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Kurt Jung-Alsen

Kurt Jung-Alsen
Regie, Drehbuch, Darsteller

* 18. Juni 1915
Tutzing
Deutschland
† 20. Dezember 1976
Berlin
Deutschland

KURT JUNG-ALSEN • Biographie Seite 1/1

Der Regisseur Kurt Jung-Alsen gehört zur zweiten Generation der DEFA-Regisseure. Er kommt vom Theater, feiert mit Komödien-Inszenierungen in Altenburg und Berlin Erfolge. In Potsdam-Babelsberg ist sein Erfolg bescheidener. Aber er legt mit dem Film BETROGEN BIS ZUM JÜNGSTEN TAG (1957) eine künstlerisch überzeugende Produktion vor, die die innere Verfassung der deutschen Wehrmachtsoldaten glaubwürdig, ausgezeichnet inszeniert und gespielt thematisiert. Mit seinen anderen Filmen kann er an diesen Erfolg leider nicht anschließen. Erst beim Fernsehen setzt der Regisseur wieder unsentimental und spannend einige Literaturadaptionen um.


Kurt Jung-Alsen wird am 18. Juni 1915 in Tutzing geboren. Mütterlicherseits ist die Familie seit fünf Generationen am Theater tätig. Sein Vater ist Dr. Paul Eger, der als Intendant in Darmstadt, Hamburg und später am Deutschen Theater in Prag arbeitet. Nach der Besetzung der Nationalsozialisten ist er am Theater in Luzern, Schweiz beschäftigt.

Kurt Jung-Alsen will wie seine Eltern am Theater arbeiten. Er nimmt Schauspielunterricht bei Dr. Rudolf Beer und beginnt an der renommierten Scala in Wien seine Bühnenlaufbahn. Während der 30er Jahre arbeitet er als Bühnenschauspieler in Österreich, unter anderem auf Podien in Salzburg und Wien. Später ist er in Deutschland, in Dresden und Zwickau zu sehen. Während des Zweiten Weltkrieges wird er als Soldat eingezogen und übersteht den Krieg als Kriegsgefangener in einem Lager in Rimini (Italien). Hier ist er Leiter eines Amateurtheaters.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geht der Künstler nach Deutschland, wo er zunächst in Gera, Altenburg und Erfurt als Regisseur und Theaterdirektor tätig ist. 1951 holt ihn der Intendant Fritz Wisten als Regisseur an das damalige Theater am Schiffbauerdamm. Hier inszeniert er unter anderem die Bühnenstücke "Brauthandel" von Carlo Goldoni und "Die fromme Martha" von Tirso de Molinas, jeweils mit dem Schauspieler Rolf Ludwig in den Hauptrollen. Später ist er als Regisseur an mehreren Theatern in Berlin beschäftigt, unter anderem arbeitet er am Schiffbauerdamm, an der Volksbühne und den Kammerspielen des Deutschen Theaters. Zusätzlich wird er von 1952 bis 1954 als Intendant in Halle tätig.

Mit dem Film kommt Kurt Jung-Alsen Anfang der 50er Jahre als Darsteller in Kontakt. An den Werken DIE MEERE RUFEN (1951) von Eduard Kubat und GEFÄHRLICHE FRACHT (1954) unter der Regie von Gustav von Wangenheim ist er beteiligt. 1954 arbeitet er intensiv bei der satirischen Kurzfilm-Produktion Stacheltier mit und setzt vier Kurzfilme als Regisseur in Szene. Seit 1954 macht sich Kurt Jung-Alsen als Regisseur von Kinospielfilmen einen Namen. Sein erster Regie-Film wird die Komödie WER SEINE FRAU LIEBT (1955). Ein Betriebsauflug, geplant ohne die weiblichen Angehörigen, wird zum organisatorischen Desaster. Die Frauen sorgen dafür, daß es doch noch zur angenehmen Feier kommt. Im Unterhaltungsfilm DREI MÄDCHEN IM ENDSPIEL (1956) bessern Mädchen mit weiblicher List das Torverhältnis einer betrieblichen Fußballmannschaft auf.

Sein wichtigster Film wird die Franz Fühmann-Adaption BETROGEN BIS ZUM JÜNGSTEN TAG (1957). Es ist einer der überzeugendsten DEFA-Produktionen der Zeit, thematisiert die innere Verfassung deutscher Wehrmachtsangehöriger. Geschildert wird die Geschichte dreier Soldaten im Juni 1941, die in Litauen stationiert sind. Bei einer Jagd töten sie unglücklich die Tochter eines Hauptmanns. Ein SS-General bringt die Sache für sie in Ordnung, gibt die Schuld am Tod der jungen Deutschen den Russen, schlachtet ihn propagandistisch aus und läßt lettische Mädchen zur Vergeltung erschießen. Wolfgang Kieling spielt den brutalen Gefreiten Lick, der die ganze Sache unbeeindruckt vertuschen will. Rudolf Ulrich gibt den Obergefreiten Wagner, der aus Angst und Feigheit vom Mitläufer zum Mittäter wird. Der Film, eingereicht bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 1957, darf dort allerdings nur im Rahmenprogramm und nicht im Wettbewerb laufen. Die Verantwortlichen der Bundesrepublik hatten interveniert und ihren Alleinvertretungsanspruch geltend gemacht. Hochgelobt wird der Film aber trotzdem in zahlreiche Länder verkauft. Besonders die Regie wird hervorgehoben, sie sei ausgezeichnet, straffe die Handlung, ist mit einer herben Poesie versehen.

Danach bleibt der Regisseur bei der Geschichte. In POLONIA-EXPRESS (1957) verfilmt er eine historische Begebenheit aus dem Jahre 1920, wo deutsche Arbeiter einen Waffentransport zur Unterstützung der Interventionstruppen in der Sowjetunion verhindern. Der Film ist spannend und publikumswirksam inszeniert. In der Folge wählt Kurt Jung-Alsen gegenwärtige Stoffe zur Verfilmung. DIE PREMIERE FÄLLT AUS (1958) sollen wertvolle Forschungsergebnisse in den Westen Deutschlands verschoben werden. Aber die Saboteure, die an einem Provinztheater arbeiten, werden rechtzeitig entdeckt. In dem Kinderfilm DER KLEINE KUNO (1959) präsentiert der Regisseur ein nächtliches Berlin, einen Tag vor dem Geburtstag der Republik. Der sechsjährige Kuno erfüllt sich seinen Wunsch, einmal zu sehen, was die Erwachsenen nachts erleben und rückt eines Abends von zu hause aus. Er sieht eine Paradeübung der Armee, erlebt die Feuerwehr beim Einsatz, erhascht Blicke auf Journalisten, die Jubiläumsausgaben vorbereiten usw. Der Film liegt ganz auf der politischen Linie.

Die Satire HOCHMUT KOMMT VOR DEN KNALL (1960) thematisiert die Angst bürgerlicher Bundesdeutscher vor einem Überfall der Russen auf die Bundesrepublik. Nachdem ein westdeutscher Radiosender ein fiktives Hörspiel gesendet hat, welches als Tatsachenbericht aufgenommen wird, werden zahlreiche Lügen aufgedeckt. Nach der Filmerzählung von Franz Fühmann entsteht der Film DIE HEUTE ÜBER 40 SIND (1960), der von den Lebenswegen zweier Jungen aus einer thüringischen Kleinstadt und deren unterschiedliche Entwicklungen erzählt. In der vier Jahrzehnte umfassenden Chronik spielt Rudolf Ulrich den Sohn eines Drechslers, der zum Antifaschisten und späteren Betriebsleiter wird. Er ist der positive Gegenpart zu seinem bürgerlichen Schulkameraden (gespielt von Peter Herden), der im Westteil Deutschlands zum Handlanger eines ehemaligen Nazi-Funktionärs aufsteigt. Sein letzter Film für die DEFA, der Agentenfilm GEHEIMARCHIV AN DER ELBE (1963), spielt in den Kriegsmonaten 1945. SS-Offiziere wollen Unterlagen den Amerikanern übergeben, um nach dem Krieg mit ihnen zusammenarbeiten zu können. Antifaschisten und der sowjetische Abwehrdienst verhindern die Action.

Ab Anfang der 60er Jahre arbeitet Kurt Jung-Alsen verstärkt für das Fernsehen der DDR. Neben Beiträgen für die TV-Serie "Polizeiruf 110" inszeniert er auch gehobene Fernsehunterhaltung. Besonders erwähnenswert ist sein dokumentarischer TV-Film "Der Schwur des Soldaten Pooley" (1962), wieder nach einem Stoff von Franz Fühmann. Ein englischer Soldat überlebt ein SS-Massaker im Frankreichfeldzug. Nach dem Ende des Krieges sucht er den Verantwortlichen. Ohne falsche Rührseligkeit wird die Geschichte, die sich an einer authentischen Begebenheit orientiert, gradlinig und ungeschönt geschildert. Nochmals verfilmt der Regisseur mit "Das Geheimnis des Ödipus" (1974) eine Vorlage des Schriftstellers. Im besetzten Griechenland lernen 1944 zwei deutsche Soldaten von ihren Hauptmann, der Professor für klassische Antike ist, die alten Sagen kennen, deren moralische Vorstellungen konträr zu ihrem eigenen Verhalten stehen.

Zudem verfilmt der Regisseur in einem Dreiteiler den populären Harry Thürk-Stoff "Der Wind stirbt vor dem Dschungel" über Partisanen im Urwald von Malaysia. Nach dem gleichnamigen Roman von Peter Edel entsteht der Vierteiler "Die Bilder des Zeugen Schattmann" (1972), der auf eindringliche Weise das Leben eines jüdischen Paares im Nazideutschland thematisiert. Die Verfilmung des Heinrich Mann-Stoffes "Im Schlaraffenland" (1975) ist eine der letzten Arbeiten des Regisseurs.

Kurt Jung-Alsen stirbt am 20. Dezember 1976 in Berlin.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Dezember 2006
Diese Biografie ist mit der Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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