Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

Konrad Wolf

Konrad Wolf
Regie, Regie-Assistenz, Künstlerische Leitung, Drehbuch, Darsteller

* 20. Oktober 1925
Hechingen (Württemberg)
Deutschland
† 07. März 1982
Berlin
Deutschland

KONRAD WOLF • Biographie Seite 1/1

Konrad Wolf ist einer der wichtigsten Regisseure der DEFA. Mit Filmen wie STERNE (1959), DER GETEILTE HIMMEL (1964), ICH WAR NEUNZEHN (1968) und SOLO SUNNY (1980), die jüngste deutsche Vergangenheit und Gegenwart auf die Leinwand bringen, wird er nicht nur national sondern auch international ein anerkannter Künstler. Seine filmische Sicht auf Deutschland ist geprägt durch seine Geschichte: als 8jähriger emigriert er mit seiner Familie nach Moskau und als 19jähriger kehrt er in der Uniform der Roten Armee zurück. Als späterer Regisseur und Kulturfunktionär weicht er zwar nicht ab von seinen kommunistischen Idealen, blickt er immer fragend auf die Welt, versteckt sich nicht hinter Dogmen und Prinzipien.

Konrad Wolf wird am 20. Oktober 1925 als Konrad Friedrich Wolf in Hechingen, Württemberg geboren. Sein Vater ist der Arzt und Schriftsteller Friedrich Wolf, seine Mutter ist eine geborene Dreibholz. Zur Familie gehört der zwei Jahre ältere Brüder Markus Wolf. 1927 zieht die Familie nach Stuttgart, wo die beiden Söhne in der Reformschule von Friedrich Schieker eingeschult werden. Konrad Wolf wird Jung-Pionier. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 verläßt Friedrich Wolf Deutschland und geht über Österreich und die Schweiz ins französische Exil. Im Sommer 1933 folgt der Rest der Familie dem Vater, im Frühling 1934 siedelt sie nach Moskau.

Im Sommer 1934 wird Konrad Wolf an der Karl Liebknecht-Schule in Moskau eingeschult, wo zahlreiche Emigranten unterrichtet werden. Nach Schließung der Schule lernt er bis 1941 an der Fridtjof Nansen-Schule in Moskau. 1936 wird er sowjetischer Staatsbürger und Mitglied der Pionierorganisation. Während seiner Schulzeit besucht Konrad Wolf regelmäßig das Kino, lernt unter anderem die Klassiker TSCHAPAJEW (1934) und WIR AUS KRONSTADT (1936) schätzen. In dem Film DER KÄMPFER (1936) des Regisseurs Gustav von Wangenheim spielt er eine kleine Rolle.

Nach dem Überfall deutscher Truppen auf die Sowjetunion im September 1941 wird Konrad Wolf in ein Pionierlager nach Tschistopol evakuiert, später nach Alma Ata, wo bereits seine Eltern leben. 1942 kehren sie ins belagerte Moskau zurück. Konrad Wolf meldet sich zu Schanzarbeiten rund um die Stadt. Im Dezember 1942 beendet er die 9. Klasse und wird im selben Monat zur Roten Armee einberufen. Er wird in der Politabteilung der 47. Armee eingesetzt, arbeitet als Dolmetscher und Übersetzer. Mit der Roten Armee zieht Konrad Wolf als Leutnant über Polen nach Deutschland. Er ist an den Kämpfen um Warschau beteiligt. Im April 1945 wird er für einen Tag als sowjetischer Stadtkommandant von Bernau eingesetzt. Seine Abteilung nimmt an der Befreiung des Konzentrationslagers Sachsenhausen teil. Das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebt er in Premnitz. Die Regierung der UdSSR verleiht ihm für seine Verdienste im Zweiten Weltkrieg zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Orden des Roten Sterns, 1970 erhält er den Orden des Vaterländischen Krieges 1. Grades. 1975 wird Konrad Wolf zum Ehrenbürger Bernaus gewählt.

Weiter in Armeeuniform arbeitet Konrad Wolf nach dem Ende des Krieges zunächst als Sonderkorrespondent bei der Berliner Zeitung, später ist er Pressezensor und Kulturreferent der Sowjetischen Militäradministration in Halle an der Saale. Unter dem Pseudonym Michael Storm berichtet er für Presse und Funk in Berlin von den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen. Im Dezember 1946 wird er als Oberleutnant aus der Roten Armee entlassen. Bis 1948 ist Konrad Wolf Referent für Jugenderziehung, Studenten und Sport in der Abteilung Agitation und Propaganda des Hauses für Kultur der Sowjetunion in Berlin. Neben seiner Arbeit besucht er die Abendschule der Sowjetischen Militäradministration in Berlin-Karlshorst und holt sein Abitur nach.

Im August 1949 absolviert Konrad Wolf die Aufnahmeprüfung an der Moskauer Filmhochschule WGIK, wo er im September sein Studium aufnimmt. Zu seinen Lehrern zählen unter anderem Michail Romm und Sergej A. Gerassimow. Während seines Studiums arbeitet er als Regie-Assistent bei Joris Ivens und dessen Film FREUNDSCHAFT SIEGT (1951) mit, der während der III. Weltfestspiele in Berlin entsteht. Danach assistiert er bei Herbert Ballmann bei der Dokumentation BLAUE WIMPEL IM SOMMERWIND (1952). Im Februar 1952 nimmt Konrad Wolf die Staatsbürgerschaft der DDR an und wird im selben Jahr Mitglied der SED. Im März 1953 beginnt Konrad Wolf ein Regie-Praktikum bei Kurt Maetzig, der an dem Film ERNST THÄLMANN - SOHN SEINER KLASSE (1954) arbeitet. 1955 beendet er sein Studium mit dem Diplom. Als Abschlußfilm legt er die musikalische Komödie EINMAL IST KEINMAL (1955) vor. Hier erzählt er eine Geschichte um den jungen Komponisten Peter Weselin aus Düsseldorf, der im vogtländischen Klingenthal einige turbulente Tage kurz vor der jährlichen Musikwoche erlebt.

Nach dem Studium wird Konrad Wolf zum Mitglied des Künstlerischen Rates beim DEFA-Studio für Spielfilme berufen. Am 16. Februar 1956 feiert sein Film GENESUNG (1956) Premiere. Erzählt wird von Friedel Walter (gespielt von Wolfgang Kieling), der sich nach dem Zweiten Weltkrieg als Arzt ausgibt, aber keiner ist. Sein Werdegang vom Medizinstudent in den 30er Jahren über Sanitäter im Krieg bis hin zum mit falschen Papieren praktizierenden Arzt wird filmisch nachgezeichnet und wirft ein Bild auf jüngste deutsche Vergangenheit. Stilistisch überzeugt der Film durch komplexe Rückblenden-Konstruktionen und bemerkenswerte Schwarz-Weiß-Bilder des Kameramanns Werner Bergmann.

Ein Jahr später folgt LISSY (1957) nach dem gleichnamigen Roman von F. C. Weiskopf. Lissy (gespielt von Sonja Sutter) ist eine Arbeitertochter, die sich aus dem armseligen Milieu herausarbeiten will und den gutsituierten Angestellten Alfred Fromeyer heiratet. Als dieser sich im Berlin der 30er Jahre von der SA beeindruckt zeigt und dort eine steile Karriere macht, kommen Lissy Zweifel an ihrer duldsamen Lebenshaltung. Als ihr Bruder von den eigenen SA-Kameraden ermordet wird, trennt sie sich von ihrem Mann. Der Film gewinnt Kritiker wie Zuschauer nicht nur durch die brillanten Darsteller, sondern ist zudem ein atmosphärisch dicht fotografiertes Drama, das in seiner Inszenierung dem poetischen Realismus nahe steht. LISSY (1957) wird mehrfach ausgezeichnet; ist auch heute noch ein überaus interessanter und ansprechender Film.

Im März 1959 wird der Film STERNE (1959) uraufgeführt. Erzählt wird von drei Tagen in einer bulgarischen Stadt, wo 1943 griechische Juden Zwischenstation auf ihren Weg ins Vernichtungslager Auschwitz machen. Der Wehrmachts-Unteroffizier Walter (verkörpert von Jürgen Frohriep) trifft auf die Jüdin Ruth, beide verlieben sich ineinander. Walter gerät in Konflikt mit seinen Vorgesetzten und Freunden, wandelt sich, indem er den bulgarischen Widerstandskämpfern hilft. Doch er kann ihren Transport nach Auschwitz nicht verhindern. Der Film wird mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 1959 mit einem Sonderpreis der Jury auf dem Internationalen Filmfestival in Cannes. Hier konnte der Film allerdings nur als bulgarische Produktion laufen. Vertreter der BRD protestierten erfolgreich gegen den Start eines Films aus einem nicht anerkannten Land. In Bulgarien dagegen wurde der Film zunächst nicht zugelassen, weil er ein zu positives Bild der Deutschen zeichnen würde.

Die Premiere seinen nächsten Films wird abgesagt. SONNENSUCHER (1958) blickt auf Arbeiter und Funktionäre im Uranbergbau der Wismut um 1950. Erwin Geschonneck spielt hier eine seiner faszinierendsten Arbeiterfiguren. Er gibt einen unorthodoxen Kommunisten - lebenslustig und fröhlich, robust und kraftvoll, zugleich radikal und anarchistisch. Günther Simon - positiver Held zahlreicher DEFA-Filme - verkörpert dagegen den einarmigen Obersteiger Franz Beier, der als früher Angehöriger der SS durch harte Arbeit das Vergangene ungeschehen machen will. Thematisiert wird unter anderem sein Konflikt mit der sowjetischen Betriebsleitung, der sich auch auf privater Ebene äußert. Alle Beteiligten - deutschen Kommunisten, Arbeiter, Frauen sowie sowjetische Offiziere - sind hier überaus menschlich dargestellt. Die Premiere von SONNENSUCHER (1958) wird zunächst hinausgezögert, dann Ende 1959 angekündigt und im letzten Moment doch aufgrund eines Einspruchs des sowjetischen Botschafters wieder abgesagt. Der Film wird von den Verantwortlichen abgelehnt, da ihnen das Bild auf die Konfikte zwischen Deutschen und Russen, Antifaschisten und ehemaligen Nazis, Männer und Frauen auf der Suche nach etwas Liebe und Glück nicht paßt. Erst 1972 kommt er in die Kinos.

Sein nächster Film LEUTE MIT FLÜGELN (1960) setzt sich wieder mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinander. Der Film erzählt in Rückblenden die Geschichte des Funkers und Kommunisten Bartuscheck (gespielt von Erwin Geschonneck) aus DAS LIED DER MATROSEN (1958), der aufopferungsvoll für die gerechte Sache kämpft. Nach dem Theaterstück seines Vaters entsteht PROFESSOR MAMLOCK (1961). Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird der Jude Mamlock als Chef einer chirurgischen Klinik in Deutschland von den neuen Machthabern aus der Klink geführt, von seiner Arbeit ferngehalten und nach seiner Rückkehr zur Entlassung seiner jüdischen Kollegen veranlaßt. Als er sich weigert und sich seine deutschen Kollegen von ihm distanzieren, bricht sein Glaube an Recht und Ordnung zusammen, er begeht Selbstmord.

Nach dem Roman von Christa Wolf beschäftigt sich der Film DER GETEILTE HIMMEL (1964) mit den Konsequenzen der deutschen Teilung. Die junge Rita (gespielt von Renate Blume) verliebt sich in den 10 Jahre älteren Chemiker Manfred (Eberhard Esche). Nach Problemen im Betrieb verlässt Manfred die DDR und geht nach Westberlin. Rita, die ihn dort besucht, kehrt wieder zurück. Stilistisch überzeugt der Film durch eine verschachtelte Montage, extreme schwarz-weiß Bilder und hervorragende Szenenbilder. Inhaltlich sorgt er in der DDR für Zündstoff. Er bringt Themen wie Republikflucht und Dogmatismus auf die Leinwand.

ICH WAR NEUNZEHN (1968) trägt autobiographische Züge; es ist sein persönlichster Film. Erzählt wird vom emigrierten Gregor Hecker (gespielt von Jaecki Schwarz), der als Soldat der Roten Armee seine Heimat Deutschland und die Deutschen zwischen dem 16. April und dem 03. Mai 1945 auf dem Weg von der Oder bis zu einem westlich von Berlin entdeckt. Ohne Pathos, Idealisierung und Sentimentalität schildert der Film die Schrecken des Krieges. Der sehr persönliche, authentische und aufrichtige Film wird auch wegen der starken emotionalen Ausstrahlung des Hauptdarstellers ein großer Erfolg im In- und Ausland. Nochmals thematisiert der Regisseur jüngste deutsche Geschichte n dem Film MAMA, ICH LEBE (1977).

Mit drei Filmen beschäftigt sich Konrad Wolf mit dem Thema Künstler und Macht. Im Mittelpunkt des opulenten Werkes GOYA (1971) steht der spanische Malers Francisco de Goya y Lucientes, dessen Lebensweg vom Hofmaler zum Künstler, der dem Volke nahesteht und von der Inquisition dafür zur Verantwortung gezogen wird. Der Film, produziert in deutsch-sowjetischer Co-Produktion, wird durch seine Schauwerte, die Starbesetzung und die metaphorischen Bilder zu einem internationalen Erfolg. Danach entsteht DER NACKTE MANN AUF DEM SPORTPLATZ (1974), der zwar thematisch ebenfalls auf das Künstler-Sujet zurückgreift, aber mit Geschichte und Bildern wieder leise, stille Töne anschlägt. Großen Erfolg feiert SOLO SUNNY (1980) mit Renate Krössner in der Hauptrolle. Regisseur und Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase finden in der Schauspielerin ihre Entsprechung der jungen Frau aus dem Prenzlauer Berg, die als Sängerin mit einer Tingeltangel-Band durch das Land reist, ihren Anspruch auf künstlerische Selbstbehauptung und Freiheit aber nicht aufgeben will. Der Film überzeugt durch ausgefeilte Charakterzeichnung und realistische Stimmung. Renate Krössner mimt die Schlagersängerin Ingrid Sommer souverän und eigenwillig. Für ihre Darstellung wird sie unter anderem bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin mit dem Silbernen Bären als Beste Darstellerin ausgezeichnet.

Danach arbeitet Konrad Wolf an einer sechsteiligen Dokumentation über den Kommunisten, Sänger und Schauspieler Ernst Busch. Er kann die Arbeit nicht vollenden, stirbt am 07. März 1982 im Alter von nur 57 Jahren in Berlin.

Neben seiner Arbeit als Regisseur ist Konrad Wolf gesellschaftlich stark engagiert. Von 1959 bis 1966 ist er Vorsitzender des Zentralvorstandes der Gewerkschaft Kunst. 1965 wird er zum Präsidenten der Akademie der Künste der DDR gewählt. Diese Funktion hat er bis zu seinem Tode inne. Hier setzt er sich - im Rahmen seiner Möglichkeiten - für eine progressive Kunst- und Kulturpolitik ein. Auf dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED verteidigt er den Film wie SPUR DER STEINE (1965) von Frank Beyer. Konrad Wolf ist 1967 Gründungsmitglied des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR und gehört dessen Vorstand an. 1981 ist er Delegierter des X. Parteitages der SED und wird zum Mitglied des Zentralkomitees gewählt.

Konrad Wolf ist in erster Ehe seit Juni 1955 mit der Kostümbildnerin Annegret Reuter verheiratet. Ihre gemeinsame Tochter Judith-Katharina wird 1956, der Sohn Oleg 1958 geboren. In zweiter Ehe heiratet er 1960 die Schauspielerin Christel Bodenstein. Ihr Sohn Mirko wird 1961 geboren. Nachdem die Beziehung zu Ende ist, lebt er mit Inge-Lore Kindt zusammen.

Aktueller Stand der Datenbank:
18738 Filme,
72604 Personen,
6594 Trailer,
873 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 1,68537