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Erik S. Klein

Erik S. Klein
Darsteller, Sprecher

* 06. Februar 1926
Dresden
Deutschland
† 22. Oktober 2002
Eichwalde (bei Berlin)
Deutschland

ERIK S. KLEIN • Biographie Seite 1/1

Erik S. Klein ist ein vielseitiger Schauspieler. Er hat Schurken und Schufte gespielt, ebenso wie zahlreiche Sympathieträger. Seine Schauspielkunst ist mehrschichtig; er gilt als überaus wandlungsfähig. Erik S. Klein versteht es außerordentlich gut, die soziale Situation seiner Charaktere in die Darstellung einfließen zu lassen. Durch seine unspektakuläre Ausdruckkraft offenbart er dem Zuschauer die Gründe verschiedener Verhaltensweisen. So prägt sich der Schauspieler ohne Starallüren im Gedächtnis der Zuschauer ein, überzeugt unter anderem in Filmen von Konrad Wolf, Frank Beyer und Ralf Kirsten.

Erik S. Klein wird am 06. Februar 1926 in Radebeul, bei Dresden als Erik Siegfried Klein geboren. Sein Vater ist ein ostpreußischer Landarbeiter, der aus dem Ersten Weltkrieg als Kriegsinvalide heimkehrt. Er stirbt, als Erik S. Klein 8 Jahre alt ist. Seine Mutter mit böhmischen Vorfahren ist als Textilarbeiterin tätig. Sie ist es, die ihn für das Schauspiel und Musik interessiert. Seit seiner Kindheit spielt er Geige. Als 14jähriger arbeitet als Botenjunge und nimmt mit dem Verdient Schauspielunterricht. Zunächst beginnt er eine Ausbildung an einer Wirtschaftsoberschule. Noch während der Schulzeit absolviert er Stimm- und Schauspielunterricht, unter anderem bei dem bekannten Schauspieler Erich Ponto. Kurz vor dem Abitur verläßt er die Schule und debütiert als 17jähriger an der Dresdner Komödie.

Danach folgen Engagement in Gießen und Lübeck; er gibt den jugendlichen Helden und Naturburschen. Doch die Schauspielkarriere währt nicht lange. 1944 muß er den Arbeitsdienst absolvieren, erhält Arrest, weil er sich gegen Ungerechtigkeiten einsetzt. Kurze Zeit später wird er als Soldat zur Deutschen Wehrmacht eingezogen, durchläuft eine Reserveoffiziersausbildung. Er übersteht das Ende des Zweiten Weltkrieges in belgischer Gefangenschaft. Hier spielt er Theater, beschäftigt sich auch theoretisch mit der Schauspielkunst.

1947 nimmt Erik S. Klein seine Bühnenlaufbahn am Theater in Freiberg wieder auf, geht später nach Altenburg; 1950 folgt Cottbus. Hier gelingt ihm der Sprung ins Charakterfach. Dann rufen Helene Weigel und Bertolt Brecht nach Berlin. Von 1954 bis 1961 ist er Mitglied des Berliner Ensembles. Hier spielt er den Lawrenti in "Der kaukasische Kreidekreis", ist als Roma in "Arturo Ui" zu sehen. 1961 wechselt der Schauspieler dann ans Deutsche Theater, dem er bis 1970 angehört. Unter der Leitung von Wolfgang Langhoff spielt er unter anderem den Wachtmeister Werner in "Minna von Barnhelm" nach Lessing; agiert als Arbeiter Tschibissow in "Mann mit dem Gewehr". Anfang der 70er Jahre verläßt der Schauspieler das Theater und wird Ensemblemitglied des Deutschen Fernsehfunks. Bis 1990 ist er dort an zahlreichen Filmproduktionen beteiligt.

Die DEFA beginnt sich frühzeitig für den jungen Schauspieler zu interessieren. Zunächst ist er in einigen Produktionen mit kleineren Rollen betraut, so spielt er unter anderem einen Volkspolizisten in DER FACKELTRÄGER (1957) von Johannes Knittel sowie den Technischer Direktor Heiner Junghans in BEVOR DER BLITZ EINSCHLÄGT (1959) unter der Regie von Richard Groschopp. Erst der Regisseur Konrad Wolf erkennt die schauspielerischen Möglichkeiten des Darstellers. In seinem Film STERNE (1959) gibt Erik. S. Klein den deutschen Besatzungsoffizier Kurt. Er ist brutal, eiskalt, dem unmenschlichen nationalsozialistischen Sytem treu ergeben. Zugleich aber belügt er auch seinen Freund, den Unteroffizier Walter (gespielt von Jürgen Frohriep), um diesen zu retten. Erik S. Klein spielt den deutschen Soldaten ebenso dumpf wie jovial, kumpelhaft auftrumpfend und rassistisch gefährlich. In der Folge verkörpert er häufig Nationalsozialisten, die als Opportunisten oder Feiglinge daherkommen. So in Frank Beyers Film NACKT UNTER WÖLFEN (1963), wo er den Kleinbürger Reineboth in SS-Uniform gibt, der - klüger als sein Vorgesetzter - bereits vorsorgt für die Zeit nach dem Ende des Krieges. Auch hier zeigt Erik S. Klein deutlich die Gewalttätigkeit und Machtbesessenheit der Nationalsozialisten auf, gepaart mit Intelligenz und Verschlagenheit wird er zum folgsamen Diener des faschistischen Regimes. In beiden Filmen gestaltet Erik S. Klein die Figuren beängstigend real.

Danach ist der Darsteller in zahlreichen Gegenwartsstoffen zu sehen. Mehr und mehr wechselt der Darsteller ins komödiantische Fach. Der Regisseur Ralf Kirsten besetzt ihn in seinem Mantel- und Degenfilm MIR NACH, CANAILLEN (1964) als August, den Starken. Erik S. Klein gibt ihn als herrschaftlicher Gockel. In ALFONS ZITTERBACKE (1965) von Konrad Petzold spielt er Alfred, den Freund von Vater Zitterbacke. Beide müssen sich gegenseitig viel beweisen. Mehrfach gibt er den Vater in Kinderfilmen, unter anderem in LÜTT MATTEN UND DIE WEIßE MUSCHEL (1964). In der Theodor Fontane-Adaption UNTERM BIRNBAUM (1973) von Ralf Kirsten spielt er den Wirt Hradschek, der aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten einen Mord begeht. In NELKEN IN ASPIK (1976) agiert er als Siegfried Huster von der übergeordneten Dienststelle, der den unfähigen Werbezeichner Wolfgang Schmidt (gespielt von Armin Mueller-Stahl) für die höhere Laufbahn vorschlägt.

Im Fernsehen der DDR wird Erik S. Klein besonders populär. In "Das grüne Ungeheuer" (1962) von Rudi Kurz mimt er den intriganten Steve Baxter, der in den Wirren des aufkeimenden Bürgerkriegs Guatemalas sein Schäfchen ins Trockene bringen will. In dem Fünfteiler "Wege übers Land" (1968) von Martin Eckermann spielt er den rückständigen Bauer Kalluweit.

In der TV-Serie "Aber Vati!" (1974) von Klaus Gendries mimt der Schauspieler den allein erziehenden Vater Erwin Mai, dessen Zwillingssöhne Kalle und Kulle sich auf die Suche nach einer passenden Frau für ihn machen. Die Teile sind witzig und intelligent in Szene gesetzt, die Kinderdarsteller sind ebenso gut wie die Erwachsenen. Aufgrund des großen Erfolges wird fünf Jahre später eine Fortsetzung gedreht. Außerdem ist Erik S. Klein mit der Rolle des Kapitän Langhans überaus populär. In der TV-Serie "Zur See" (1977) von Wolfgang Luderer kann er an der Seite von Kapitän Karstens (gespielt von Horst Drinda) mehrfach seine Freundschaft und Loyalität beweisen.

Wie viele seiner Kollegen ist auch Erik S. Klein in den Standards des DDR-Fernsehens präsent. Er spielt in Teilen von "Polizeiruf 110" und "Der Staatsanwalt hat das Wort" mit. Weitere Serien-Produktionen wie "Tierparkgeschichten" (1989) machen den Darsteller mehrfach zum Publikumsliebling in der DDR. Nach dem Zusammenbruch der DDR im November 1989 werden dem Darsteller zunächst keine Rollen für Kino und Fernsehen angeboten. Erik S. Klein konzentriert sich auf die Theaterarbeit. 1995 steht er auf der Bühne des Berliner Renaissance-Theaters in der Satire "Noch ist Polen nicht verloren". Außerdem tritt er mit Lesungen vor sein Publikum.

Neben seiner unfassendem Theater- und Filmarbeit ist Erik S. Klein ein viel beschäftigter Sprecher beim Rundfunk. Im Laufe der Jahre spricht er in unzähligen Hörspielen, Kabarettsendungen und ist desöfteren im Synchronstudio zu hören. Er leiht etwa 300 Figuren in Hörspielen seine Stimme.

Erik S. Klein ist mit einer Musikerin verheiratet und Vater von drei Töchtern. Die Tochter Katrin Klein arbeitet ebenfalls als Schauspielerin. Seine Familie wohnt in Berlin. 1996 erleidet der Künstler einen Unfall, von dem er sich nicht mehr erholt. Er stirbt am 22. Oktober 2002 in Eichwalde, bei Berlin.

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Autorin: Ines Walk
Stand: 2006
Diese Biografie ist mit einer Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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