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Karel Kachyna

Karel Kachyna
* 01. Mai 1924
Vyskov
Tschechische Republik
† 05. März 2004
Prag
Tschechische Republik

KAREL KACHYNA • Biographie Seite 1/1

Karel Kachyna hat mehr als 60 Filme gedreht. Damit gehört er zu den produktivsten Regisseuren Tschechiens, zählt zu den bedeutendsten Regisseuren des Nachbarlandes. In den 1960er Jahren schließt er sich der sogenannten "Neuen Welle" an, die mit dem Prager Frühling und seiner größeren Autonomie für Gewerkschaften und Kulturorganisationen sowie der aufgehobenen Zensur realistische Filme vorlegt und die Probleme der sozialistischen Gesellschaft thematisiert. Mehrere seiner Filme sind Jahre lang verboten.

Karel Kachyna wird am 01. Mai 1924 in Vyskov geboren. Über seine familiäre Herkunft ist derzeit nichts bekannt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs besucht er von 1947 bis 1951 die Filmhochschule FAMU in Prag. Er gehört zu den ersten Absolventen. Nach dem Studium beginnt er als Dokumentarfilmer zu arbeiten. Häufig arbeitet er mit seinem Kollegen Vojtech Jasny zusammen.

Ab Mitte der 1950er Jahre dreht der junge Regisseur Spielfilme. Sein Debüt wird das Spionage-Abenteuer HEUTE ABEND GEHT ALLES ZU ENDE (1954). In der Folgezeit beschäftigt sich Karel Kachyna immer wieder mit aktuellen Problemen der tschechischen, sozialistischen Gesellschaft. In den 60er Jahren schießt er sich der sogenannten "Neuen Welle" an. Er wird einer der bedeutendsten Regisseuren des Nachbarlandes. Der Name des Regisseurs steht für nüchterne Realitätsbeschreibung, die nicht die Augen vor Problemen der Gesellschaft verschließt. In seinem Film FESSELN (1961) erkennt ein Tierarzt, daß er die falsche Frau und Umgebung gewählt hat. Er beginnt ein neues Leben. HOFFNUNG (1963) schildert das Treffen eines alkoholsüchtigen Mannes mit einer Arbeiterin, die sich bisher wahllos mit Männer einließ. Für beide wird die Begegnung zu einem neuen Lebensanfang.

Immer wieder wendet sich der Regisseur auch dem Kinder- und Jugendfilm zu. DAS MÄDCHEN UND DER SCHWARZE HENGST (1962) spielt in Südböhmen und erzählt die Geschichte der 12jährigen Lenka, die Zeuge wird, wie der Hengst Primus brutal misshandelt wird. Sie freundet sich mit dem - als bösartig geltenden - Tier an und rettet ihm später das Leben. In UND WIEDER SPRING ICH ÜBER PFÜTZEN (1970) wird die Geschichte eines 10jährigen Dorfjungens erzählt, der nach einem Unfall gelähmt, es mit Ausdauer schafft, seine Behinderung zu überwinden. Der Regisseur erzählt authentisch und überaus sensibel. Mit dem Märchenfilm DIE KLEINE SEEJUNGFRAU (1975) wachsen zahlreiche Kinder auf. Karel Kachyna erzählt das Andersen-Märchen mit einem melancholischen, sogar düsteren Unterton, ohne romantische Zuckersüße a la Walt Disney.

Insbesondere werden die Filme geschätzt, bei denen Karel Kachyna mit dem Schriftsteller und Drehbuchautor Jan Procházka zusammenarbeitet. Gemeinsam entsteht unter anderem der preisgekrönte Film KUTSCHE NACH WIEN (1966). Hier wird die menschliche Verrohung durch den Krieg thematisiert und die Greueltaten tschechischer Partisanen nicht verschwiegen. Der Film bricht mit den damaligen Klischees von Recht und Unrecht, er löst zahlreiche Diskussionen aus und wird nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 verboten.

Ihr gemeinsamer Film DAS OHR (1970) wird ebenfalls verboten. Erzählt wird die Geschichte eines Ministeriumsangestellten und seiner Frau, die von einem Empfang zurückkehren und bemerken, dass ihre Wohnungsschlüssel fehlen. Beide werden zwar ständig verfolgt und abgehört, diesmal aber gerät der Ehemann in Panik. Ein Streit ist die Folge, den das allgegenwärtige "Ohr" aufmerksam vermerkt. Am nächsten Tag wird der Mann befördert, er hat sich mit den Gegebenheiten abgefunden. Der Film wird während des Prager Frühlings konzipiert und wirft einen Blick auf die damals aktuellen Debatten um einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz, die ihren Ausdruck im Slánský-Prozess (November 1952) finden. Der Film gelangt erst 1990 in die Kinos.

In seinen Filmen bezieht der Regisseur immer wieder Stellung für die Außenseiter der Gesellschaft, die sich gegen deren Regeln wehren. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen LIEBE ZWISCHEN REGENTROPFEN (1979), ACHTUNG, VISITE! (1981), FANNY (1982) oder TOD DER SCHÖNEN REHE (1986).

1995 erhält der Regisseur den tschechischen Filmpreis, den sogenannten "Tschechischen Löwen", für sein langjähriges Wirken um den tschechischen Film. 1999 wird er während des Filmfestivals in Karlovy Vary für sein Lebenswerk mit einem Sonderpreis geehrt. Am 05. März 2004 stirbt Karel Kachyna in Prag.

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