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Sam Peckinpah

Sam Peckinpah
Regie, Drehbuch, Darsteller

* 21. Februar 1925
Fresno (Kalifornien)
USA
† 28. Dezember 1984
Inglewood (Kalifornien)
USA

SAM PECKINPAH • Biographie Seite 1/1

Der Regisseur Sam Peckinpah wird oft als 'Bastardsohn' von John Ford bezeichnet und gilt neben diesem als Begründer des amerikanischen Spätwesterns. Das Hauptthema seiner Filme ist die Auseinandersetzung mit Gewalt, Moral und dem Untergang des alten Westens. Seine Helden sind oftmals alternde Outlaws, die in der modernen Gesellschaft keinen Platz gefunden haben. Dustin Hoffman bezeichnet Sam Peckinpah auch als einen 'Gunfighter im Zeitalter der Raumfahrt'. Charakteristisch für seinen visuellen Stil ist die auch von seinen schärfsten Kritikern gewürdigte Kunstfertigkeit in der Inszenierung von Gewalt in komplexen Sequenzen unter Verwendung von Zeitlupenaufnahmen. Will Sam Peckinpah nach eigenem Bekunden nur Action-Filme drehen und keine Message-Produkte, so hat er sich dabei doch mit Amerikas Verhältnis zu seiner Geschichte, seiner Gewalt und Moral äußerst kritisch auseinandergesetzt.

Sam Peckinpah wird am 21. Februar 1925 als Sohn eines Richters in Fresno (Kalifornien) geboren. Geprägt wird er von seinem Großvater, einem weißen Siedler, Waffenhändler und Richter, der es bis zum Kongressabgeordneten bringt. Gegen den Wunsch seiner Familie ebenfalls Richter zu werden, studiert er Dramaturgie an der University of Southern California. Er arbeitet in verschiedenen Jobs für Theater und Fernsehen bis er Don Siegel kennenlernt, für den er unter anderem am Drehbuch von DIE DÄMONISCHEN (1956) mitarbeitet.

In den 1950er Jahren arbeitet Sam Peckinpah zunächst beim Fernsehen als Drehbuchautor für die Westernserie RAUCHENDE COLTS. Er konzipiert die TV-Serien WESTLICH VON SANTA FÉ (1958), für die er auch erstmal Regie führt, und THE WESTERNER (1960), welche wegen zu ernsthafter Themen und des dargestellten Realismus bereits nach wenigen Folgen eingestellt werden muss.

Trotzdem kommt es 1961 zu ersten Kinoaufträgen. Er inszeniert GEFÄHRTEN DES TODES (1961) und den Publikumserfolg SACRAMENTO (1961), der gemeinsam mit John Fords DER MANN, DER LIBERTY VALANCE ERSCHOß (1961) zu den ersten Filmen des amerikanischen Spätwesterns gerechnet wird. SACRAMENTO (1961) ist der einzige Film von Sam Peckinpah, dessen Qualität nie angezweifelt worden ist. Es geht darin um das wehmütige Ende des alten Westens, seiner Helden und Mythen, ohne sie dabei bloßzustellen oder zu entlarven. Auch ist es ein sehr persönlicher und moralischer Film, dessen alternde Hauptfigur erklärt: "Das einzige was ich will, ist mein Haus als rechtschaffender Mann zu betreten." Den typisch amerikanischen Western-Optimismus eines offenen Landes voller Möglichkeiten, wird es danach in keinem seiner Filme mehr geben.

Nach seinem Überraschungserfolg mit seinem Debütfilm dreht er mit dem Kavallerie-Western SIERRA CHARRIBA (1965) seinen ersten Film mit großem Budget. Endlose Querelen begleiten die strapaziösen Dreharbeiten von Anbeginn. Er überzieht Budget und Drehzeit, soll ausgetauscht werden - wovor ihn der Hauptdarsteller Charlton Heston mit dem Verzicht auf seine Gage bewahren kann - und wehrt sich energisch gegen die drastische Kürzung seines Films. Diese Arbeit verschafft ihm endgültig den Ruf des kompromisslosen und schwierigen Regisseurs. Sam Peckinpah landet auf der inoffiziellen 'Schwarze Liste' und erhält in der Folge keine weiteren Aufträge. Seine Drehbücher werden abgeändert oder anderen Regisseuren übergeben. Die Dreharbeiten zu CINCINNATI KID (1965) werden abgebrochen und in gänzlich neuer Form von Norman Jewison verwirklicht.

Erst 1969 wird Sam Peckinpah wieder ein Kinofilm ermöglicht. Gemeinsam mit Walon Green schreibt er das Drehbuch für THE WILD BUNCH - SIE KANNTEN KEIN GESETZ (1969) und damit gleichzeitig Filmgeschichte. In diesem Klassiker des Spätwesterns lässt sich eine Gruppe von heruntergekommenen Outlaws auf der Flucht vor Kopfgeldjägern mit der marodierenden Bande eines mexikanischen Generals ein, was in einem Blutbad endet. Der 7-minutige Shoot-out am Ende des Films verändert die Gewaltdarstellung im Mainstreamkino nachhaltig und prägt noch heute den Stil von Regisseuren wie John Woo und Quentin Tarantino.

Mit dem Western ABEGRECHNET WIRD ZUM SCHLUß (1970) und dem modernen Rodeo-Drama JUNIOR BONNER (1972) folgen weitere Filme, die den Abgesang auf den alten Westen und seine Helden thematisieren. Die Titelfiguren Hogue (Jason Robards) und Bonner (Steve McQueen) sind jeweils Musterexemplare jenes typisch amerikanischen Einzelgängers, dem seine Unabhängigkeit über alles geht und der nur seinem eigenen Gewissen verpflichtet ist. Mit ausgezeichneten Hauptdarstellern sind zwei sehr intime Charakter-Portraits entstanden, die mehr über den Regisseur verraten als jedes seiner Interviews. Beide Filme sind sehr ruhig und nahezu gewaltfrei erzählt. Keine Spur von "Bloody Sam". An der Kinokasse kommt die einfühlsame Seite des Filmemachers jedoch nicht an. Von Sam Peckinpah will das Publikum Gewalt und Action sehen, und die bekommt es auch.

Seinen härtesten Film dreht er in England mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle. WER GEWALT SÄT (1971) kann zwar lange nicht mit so vielen Toten wie THE WILD BUNCH - SIE KANNTEN KEIN GESETZ (1969) aufwarten, erzeugt aber eine nahezu unerträglich beklemmende und gewalttätige Atmosphäre, die Ihresgleichen im Kino sucht. Diese äußerst effektvoll inszenierte Gewaltstudie lässt in ihren Charakteren die raubtierhaften Instinkte des Revierverhaltens und der sexuellen Konkurrenz erwachen. Die Entrüstungsstürme der Kritik entfachen sich vor allem an der schockierenden Vergewaltigungsszene, die der jungen Hauptdarstellerin (Susan George) alles abverlangt. Sam Peckinpah wird neben Gewaltverherrlichung, nunmehr auch Frauenfeindlichkeit vorgeworfen. Die Kritikerin Pauline Kael bezeichnet den Film als "faschistisches Kunstwerk". In vielen Ländern wird er mit Verboten belegt und nur gekürzt gezeigt.

Einen seiner kommerziell erfolgreichsten Filme liefert der Filmemacher mit THE GETAWAY (1972) ab. Die Flucht des Gangsters 'Doc' McCoy (Steve McQueen) und seiner Frau vor der Polizei und den Komplizen eines korrupten Politikers endet nach einer fulminanten Schießerei an der mexikanischen Grenze, wie so oft in seinen Filmen. Mit James Coburn und Kris Kristofferson in den Titelrollen inszeniert Sam Peckinpah mit PAT GARRETT JAGT BILLY THE KID (1973) seinen letzten Western im engeren Sinne, denn letztlich ist die Westernthematik in jedem seiner Filme spürbar. Bob Dylan spielt darin eine Nebenrolle und liefert zugleich den Soundtrack. Erneut wird sein Film vom Produzenten bis zur Unkenntlichkeit gekürzt und umgeschnitten. Enttäuscht von Hollywood dreht Sam Peckinpah in Mexiko mit Warren Oates in der Hauptrolle den trashig-brutalen Thriller BRINGT MIR DEN KOPF VON ALFREDO GARCIA (1974), der wie sein nächster Streifen DIE KILLER-ELITE (1975) mit James Caan und Robert Duvall, nicht an vergangene Erfolge anschließen kann.

Mit der deutschen Ko-Produktion STEINER – DAS EISERNE KREUZ (1977) inszeniert Sam Peckinpah mit großem Aufwand in Jugoslawien seinen ersten Kriegsfilm. Überschattet von gesundheitlichen Problemen des alkohol- und drogensüchtigen Regisseurs erinnert der Film noch stilistisch an frühere Werke, hat aber kaum etwas mit deren kritisch analytischer Haltung gemein. Für gutes Geld verkauft Sam Peckinpah seinen guten Namen, der längst zum Markenzeichen für fulminante Action geworden ist.

Nach der Fertigstellung des Roadmovies CONVOY (1978), der trotz erheblicher Mängel sein kommerziell erfolgreichster Film wird, erleidet er einen Herzanfall und zieht sich nach Montana zurück. Seine letzte Regiearbeit bleibt der Agententhriller DAS OSTERMAN WEEKEND (1982). Sam Peckinpah stirbt am 28. Dezember 1984 in Inglewood (Kalifornien) an den Folgen eines Schlaganfalls.

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Autor: Robert Hanulak
Stand: April 2009

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