Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

Arthur Penn

Arthur Penn
Regie, Drehbuch, Produzent

* 27. September 1922
Philadelphia (Pennsylvania)
USA
† 28. September 2010
New York
USA
andere Namen Arthur Hiller Penn

ARTHUR PENN • Biographie Seite 1/1

Der amerikanische Regisseur Arthur Penn ist einer der Wegbereiter des New Hollywood. Er hat das amerikanische Autorenkino nachhaltig geprägt. In vielen seiner Filme beobachtet er gestörte familiäre Bindungen, schaut auf Außenseiter, die sich ihren Weg in der amerikanischen Gesellschaft suchen, in einigen Fällen bis zum bitteren Ende. Dabei spielt der Regisseur gern mit den Bestandteilen des Genrekinos, unterzieht es einer anspruchsvollen Prüfung, um es immer wieder am Leben zu erhalten.

Arthur Penn wird am 27. September 1922 in Philadelphia (Pennsylvania) geboren. Sein Vater arbeitet als Uhrmacher, seine Mutter ist Hausfrau. Die Familie hat russisch-jüdische Vorfahren. Sein Bruder Irving Penn, der 1917 geboren worden ist, wird später als Mode- und Porträtfotograf berühmt werden. Nach seinem Schulbesuch in seiner Heimatstadt wird er zur US Army eingezogen und dient von 1943 bis 1946 an der Westfront in Europa. In Paris ist er Mitglied eines Truppentheaters. Hier lernt er den späteren Filmproduzenten Fred Coe kennen, der seinen ersten Film produzieren wird.

Nach seinem Abschied von der Armee studiert Arthur Penn von 1947 bis 1948 am Black Mountain College in Asheville, bis 1950 in Perugia und Florenz. In Los Angeles lässt er sich von dem renommierten Schauspiellehrer Michael Tschechow am Actor Studio ausbilden. Danach findet er einen Berufseinstieg beim Fernsehen, arbeitet zunächst als Aufnahmeleiter und Regie-Assistent bei NBC. Von 1953 bis 1955 fungiert er als Regisseur und Autor der TV-Serie THE PHILCO TELEVISION PLAYHOUSE, ist von 1956 bis 1958 Regisseur bei CBS und stellt dort unter anderem die TV-Serie PLAYHOUSE 90 her. Diese frühen Erfahrungen beim Live-Fernsehen versorgen den jungen Regisseur wie viele seiner späteren Mitstreiter mit dem nötigen Know-how, um mit einer neuen Kinosprache zu experimentieren und das alte Hollywood-Studio-System zu attackieren. Neben seiner Filmarbeit engagiert er sich für das Theater, schreibt Bühnenstücke und inszeniert am Broadway, unter anderem die Stücke "Blue Denim" (1954) und "Two for the Seesaw" (1957).

1957 dreht Arthur Penn seinen ersten Film: EINER MUSS DRAN GLAUBEN (1958) entsteht nach einer Vorlage von Gore Vidal und erzählt die Geschichte von Billy the Kid und dem Sheriff Pat Garrett. In der Gestalt des Billy Bonney entzaubert Paul Newman den Mythos vom sauberen Gangster. Der Western wird wegen seiner psychologischen Auslotung des freundschaftlichen Verhältnisses der beiden späteren Gegner besonders in Europa gelobt. Vier Jahre später legt der Regisseur die Literaturverfilmung LICHT IM DUNKEL (1962) vor, der von der Kindheit der amerikanischen Schriftstellerin Helen Keller, die 19 Monate nach ihrer Geburt blind und taub wurde, handelt. Dabei steht die entschlossene Therapeutin im Mittelpunkt, die versucht, das jähzornige, blinde Mädchen zur Selbstverantwortung zu erziehen. Für diesen Film wird Arthur Penn als Bester Regisseur für den Oscar nominiert, die Darsteller Anne Bancroft und Patty Duke werden für ihre schauspielerischen Leistungen ausgezeichnet. Danach wendet er sich einem kriminalistischen Stoff zu und dreht mit EIN MANN WIRD GEJAGT (1965) in großer Starbesetzung: Marlon Brando, Jane Fonda sowie Robert Redford sind dabei. Erzählt wird von einem texanischen Sheriff, der erfolglos versucht, einen ausgebrochenen Sträfling vor der Lynchjustiz zu bewahren. In MICKEY ONE (1965) schildert er den Niedergang eines Showmasters, der eindrucksvoll von Warren Beatty verkörpert wird.

Mit BONNIE UND CLYDE (1967) schafft der Regisseur seinen größten kommerziellen Erfolg und zugleich einen der wichtigsten Filme der Dekade. Innerhalb kürzester Zeit wird das Paar Bonnie und Clyde (gespielt von Faye Dunaway und Warren Beatty) zur nationalen Berühmtheit im Amerika der 30er Jahre. Monatelang plündern sie Läden, rauben Banken aus. Aber sie sind nicht die skrupellosen Bösewichter, wie sie das Kino in Überfülle hervorgebracht hat. Sie sind überaus menschlich, geraten eher aus Zufall und wegen der Umstände auf die falsche Bahn. Ihre Kriminalität wird moralisch ambivalent dargestellt. Der Regisseur arbeitet zudem mit Slowmotion, mit für damalige Verhältnisse extrem kurzen Schnitten und künstlich beschleunigten Bildern, besonders der Showdown beeinflusst nachhaltig die filmische Entwicklung der nächsten Jahre. Der harte Realismus der Films, der Pessimismus, den er ausstrahlt, trifft das Lebensgefühl der Hippie-Generation. Der Film startet in Europa als Sensation und erobert im Triumph auch Amerika. 10 Oscar-Nominierungen erhält er, aber nur Burnett Guffey für die Kamera und Estelle Parsons als Beste Nebendarstellerin können die Trophäe mit nach Hause nehmen.

Eine weitere Oscar-Nominierung als Bester Regisseur erhält Arthur Penn für den Musikfilm ALICES RESTAURANT (1969), in dem der Folk-Sänger Arlo Guthrie und seine Musik im Mittelpunkt stehen. Erzählt wird von einer Hippie-Kommune, seiner Einberufung zum Militär in den Vietnamkrieg, von dem Zerfall der idealistischen Protestbewegung. Mit LITTLE BIG MAN (1970) blickt der Regisseur ironisch auf amerikanische Geschichte: Ein 121jähriger Veteran der Indianerkriege (gespielt von Dustin Hoffman) erzählt sein abenteuerliches Leben bei Indianern und Weißen. Dabei gelingt es den Filmemachern, zahlreiche romantische Mythen der Gründerzeit zu entzaubern. Der Western DUELL AM MISSOURI (1975) schildert das Duell eines Pferdediebs gegen einen mächtigen Rancher. Der Film, getragen von den zwei Hauptdarstellern Marlon Brando und Jack Nicholson, kann an die frühere Erfolge nicht anknüpfen. In dem Gangsterfilm DIE HEIßE SPUR (1975) sucht ein Privatdetektiv die von zu Hause weggelaufene Tochter einer ehemaligen Schauspielerin.

Seit Anfang der 80er Jahre dreht der Regisseur noch einige Filme, die aber nicht an seine besten Werke heranreichen. VIER FREUNDE (1981) schildert aus der Perspektive eines jugoslawischen Amerika-Einwanderers die Schicksale dreier junger Männer und des Mädchens, in die sie alle verliebt waren. Einfühlsam blickt der Regisseur dabei auf soziale und moralische Vorstellungen in Amerika. TARGET - ZIELSCHEIBE (1985) beobachtet ein Vater-Sohn-Verhältnis, wobei der Vater ein früherer Geheimagent war, der sich nun mit seinem Sohn in Europa auf die Suche nach der entführten Mutter macht. Der Horrorfilm DEAD OF WINTER (1988) nutzt das Doppelgängermotiv, um die Geschichte einer zugleich liebenden und mordenden Schwestern zu enthüllen.

In den 90er Jahren widmet sich der Künstler verstärkt der Arbeit am Actors Studio, dessen Präsident er von 1992 bis 2000 ist. Außerdem dreht er einige Werke für das Fernsehen. Das Internationale Filmfestival von Berlin 2007 wird den Regisseur mit dem Goldenen Ehrenbären auszeichnen.

Seit 1955 ist Arthur Penn mit Peggy Maurer verheiratet. Sie haben gemeinsam einen Sohn und eine Tochter. Ihr Sohn Matthew Penn arbeitet mittlerweile ebenfalls als TV-Regisseur.

Einen Tag nach seinem 88. Geburtstag ist Arthur Penn nun in seinem Apartment in Manhattan gestorben.

Aktueller Stand der Datenbank:
18738 Filme,
72604 Personen,
6594 Trailer,
873 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 1,31918