen Verfolgungen beherrscht, von Hunderten Varianten des Fallens, von witzigen Kampfszenen. Tortenschlachten gehören ebenfalls zum Repertoire, sie werden zu seinem Markenzeichen, weil er die Torten mit beiden Händen in verschiedene Richtungen wirft. Er gehört in den frühen Stummfilmtagen zu den "Babyface-Komikern". Das Image baut er mit zu kurzen Hosen und zu kleinen Hüten aus. Häufig trägt er Monteuranzüge, die an einen übergroßen Strampelanzug erinnern. Tollpatschig stampft er durch die Gegend. Doch das Babyface ist oft nur Fassade, seine Augen können böse aufblitzen und andere terrorisieren.

1917 wechselt er zum Filmproduzenten Joseph Schenck. Von ihm erhält er sein eigenes Studio, das er Comique Film Company nennt. Hier beginnt auch seine langjährige Zusammenarbeit mit Buster Keaton, den er entdeckt und anlernt. Der später Star-Komiker verdankt ihm vieles und betont dies auch immer wieder öffentlich: "Ich lernte alles von ihm". Bis 1919 arbeiten beide intensiv zusammen. Durch die zwei Darstellern werden gegnerische Parts gegenübergestellt: Trägheit und Bewegung, Masse und Grazie. Es ist der Kontrast, der den Witz produziert und die Zuschauer zum Lachen bringt. Neben seiner darstellerischen Arbeit übernimmt Roscoe Arbuckle auch mehr und mehr die Regie. Er inszeniert seine eigenen Filme und gehört zu den wichtigsten Slapstick-Regisseuren der Zeit. Es gelingt ihm auch, wie den anderen großen Komikern der Zeit, ins Charakterfach zu wechseln und vom frühen Slapstick weg zur differenzierten Spielweise zu gelangen.

1921 wird seine Karriere abrupt beendet. Die junge Schauspielerin Virginia Rappé kommt nach einer versuchten Vergewaltigung auf einer Party mysteriös ums Leben. Roscoe Arbuckle wird beschuldigt und muss sich vor Gericht verantworten. Obwohl er nach drei Prozessen freigesprochen wird, ist seine Karriere vor der Kamera zu Ende. Kinoketten boykottieren seine Filme, Regisseure wollen nicht mit ihm arbeiten, die Presse nimmt den Skandal zum Anlass, um über den Sündenpfuhl Hollywood zu schreiben. Roscoe Arbuckle wird dafür zum immer wieder zitierten Beispiel. Unter dem Pseudonym Will B. Good bzw. William Goodrich kann er noch Regie führen, aber erfolgreich sind seine letzten Filme nicht. Alkohol und Drogen sollen ihn über die schwere Zeit hinweg helfen, sind aber für ein Comeback nicht förderlich. Er arbeitet ausschließlich für die Produktionsfirma von Mark Sennett. Anfang der 1930er Jahre kann er einige kurze Tonfilme für Vitaphone inszenierten. In einigen ist er auch als Schauspieler zu sehen.

Der Schauspieler ist dreimal verheiratet. Im August 1908 heiratet er die Schauspielerin Minta Durfee, die bis in die 1970er Jahre vor der Kamera stehen wird. Im Januar 1925 lässt sich das Paar scheiden. Bereits kurze Zeit später tritt er mit der Schauspielerin Doris Deane vor den Traualtar, aber diese Ehe hält nur drei Jahre. Ein Jahr vor seinem Tod heiratet er die Schauspielerin Addie McPhail. Roscoe Arbuckle stirbt am 29. Juni 1933 in New York an einem Herzanfall.

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Autorin
Ines Walk

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