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Steve McQueen

Steve McQueen
Regie, Drehbuch

* 1969
London
Großbritannien

STEVE MCQUEEN • Biographie Seite 1/1

Noch hat der britische Regisseur Steve McQueen nicht dieselbe Popularität wie sein Namensvetter. Wenn er jedoch so weiter macht wie mit Filmen wie HUNGER und SHAME (SHAME Trailer), dann ist es nicht ausgeschlossen, dass er irgendwann aus dem Schatten des weltberühmten Schauspielers treten kann.

Geboren wird Steve Rodney McQueen 1969 in London. Er besucht die Drayton Manor High School. Er ist ein talentierter Footballspieler, aber nicht nur an Sport, sondern vor allem an Kunst interessiert. Am Hammersmith and West London College schafft er das A-level, den höchsten Abschluss im britischen Schulsystem. Steve McQueen studiert anschließend am Chelsea College of Art and Design und am Goldsmiths College, an dem seine Leidenschaft für das Filmemachen aufkommt. 1993 wechselt er an die New Yorker Tisch School, um mehr über das Medium Film und das Filmen zu erlernen. Dort hält es ihn doch nicht lange, da sich seine künstlerischen Vorstellungen nicht mit dem Unterricht decken.

Steve McQueen begibt sich in den Bereich des Experimentalfilms. Sein erstes Werk BEAR (1993) zeigt schon sehr deutlich seinen Stil, der sich zusammengefasst als ruhig und minimalistisch bezeichnen lässt. BEAR zeigt zwei nackte Männer, die sich Blicke mit unterschiedlichem emotionalen Ausdruck zuwerfen. Wie seine weiteren Arbeiten ist dieser Film stumm und schwarz-weiß. Es dauert bis zum Jahr 1998, bis Steve McQueen ein Werk mit Ton abliefert. In DRUMROLL ist er selber zu sehen, wie er ein Ölfass durch Manhattans Straßen rollt, gedreht mit drei Kameras, die drei Perspektiven einfangen.

Seine Kunst beschränkt Steve McQueen jedoch nicht auf experimentelle Filme. Er nutzt seine Phantasie und seine künstlerische Ausbildung, um Skulpturen herzustellen und Fotografien zu machen. Sein musisches Schaffen bringt ihm 1999 den Turner Prize ein, eine von Kunstexperten verliehene Auszeichnung an Künstler unter 50 Jahre.

Bis zu seinem filmischen Durchbruch, der ihm größere Bekanntheit einbringt, dauert es im Anschluss allerdings noch eine ganze Weile. Zu Beginn der 2000er Jahre wird es um den Freigeist relativ ruhig. 2003 reist er als offizieller Teilnehmer einer Gruppe Künstler in den Irak. Die dort gewonnenen Eindrücke verarbeitet er 2006 in dem Kunstwerk "Queen and Country". Auf zahlreichen Briefmarken zeigt er Bilder von im Irak gefallenen britischen Soldaten. Er weist damit darauf hin, dass echte Menschen in diesem Krieg kämpfen und sterben, er prangert damit Unrecht an.

Unrecht in Großbritannien ist von da an sein Thema, das auch in seinem Spielfilmdebüt behandelt wird. HUNGER (2008) spielt im Jahr 1981 und handelt von den Insassen im nordirischen Maze-Gefängnis. Im Mittelpunkt steht der von Michael Fassbender gespielte IRA-Kämpfer Bobby Sands, der durch einen Hungerstreik erreichen will, dass er und seine Mitstreiter als politische Gefangene anerkannt werden. Steve McQueen kombiniert schonungslose Bilder mit reinster Poesie, ergreift dabei in diesem politischen Zwist keine Partei, sondern lässt die Geschichte durch seine Inszenierung nachhaltig wirken. Seine künstlerische Ader und sein Engagement, auf zweifelhafte Episoden in der britischen Geschichte hinzuweisen, begeistern die Zuschauer. Steve McQueen schafft es mit HUNGER, der 2008 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes läuft und für den er dort die Caméra d’Or erhält, sich international einen (eigenen) Namen zu machen.

Sein zweiter Spielfilm, das Drama SHAME (SHAME Trailer), wird deswegen ungeduldig erwartet. 2011 ist es soweit: Der Film über einen jungen sexsüchtigen New Yorker Geschäftsmann wird bei den 68. Filmfestspielen von Venedig uraufgeführt. Diesmal konzentriert sich Steve McQueen nicht auf ein politisches Thema, nutzt aber wie schon bei HUNGER das außerordentliche schauspielerische Talent von Michael Fassbender, um das tiefgehende Drama darzustellen. Auch SHAME (SHAME Trailer) inszeniert Steve McQueen radikal und aufwühlend, jedoch ebenso subtil wie eindringlich. Die Story über den bindungsunfähigen und zwanghaft in pornographischen Phantasien lebenden Brandon, der durch einen Besuch seiner psychisch labilen Schwester, gespielt von Carey Mulligan, eine Änderung seines Lebens erfährt, wird wie HUNGER von der Kritik hochgelobt.

Derzeit bereitet Steve McQueen seinen dritten Spielfilm TWELVE YEARS A SLAVE vor. Das Drama um einen Mann in New York Mitte des 19. Jahrhunderts, der entführt und als Sklave gehalten wird, basiert auf der gleichnamigen Arbeit von Solomon Northup und soll voraussichtlich 2013 in die Kinos kommen.

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Autor: Nils Pape
Stand: Dezember 2011

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