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Günther Rücker

Günther Rücker
Regie, Drehbuch

* 02. Februar 1924
Reichenberg, Böhmen
Tschechische Rebublik
† 24. Februar 2008
Meiningen
Deutschland

GÜNTHER RÜCKER • Biographie Seite 1/1

Günther Rücker beginnt seine Karriere beim Film als Drehbuchautor und Texter. Anfangs sind es dokumentarische Arbeiten, die er abliefert. Bald zählt er zu den wichtigsten Drehbuchautoren der DEFA-Spielfilmproduktion. Sein Blick ist auf die DDR-Gegenwart gerichtet; er inszeniert mit DER DRITTE (1971) einen der wichtigsten Frauenfilme der DDR. Desweiteren beschäftigt er sich immer wieder mit jüngster deutscher Geschichte; sein Film DIE VERLOBTE (1980) gehört zu den anerkanntesten DEFA-Produktionen überhaupt.

Günther Rücker wird am 02. Februar 1924 in Reichenbach (zum damaligen Zeitpunkt Böhmen, heute Liberec, Tschechische Republik) geboren. Sein Vater ist Tischler. Nachdem er 1942 sein Abitur absolviert hat, wird er sofort zum Militärdienst eingezogen. Gegen Ende des II. Weltkrieges gerät er in britische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung wandert er nach Leipzig. Hier arbeitet er zunächst als Neulehrer, außerdem wird er Redakteur beim Mitteldeutschen Rundfunk.

1947 beginnt Günter Rücker ein Studium der Regie an der Mendelsohn-Akademie. Nach zwei Jahren hat er sein Abschlußdiplom in der Tasche. Bereits während seines Studiums ist er als Regieassistent am Leipziger Schauspielhaus tätig. Später führt er Regie beim Leipziger Rundfunk, schreibt und inszeniert Hörspiele. Um 1952 siedelt er nach Berlin. Seit dieser Zeit arbeitet er als freischaffender Autor. Themen seiner Arbeiten sind unter anderem der Vietnam- und Koreakrieg. Günther Rücker versteht sich als Beobachter, er porträtiert einfache Menschen und lässt sie aus ihrem Leben berichten.

Ab den 60er Jahren wird der Autor für den Film tätig. Zunächst arbeitet er im dokumentarischen Bereich. Gemeinsam mit den bekannten Dokumentarfilmern Anneliese Thorndike und Andrew Thorndike entstehen Exposes, Drehbücher und Kommentare. Thematisch orientiert sich das Team an der jüngsten deutschen Geschichte, unter anderem in den Beiträgen DU UND MANCHER KAMERAD (1956) oder UNTERNEHMEN TEUTONENSCHWERT (1958). Er arbeitet auch mit den Regisseuren Karl Gass, Winfried Junge und Joachim Hellwig zusammen.

Anfang der 60er Jahre legt Günther Rücker sein erstes Drehbuch für einen DEFA-Film vor. Gemeinsam mit dem bekannten Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase hat er nach intensivem Studium von Dokumenten den betrügerischen Anlaß für die deutsche Kriegserklärung gegen Polen im September 1939 recherchiert und aufgearbeitet. Der Film DER FALL GLEIWITZ (1961) wird ein Publikumserfolg, der Regisseur Gerhard Klein inszeniert streng und mit Distanz ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte.

Ab Mitte der 60er Jahre wechselt Günther Rücker auf den Regiestuhl. Sein erster Film DIE BESTEN JAHRE (1964) erzählt von dem frisch aus dem Krieg heimgekehrten Soldaten Ernst Macher, der als Neulehrer beginnt und immer weiter die Karriereleiter hochsteigt. Gespielt wird Ernst Macher von dem jungen Horst Drinda, der hier seine erste große schauspielerische Herausforderung meistert. Der Film thematisiert die Entwicklung eines neuen Schulsystems in der DDR sowie die verschiedenen Positionen der Generationen dazu und ist deswegen auch ein interessantes Zeitdokument.

Sein nächster Film DER DRITTE (1971) wird ein nationaler und internationaler Erfolg. Erzählt wird die Geschichte der jungen Margit Fleißer, ihren Weg von einer Novizin, zur Studentin und Programmiererin in ihrer Suche nach Liebe und Geborgenheit. Nach zwei herben Enttäuschungen will sie mit dem dritten Mann endlich das ersehnte Glück finden. Der Film zählt zu den besten DDR-Frauenfilmen und ist mit Jutta Hoffmann in der Hauptrolle sowie Armin Mueller-Stahl und Rolf Ludwig brillant besetzt. Die Emanzipation der Geschlechter in der DDR ist auch das Thema eines seiner nächsten Drehbücher. BIS DASS DER TOD EUCH SCHEIDET (1978) wird von Heiner Carow inszeniert und berichtet von den Problemen einer jungen Ehe, die an Gewalt- und Alkoholexzessen zerbricht. Kathrin Saß und Martin Seifert überzeugen in ihren Hauptrollen, der Film wird mehrfach ausgezeichnet.

Thema seiner Drehbücher und Filme ist immer wieder jüngste deutsche Geschichte. Mit WOLZ - LEBEN UND VERKLÄRUNG EINES DEUTSCHEN ANARCHISTEN (1973) verfilmt der Regisseur Günter Reisch die Biographie des Anarchisten Max Hölz, der während der Weimarer Republik mittels individueller Anarchie soziale Gerechtigkeit erreichen will. Mit dem Regisseur arbeitet Günther Rücker nochmals zusammen. Gemeinsam inszenieren sie nach seinem Buch den mehrfach ausgezeichneten Film DIE VERLOBTE (1980), einer der erfolgreichsten DEFA-Filme überhaupt. Die herausragende Jutta Wachowiak spielt eine überzeugte Kommunisten, die mehr als 10 Jahre in einem nationalsozialistischen Gefängnis überlebt. Ausnehmend menschlich und individuell wird große Geschichte in diesem Film fassbar gemacht.

Günther Rücker schildert seine Kindheits- und Jugenderlebnisse in der autobiografisch eingefärbten Erzählung HILDE, DAS DIENSTMÄDCHEN (1984), die 1985 unter seiner und der Regie von Jürgen Brauer verfilmt wird.

Der Drehbuchautor und Regisseur ist mit einer Kostümbildnerin verheiratet. Günther Rückert stirbt am 24. Februar 2008 in Meiningen.

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